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Nordfriesland Tageblatt

18. August 2017 | 01:57 Uhr

„Das ist eine enorme Lärmbelästigung“

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

In Leck sorgt die Geräuschkulisse durch ein Blockheizkraftwerk bei den Anwohnern für Unmut.

Blockheizkraftwerke (BHKW) haben den Vorteil, dass aus dem Brennstoff, meist Biogas, Strom und Wärme gleichzeitig produziert wird. Deshalb erobern sie den Markt, versorgen große Gebäude – und sind im besten Fall kaum zu hören. Als aber das neue BHKW in der Grundschule an der Linde in den Probelauf ging, reichte die Schalldämmung nicht aus. Es war so laut, dass die Anlieger kaum in den Schlaf kamen. „Das ist eine enorme Lärmbelästigung“, ärgert sich Hartmut Pietsch.

Schon lange hat das BHKW am Süderholz seinen Betrieb aufgenommen, ein anderes beispielsweise versorgt die Mietshäuser in der Karrharder Straße mit Strom und Wärme, ein weiteres arbeitet für das Erlebnisbad. Im Zuge der Sanierung der Grundschule in der Eesacker Straße wurde nun ein BHKW im Keller des Gebäudes an der Dünenstraße errichtet. Eigentlich sollte dieses gegenüber auf dem Spielplatz entstehen. Eine Extra-Wärmeleitung in das Schulgebäude wäre notwendig gewesen. Aus Kostengründen wurde umdisponiert, der alte Heizungsraum umfunktioniert zum BHKW.

Ein Probelauf folgte – und die Beschwerden von Anwohnern. Als deren Sprecher trug Hartmut Pietsch das Ärgernis den Gemeindevertretern vor. „Das Rauschen der alten Heizungsanlage hat man hingenommen, doch dieser Lärm, ein tiefes, stetiges Brummen, ist unerträglich. Das hält man nicht aus – nicht im Garten, nicht im Haus.“ Was ihn insbesondere frustriert ist, dass er sich von den Politikern und der Verwaltung nicht ernst genommen gefühlt hat: „Keiner hat mir Hilfestellung gegeben.“

Und doch ist etwas passiert. Auf der vorigen Gemeindevertretersitzung Ende Oktober wurde im nichtöffentlichen Teil ein Zuschuss für Nachdämmungs-Maßnahmen durch die Betreiber genehmigt. Diese schalldämmenden Maßnahmen sind erforderlich und klar in der Sechsten Allgemeinen Verwaltungsvorschrift zum Bundes-Immissionsschutzgesetz geregelt. Diese Richtlinien besagen, dass der Lärm in reinen Wohngebieten tagsüber (6 bis 22 Uhr) nicht 50 Dezibel und nachts (22 bis 6 Uhr) nicht 35 Dezibel übersteigen dürfen. Zu vergleichen ist das am Tage mit Regen- oder Kühlschrankgeräuschen, in der Nacht entsprechen die Geräusche einer Lautstärke zwischen Flüstern und leiser Musik.

Zwischendurch war die Energieerzeugungsanlage abgeschaltet, die Arbeiten an der Schalldämmung laufen und auch einige Tests. Klaus Schmidt vom „Leckenger Biogas“ als einer der Betreiber erklärte: „Wir haben eine private Messung vorgenommen, die liegt unter 50 Dezibel. Die Nachtwerte haben wir noch nicht erreicht. Aber die Maßnahme ist ja auch noch nicht abgeschlossen.“ Dann soll ein Gutachter mit der offiziellen Lärmmessung beauftragt werden.

Ob die Anlieger, an deren Gärten das Blockheizkraftwerk grenzt, sich nicht mehr gestört fühlen, wird sich zeigen, denn jeder Mensch hat ein anderes Lärm-Empfinden.

So ergeht es beispielsweise Ulli Wich aus Braderup. 70 Meter von seinem Schlafzimmer entfernt arbeitet ein BHKW. Dessen Betreiber hält jetzt auf Drängen zwar die Immissionsrichtwerte dank schalldämmender Maßnahmen ein, doch Ulli Wich nimmt die nicht hörbaren, tieffrequenten Töne fühlbar wahr. „Morgens wache ich auf mit einem Kopf so groß wie ein Kürbis“, sagt er und moniert: „Blockheizkraftwerke in Wohngebieten zu erlauben ist unzumutbar!“

 

 

 

 

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erstellt am 22.Nov.2014 | 05:15 Uhr

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