Das Kranichmoor ohne Kranich

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Gefiedert, mit Fell oder nackt: Im Kranichmoor findet sich eine Vielzahl von schützenswerten Arten aus Flora und Fauna

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21. März 2017, 14:20 Uhr

In der Nähe von Ladelund, zwischen Ellhöft und Westre, befinden sich weitläufige Nadelwaldungen, die zumeist aus angepflanzten Fichten bestehend. Von diesen umgeben liegt eine weite, offene Fläche, die früher Brutplatz von einem beeindruckenden Großvogel war: dem Kranich. Leider ist er jedoch bereits lange aus dem Gebiet verschwunden.

Trotzdem bietet das Kranichmoor, ein so genanntes Nordwestliches Moor, das zu den seltenen in Schleswig-Holstein gehört, verschienden Arten aus Flora und Fauna einen Lebensraum.


Das Moor entstand auf sandigen Geestböden


Das Moor entstand auf sandigen Geestböden, die langsam vermoorten und zunächst ein Flachmoor bildeten, das vom Grundwasser gespeist wurde. Vom Rand wuchsen in einer seenartigen Senke absterbende Pflanzen heran, Torfmoose bildeten sich, die nach unten hin abstarben und somit zu einer Versumpfung beitrugen.

Zur Zeit befindet sich das Moor im Übergang zu einem Hochmoor, das vom Oberflächenwasser sowie Regenfällen gespeist wird und ist somit ein Zwischenmoor. Eisenablagerungen bildeten eine wasserundurchlässige Unterlage.

Das Moor der ehemaligen Kraniche ist leicht zu erreichen: Dunkle Waldwege führen von allen Seiten heran, bis sich eine Lichtung öffnet, die geheimnisvolles verspricht. Im Frühling duften die Gagelsträucher weithin, während Krähenbeeren und Heidekräuter die Füße bei jedem Schritt hemmen.

Interessanterweise gibt es hier – wie sonst an solchen Orten – keine Birken, sodass einem zuwachsen der Freifläche ein natürlicher Einhalt geboten ist. Dafür gibt es eine große Besonderheit, den Lungenenzian, der seine kräftig blauen Blüten aus den dreikantigen Grauseggengräsern und Binsen erhebt. Seine Anwesenheit hat er dem Seggen- und Bruchlandtorf zu verdanken, der unter einer dünnen erdigen Bodenschicht liegt und dem Untergrund einen sauren Charakter verleiht. Davon profitiert auch das Läusekraut, ein so genannter Halbparasit, der unterirdisch die Wurzeln von Gräsern angreift und sich darüber ernährt.

Moore sind im Allgemeinen arm an Arten, da die Lebensbedingungen hart sind und nur wenig Nahrung bieten. Umso angepasster sind demzufolge die Pflanzen, die Wege gefunden haben, hier gut leben zu können. Beinahe 40 Arten wurden im Kranichmoor festgestellt, darunter mehrere Torfmoorarten wie das Sphagnum, welches ein typischer Moorbildner ist.

Noch sind keine Kraniche hierher zurück gekehrt, obwohl sie in Deutschland heute nicht mehr zu den Seltenheiten gehören und zahlreiche ehemalige Brutplätze und Rastplätze wieder einnehmen. Vielleicht kommen sie ja doch eines Tages überraschend auch hierher zurück.

Andere Gefiederte sind im Kranichmoor dagegen reichlich vorhanden: Kleine gelbgrüne Zilpzalpe lassen ihre Stimme erklingen und ein seltenes Knäkentenpaar beobachtet aufmerksam die Umgebung des zukünftigen Brutplatzes, während es von Plattbauchlibellen umschwirrt wird. Auch Ringelnattern schlängeln sich durch den Beinbrech oder schwimmen zwischen dem Laichkraut und Froschbiss auf der Jagd nach Wasserfröschen und Molchen dahin. Moorfrösche, die zur Balzzeit in herrlichem Blau leuchten, hört man lauthals rufen. Marder aus dem nahen Wald und Hermeline huschen auf der Jagd nach Spitzmäusen im Morgengrauen umher.


Eulen und Waldkäuze bewohnen das Kranichmoor


Auch Eulen bewohnen den Lebensraum. Nachts sieht man lautlos im Vollmondschein Waldkäuze aus dem Wald fliegen und das Kranichmoor durchstreifen. Ihre durchdringenden Rufe ziehen weit durch die Dunkelheit, ehe das Weibchen mit lautem „Kuwitt“ antwortet. Eine unheimliche Atmosphäre, wenn sich das Licht des Mondes in kleinen Tümpeln spiegelt und die schwarzen großen Augen der großen Käuze neugierig auf einen herab blicken.

Mit Geduld und Aufmerksamkeit wird man viele der Geheimnisse der Moorlichtung lüften und beobachten können.

Zu den in Schleswig-Holstein weitläufig vernetzten Moorverbundsystemen wird das Kranichmoor nicht gehören können, dazu ist es zu isoliert. Aber ein seltenes, schützenswertes Kleinod in der Landschaft Südtonderns wird es immer sein. Für solche Ziele engagiert sich auch der regionale Naturschutzverein, um die Vielfalt und deren Schutz zu fördern.

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