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Nordfriesland Tageblatt

21. August 2017 | 22:23 Uhr

Darbietungen auf höchstem Niveau

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Cellist Fermín Villanueva und die Pianistin Mara Mednik begeisterten im Rathaussaal ihre Zuhörer

„Die Musik ist der vollkommenste Typus der Kunst. Sie verrät nie ihr letztes Geheimnis.“ Mit diesem Zitat von Oscar Wilde hieß Volker Scheibe als Vorsitzender des gastgebenden Vereins „Pro Musica Niebüll“ am vergangenen Sonntagnachmittag im Sitzungssaal des Niebüller Rathauses die rund 50 Gäste willkommen. Sie waren erschienen, um ein von Fermín Villanueva (Violoncello) und Mera Mednik (Klavier) gestaltetes Kammerkonzert mitzuerleben. Wie sich zeigen sollte, dürfte am Ende niemand von ihnen seinen Besuch bereut haben, denn die Darbietungen auf höchstem künstlerischen Niveau erwiesen sich als purer Genuss.

Der junge, aber bereits international gefeierte Cellist (geboren 1993 in Pamplona) und seine virtuose, schon vielfach ausgezeichnete Begleiterin am Klavier boten Kammermusik vom Feinsten, wobei sie vorbildlich sensibel aufeinander eingingen und sich quasi „blind“ zu verstehen schienen. Die Instrumentalisten agierten musikalisch und spieltechnisch „auf Augenhöhe“ und traten gleichberechtigt in Erscheinung, so dass sich häufig reizvolle Dialoge ergaben. Zum Auftakt erklang die „Sonate in a-moll (D 821)“ von Franz Schubert. Der Komponist schrieb das klangvolle Werk für eine vom Klavier begleitete „Arpeggione“. Dieses Instrument, eine erst ein Jahr zuvor entwickelte, mit Bunden und sechs Saiten ausgestattete Kombination von Cello und Gitarre, war nur wenige Jahre bei Konzerten anzutreffen. Heute wird sie zumeist durch ein Violoncello oder eine Viola ersetzt.

Der seelenvolle, überwiegend melancholische 1. Satz, der aber auch heitere, an Folklore erinnernde Passagen aufweist, ging unmittelbar ins Ohr und wurde durch ein gesangliches Adagio abgelöst, das – nach einem kadenzartigen Einschub – in ein temperamentvolles, viele Arpeggien aufweisendes Rondo einmündete. Beide Interpreten wurden den an sie gestellten, sehr hohen Ansprüchen an Einfühlungsvermögen und virtuosem Können vollauf gerecht.

Diese Feststellung gilt auch für die Ausführung der nachfolgenden Darbietungen. Mit der „Suite Populaire Espagnole“ von Manuel de Falla setzte das hervorragend aufeinander eingespielte Duo sein Konzert fort. Dabei handelte es sich um eine Folge von sechs spanischen Volksliedern und Tänzen, bei denen die Pianistin besonders stark gefordert wurde, während der Cellist sein klangschönes Instrument „singen“ lassen durfte, dass es eine helle Freude war.

Mit drei Kompositionen – „Melodie in D-Dur, op. 20 Nr. 1“, „Chant du Ménestrel in fis-moll, op. 71“ und „Séremade Espagnole in A-Dur, op. 20“ – kam ein russischer, im Herzen erzkonservativer, aber auch moderne Klänge tolerierender Komponist musikalisch zu Worte, der schon in jungen Jahren bekannt wurde: Alexander Glasunow. Die drei ausgewählten, problemlos zu konsumierenden Werke machten deutlich, weshalb Experten seiner Musik zwar nicht ihre formale Schönheit, wohl aber ihre musikalische Tiefe absprechen. Fermín Villanueva interpretierte sie betont „cantabile“.

Mit der innere Unruhe ausstrahlenden „Sonate d-moll für Violoncello und Klavier“ von Claude Debussy, einer Komposition voller emotionaler Spannung und raffinierter Klangeffekte, die Fermín Villanueva wie gleichermaßen Mara Mednik ein enorm virtuoses Können abverlangte, schloss das reguläre Programm des Konzertes dramatisch ab.

Das sichtlich und hörbar begeisterte Publikum dankte beiden Interpreten mit lange anhaltendem, lautstarkem Beifall, der das Künstlerduo veranlasste, noch mit drei besonders melodiösen Zugaben aufzuwarten: dem „Andalusischen Tanz Nr. 5“ und einem „Intermezzo“ von Enrique Granados sowie dem „Chanson Indoue“ aus der Oper „Sadko“ von Rimsky-Korsakov.

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erstellt am 08.Mär.2016 | 10:57 Uhr

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