Willkommenskultur : Dank für ein herzliches Willkommen

Neun Asylsuchende aus Eritrea bedankten sich für die Gastfreundschaft und herzliche Hilfe in Südtondern mit einem traditionellen Essen

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14. Juli 2015, 05:00 Uhr

Eritrea galt einmal als eines der Musterländer Afrikas. Heute ist es eines der ärmsten auf dem schwarzen Kontinent. Präsident Issayas Afewerki regiert mit harter Hand. Die Menschen leben nicht nur in bitterer Armut, sondern auch in ständiger Angst. Das und der Zwang, lebenslänglich Militärdienst leisten zu müssen, führen zur Massenflucht aus dem Land. Für den Staatspräsidenten gilt ein Flüchtling als Verbrecher.

Dennoch fliehen die Menschen – über den Sudan, Lybien und als Boat People übers Mittelmeer nach Europa. Die Flucht kostet sie in der Regel zwischen 5000 und 6000 Dollar. Sie kommen bettelarm an. Neun von ihnen leben jetzt in Niebüll, einige in Leck, andere in Schafflund. Sie sind untereinander vernetzt, wissen voneinander, tauschen sich aus und sind glücklich, wenn sie Kontakt zu den Einheimischen bekommen. Das war nicht zuletzt auf dem „Eritreischen Abend“ zu verspüren, zu dem die neun Afrikaner in Jim’s Café des Diakonischen Werks an der Lorenz-Jannsen-Straße gebeten hatten.

„Sie wollten den nordfriesischen Gastgebern für die freundliche Aufnahme danken“, berichtet Brigitte Reuther, die den Eritreern zusammen mit Walter Fedders Deutschunterricht erteilt – sie eine pensionierte Schulleiterin, er noch in einem solchen Amt und beide der Meinung, dass es mit dem Sprachunterricht allein nicht getan ist, sondern mehr vonnöten sei, den Menschen zu helfen. Im Unterricht waren zudem Fragen zum praktischen Leben aufgetaucht. Ein Dolmetscher half, eine Fülle solcher Fragen zu beantworten, die Osman, Robl und Lwam, drei clevere Jungen, auf der Zunge hatten. Zwischen den beiden Deutschlehrern und dem Diakonischen Werk und dessen Geschäftsführerin Nicole Saballus kam es zu Gesprächen, denen sich der Wunsch der Eritreer dazugesellte, den deutschen Gastgebern einmal danke für die freundlichen Hilfen zu sagen.

Und das geschah nun am vergangenen Wochenende im Rahmen eines Abends in Jim’s Café. Brigitte Reuther und Nicole Saballus gaben Hilfestellung. Doch Gastgeber waren die Afrikaner – und zwar mit einem Essen, wie man es daheim zu einem besonderen Anlass auftischt. Die Zutaten wie Fleisch und Gemüse waren zwar bekannt, weniger bekannt allerdings die scharfen Gewürze. Gegessen wurde ohne Besteck – mit den Fingern, was unter den zahlreichen Nordfriesen, die zum „E-Abend“ kamen, einige Heiterkeit auslöste. Doch was auf dem Teller war, mundete köstlich, was bei den Gastgebern des Abends wiederum Stolz auslöste.

Der Abend in Jim’s Café wurde ein Erfolg. Man kam in Kontakt zu den stets ausnehmend freundlichen Afrikanern – die übrigens jeweils zur Hälfte Moslems oder Christen sind, Tigrinisch in einem der neun Dialekte sprechen, die Sprache von links nach rechts zu Papier bringen und voller Taten-und Bewegungsdrang sind. Letzterem half der TSV Rotweiß Niebüll ab, der die eritreischen Jungen in den Verein aufnahm, in dem sie nun in der B-Mannschaft Fußball spielen können.

Aber Anzeichen einer guten Willkommenskultur in der Stadt Niebüll wurden auch an dem Abend in Jim’s Café deutlich , an dem Bürger „aller Couleur“ teilnahmen. Die drei Jungen um ihren „Teamchef“ Osman, die beim Diakonischen Werk ein Praktikum absolvieren, gaben sich an dem Abend besonders aufgekratzt, hatten sie doch Gelegenheit, ihre ersten Deutschkenntnisse an den Mann zu bringen. Freilich zeigten sie sich auch froh, die Flucht aus einer Diktatur in ein sicheres Land hinter sich zu haben – und froh vor allem, auf hilfsbereite Menschen getroffen zu sein.

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