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Nordfriesland Tageblatt

17. August 2017 | 08:19 Uhr

Dankbar für jeden Fortschritt

vom

Ein besonderer Tag für einen besonderen Jungen: Der siebenjährige Nils besucht nun die Carl-Ludwig-Jessen-Schule in Niebüll

Emmelsbüll-Horsbüll | Eigentlich ist der siebenjährige Nils aus Emmelsbüll auf den ersten Blick ein munteres und aufgewecktes Kerlchen. Er spielt mit seinem Bruder Felix (11) im eigens zum Spielzimmer umfunktionierten großen Wintergarten in Wenlihörn mit Autos und Tieren. Aber die Eltern Doris und Olaf Christiansen haben gemeinsam mit Nils, der entwicklungsverzögert ist, eine nicht ganz einfache Zeit hinter sich.

Dabei war die Schwangerschaft noch ganz normal verlaufen, obwohl die Sprechstundenhilfen seinerzeit meinten, im Mutterleib schlummerte ein sehr ruhiges Kind, das immer schlief. Felix durfte sich für seinen Bruder schon vor der Geburt einen Namen aussuchen, damit er nicht Baby sagen musste und entschied sich für Nils. Aber nach normaler Schwangerschaft waren bei Einsetzen der Geburtswehen die Herztöne nur noch ganz schwach und Nils kam per Not-Kaiserschnitt in Niebüll auf die Welt. Da er nicht ausreichend allein atmen konnte, wurde sofort ein Kinderarzt mit einem Intubator per Baby-Notarzt-Rettungswagen aus Flensburg hinzugezogen. Es folgte ein dreiwöchiger Aufenthalt auf der Intensivstation des Flensburger Diako-Krankenhauses. Als Nils dann endlich zu Hause im Kreise seiner Familie war, stellten sich noch weiterhin Essstörungen ein, die etwa noch zweieinhalb Jahre andauern sollten. Seine rechte Körperseite konnte er nicht richtig wahrnehmen. "Er war wie gelähmt", so die Eltern. Deshalb bekam er ab dem dritten Monat Krankengymnastik verordnet. Die damalige Physiotherapeutin gab Doris und Olaf Christiansen den Tipp zur Frühförderung bei der Lebenshilfeeinrichtung Niebüll (Leni), und so kam ab dem achten Lebensmonat einmal pro Woche eine Ergo-Therapeutin von dort in das Haus nach Emmelsbüll, um mit Nils Gymnastik-, Spiel- und Essübungen zu absolvieren.

Ab dem dritten Lebensjahr weilte Nils zusätzlich einmal pro Woche im Niebüller Leni-Kindergarten zur Gruppen-Therapie mit zwei weiteren Kindern. Als Laufhilfe kam ein Kinder-Rollator dazu, der dazu beitrug, dass Nils dann endlich mit etwa dreieinhalb Jahren laufen konnte. Mit vier Jahren kam Nils in die Integrationsgruppe des Kindergartens, wo er mit sechs weiteren Kindern von zwei Therapeuten betreut wurde. Dort wurde viel unternommen, wie schwimmen, basteln oder wandern in der Natur. Auch ging es zum therapeutischen Reiten. Da Nils unter Gleichgewichtsstörungen leidet, hatte ihm die Einrichtung ein Therapie-Fahrrad mit speziell gefederten Stützrädern besorgt. Gemeinsam mit einem Betreuer hat er damit sogar Radtouren durch Niebüll unternommen.

In den letzten zwölf Monaten war Nils in der "großen" Leni-Gruppe, der Rappelkiste. Wegen seines Behinderungs grades von 80 Prozent genoss er dort für verschiedene Aktivitäten sogar eine Einzelbetreuung. "Ohne die gesamte Förderung wäre Nils in seiner Entwicklung niemals so weit, wie er jetzt ist", ist Mutter Doris Christiansen dankbar. Er kann auch nur einzelne Worte sprechen, die aber immer mehr werden, so die Eltern hoffnungsvoll, deshalb verständigt er sich sehr viel über die Zeichensprache. Mit seinem Bruder Felix spielt er viel und versteht er sich recht gut und zeigt seinen Mitmenschen ein außergewöhnlich gutes Sozialverhalten. Nils ist nach wie vor sehr anfällig für Erkältungen und muss deswegen häufiger in die Flensburger Diako, aber "meistens kriegen wir das selbst mit Medikamenten hin", so Mama Doris. Dankbar zeigen sich die Eheleute Christiansen auch gegenüber ihrer Krankenkasse sowie ihrer Hausärztin. "Auch mein Arbeitgeber spielt immer mit, wenn es Nils mal schlechter geht", so Olaf Christiansen. Nicht zuletzt sind Oma und Opa Christa und Theo Mamsen, die in den letzten Jahren auch in Emmelsbüll wohnen, stets eine große Stütze.

Für alle stand nun ein großer Tag an, denn Nils wurde gemeinsam mit zwei weiteren Kindern in die Carl-Ludwig-Jessen-Schule nach Niebüll eingeschult, natürlich mit großer Schultüte wie es sich gehört. Dort geht die besondere Förderung weiter, denn mit weiteren vier Kindern aus der zweiten Klasse stehen ihnen dort drei Betreuer zur Verfügung.

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erstellt am 10.Aug.2013 | 05:59 Uhr

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