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Nordfriesland Tageblatt

22. Oktober 2017 | 17:40 Uhr

Lübke Koog : Das Cello gab im Duett den Ton an

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Für Barockmusik-Fans bot das Werner Weckwerth-Museum ein Kammerkonzert mit Cembalo und Violoncello

shz.de von
erstellt am 18.Aug.2015 | 05:00 Uhr

Freunde der Barockmusik genossen es: Das Werner Weckwerth-Museum bot jüngst ein anspruchsvolles Kammerkonzert. Hausherrin Helga Weckwerth brachte ihre Freude darüber zum Ausdruck, dass das „normalerweise unbeachtet herumstehende“ Cembalo einmal – teils solistisch, teils im Zusammenspiel mit dem Violoncello des weithin bekannten Cellisten Yevgeny Xaviereff – erklingen könne. Dafür sorgte sie selbst, indem sie das wertvolle, mit zwei Manualen ausgestattete Instrument deutscher Bauart (die Kopie eines Instrumentes von Martin Sassmann) souverän bediente. Ihr Duo-Partner Xaviereff musizierte auf einem besonders klangschönen, rund 300 Jahre alten Cello italienischer Herkunft.

Am Anfang des Programms stand die „Sonata IV in B-Dur“ für Violoncello und Basso continuo von Antonio Vivaldi aus einer 1740 herausgegebenen Sammlung von sechs Werken dieser Art. Sie war aufgebaut im Stile der typischen viersätzigen Kirchensonate mit der Satzfolge: Largo/Allegro/Largo/Allegro. Bei der Interpretation der Sonata erwiesen sich die beiden Instrumentalisten als hervorragend aufeinander eingespielt. Entsprechend barocker Tradition spielten sie die beiden langsamen Sätze in nur mäßig gedrosseltem Tempo, die beiden zügigen nicht übertrieben schnell, wobei die Rollen klar verteilt waren: Das Cello gab – mit kräftigem Ton in allen Lagen eindrucksvoll singend – den Ton an, während das Cembalo bei seinem Begleitpart sich unterordnete und sich darauf beschränkte, das Cello harmonisch und rhythmisch zu unterstützen. Den stärksten Eindruck hinterließ das zweite „Largo“.

Es folgte die zu den „Französischen Suiten“ zählende Suite V in G-Dur für Cembalo solo (BWV 816) von Johann Sebastian Bach. Das ohne Präludium beginnende Werk umfasst sieben verschiedene Tänze unterschiedlichsten Charakters, die Helga Weckwerth einfühlsam darbot: mal quicklebendig, mal nachdenklich stimmend und mit einer fröhlichen Gigue als Schlusssatz.

Mit der sehr cantabile gestalteten Sonate in F-Dur des einst als Hobbykomponist tätigen Juristen Benedetto Marcello – einem an Kontrasten reiches Werk, das unmittelbar ins Ohr ging – wurde das Programm fortgesetzt. Es bot beiden Interpreten hinreichend Gelegenheit, ihr solides Können unter Beweis zu stellen. Sodann beeindruckte Yevgeny Xaviereff mit der spieltechnisch höchst anspruchsvollen „Suite in D-Dur für Violoncello (BWV 1012) von J.S. Bach seine ihm aufmerksam folgenden Zuhörer. Von den durch ein „Prelude“ eingeleiteten sechs Tanzsätzen fielen besonders die an Echo-Effekten und rasanten Passagen reiche „Allemende“ und die heiteren Zwischensätze Gavotte I und Gavotte II auf, bevor die „locker vom Hocker“ gespielte Gigue in atemberaubendem Tempo das Werk abrundete.

Als letzter Beitrag zum regulären Programm erklang die „Sonata in g-moll“ von Georg Friedrich Händel, ursprünglich geschrieben für Viola da Gamba und Basso continuo. Dabei übernahm das Cello auf eindrucksvolle Weise den sehr gesanglich wirkenden Part der Gambe. Diesmal durften beide Instrumente auf Augenhöhe miteinander kommunizieren, sich also beim Part des Stimmführers und Begleiters einander ablösen und sich gegenseitig die musikalischen „Bälle“ zuwerfen. Den nachhaltigsten Eindruck hinterließ der klangintensive Eröffnungssatz. Da das begeisterte Publikum nach lebhaft gespendetem Schlussapplaus keinerlei Anstalten machte, den Heimweg anzutreten, warte das Künstlerduo noch mit einer anrührenden Zugabe auf: einem vom Vater der Cembalistin für diese geschriebenen Wiegenlied.

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