Volkstrauertag : „Das Gute überwindet das Böse“

Kirchengemeinderatsvorsitzende Birte Christiansen und    Kirchengemeindevertreter Sighardt Baumgardt legen    einen Kranz am Gedenkstein der 317 Gefangenen nieder.
1 von 2
Kirchengemeinderatsvorsitzende Birte Christiansen und Kirchengemeindevertreter Sighardt Baumgardt legen einen Kranz am Gedenkstein der 317 Gefangenen nieder.

Mit Kranzniederlegungen, Gottesdienst, Grußworten und Konzert wurde in Ladelund der Kriegsopfer gedacht. Auch Einwohner der niederländischen Stadt Putten waren angereist.

23-25514131_23-57312120_1389257502.JPG von
18. November 2013, 09:00 Uhr

Der Volkstrauertag wurde in Ladelund in gewohnt würdiger Weise gefeiert, wozu auch in diesem Jahre wieder zahlreiche Einwohner der niederländischen Stadt Putten angereist waren, um des Schicksals der 117 Männer ihres Heimatortes zu gedenken, die als Opfer des Außenlagers Ladelund auf dem Ladelunder Friedhof beerdigt wurden. Sie zählen zu den insgesamt mehr als 300 Gefangenen, die 1944 von Pastor Johannes Meyer innerhalb von nur sechs Wochen christlich bestattet, namentlich heimlich notiert und nach Kriegsende ihren Familien mitgeteilt wurden. Wie sich dadurch aus Hass eine enge Freundschaft auf der Basis des christlichen Glaubens entwickelte, haben wir des öfteren bereits berichtet.

Das Gedenken an die Opfer des Naziregimes begann mit einem dreisprachigen, von Pastor Hans-Joachim Stuck und einem Helferteam gestalteten Gottesdienst, bei dem 280 Teilnehmer die St. Petri-Kirche bis in den hintersten Winkel füllten. Die Lesungen und das Singen der Lieder zur Orgelbegleitung erfolgten in deutscher, niederländischer und dänischer Sprache. Nach der Totenehrung begab sich die Festgemeinde an die Gräber der KZ-Toten, wo sie vom Klang der Choräle empfangen wurde, die der Bläserchor des Posaunenbezirks Südtondern (Leitung: Dieter Charbon) in anrührender Weise vortrug. Es folgten 15 Kranzniederlegungen, ausgeführt von den Repräsentanten aller öffentlichen Vereinigungen und Einrichtungen der hiesigen Region sowie durch diverse ausländische Gäste. Den ersten Kranz legten Angehörige des im vergangenen Jahr als letzter KZ-Überlebender verstorbenen Jannes Priem nieder. Der Chor „De Lofstem“ (Die Lobesstimmen) aus Puttem stimmte einige gefühlvolle Lieder an. Einziger Wortbeitrag der Zeremonie war das Verlesen des letzten, erschütternden Briefes eines holländischen Gefangenen. Einem von Jannes Priem vor Jahren eingeführten Ritual folgend, begaben sich die Niederländer – zusammen mit ihren deutschen Freunden – gemeinsam an die Ehrenmale in Ladelund und Westre, um dort der deutschen Opfer des Zweiten Weltkrieges zu gedenken und Gestecke niederzulegen. Nach einem gemeinsamen Mittagessen im Ladelunder Pastorat sprachen einige Ehrengäste Grußworte. Arnd Klejer überbrachte als stellvertretender Bürgermeister der Stadt Putten deren Grüße. „Auch nach so vielen Jahren ist es immer noch etwas Besonderes, dass wir uns hier gemeinsam daran erinnern, welch schreckliches Leid und Unrecht unseren Angehörigen in Ladelund widerfahren ist. Wir dürfen aber auch niemals vergessen, dass zwischen Puttenaren und Ladelundern herzliche Freundschaft entstanden ist – ein Zeichen, dass das Gute schließlich das Böse überwindet.“

Die im Namen des Kreises Nordfriesland sprechende stellvertretende Kreispräsidentin Margarethe Ehler hob in ihrer Ansprache hervor: „Nie wieder darf es in Deutschland ein auf Gewalt aufgebautes Regime geben. Die Rechte dürfen nie wieder mit Füßen getreten werden.“ In Ladelund hätten KZ-Überlebende und Angehörige der beerdigten Opfer „dem Tätervolk wieder die Hand gereicht.“

Als Sprecher der Stadt Wyk/Föhr würdigte Heinz Lorenzen den einst von Jannes Priem erhaltenen Händedruck. Auch freue er sich über die rasch gewachsene Jugendarbeit mit Begegnungen von Mädchen und Jungen aus Putten und der Gemeinde Ladelund.

Nach den Grußworten versammelten sich die Anwesenden in den Räumen des Dokumentenhauses der Gedenk- und Begegnungsstätte zu einer „internationalen Begegnung“ mit Gesprächen und „Copje coffee“.

Ein Konzert des Puttener Chores „De Lofsstem“ rundete am Abend das Programm des diesjährigen Gedenktages ab.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen