Kein Versammlungsraum : Dagebüller Vereine fühlen sich heimatlos

Deutsches Rotes Kreuz, Sportverein und Feuerwehr klagen über den Mangel eines Versammlungsraums

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31. Mai 2012, 08:20 Uhr

Dagebüll | Senioren-Frühstück, Skatrunde oder geselliges Beisammensein nach der Feuerwehrübung - aber wo? Die Dagebüller Ortsvereine sind verzweifelt. "Wir brauchen ja nur einen kleinen Raum", sagt Vera Friedrichsen, Vorsitzende des DRK. Aber im Ortsteil Dagebüll - einem von den drei Ortsteilen der Gemeinde Dagebüll - gebe es im Moment einfach keine Möglichkeit.

Früher war das anders: Sportverein, DRK und auch die Feuerwehr hatten ihren Platz in der alten Schule des Ortsteils. Doch die wurde 2010 von der Gemeinde verkauft. Danach kam man im Pastorat/Freizeitheim zusammen. Bis auch dieses im Oktober letzten Jahres veräußert wurde. "Seit dem sind wir quasi heimatlos", sagt Vera Friedrichsen.

Die Gemeinde Dagebüll unterhält ein Gemeindehaus, das liegt allerdings im Ortsteil Fahretoft, rund sechs Kilometer entfernt vom Ortsteil Dagebüll. "Es ist einfach so, dass viele Leute diese Strecke nicht jedes Mal in Kauf nehmen wollen oder können." Beispielsweise für ältere Menschen, die früher zu Fuß zum Seniorennachmittag gekommen seien, sei es unmöglich. Auch die Vereinsarbeit leide unter der Situation. "Unsere Mitglieder sehen sich einfach viel seltener", so Vera Friedrichsen. "Gerade spontane Treffen sind kaum noch möglich."

Für den SV Dagebüll bedeutet die Raumlosigkeit, dass keine Sparten mehr aufgemacht werden, die ein Dach über dem Kopf benötigen - Skat, Schach oder Dart undenkbar. "Wir wollen einfach anerkannt werden und die ortsansässigen Vereine am Leben erhalten", fasst Kurt Hinrichsen, Vorsitzender des SV Dagebüll, zusammen. Die Forderung gehe ja keinesfalls dahin, einen Raum nur für die Vereine zu haben. "Der Raum könnte ja auch für touristische und gesellschaftliche Zwecke genutzt werden." Den bei alleiniger Nutzung - darüber sind sich beide Vereine im Klaren - wäre die Auslastung viel zu gering.

"Wir sind mit dem Problem ja auch an den Bürgermeister heran getreten, aber der hat uns immer nur vertröstet", macht Ortswehrführer Johannes Andresen seinem Ärger Luft. Gemeindeoberhaupt Hans-Jürgen Ingwersen sagt, ihm sei das Problem bewusst, aber aktuell gebe es einfach keine Möglichkeiten. "Ich verstehe die Situation und wir sind auch immer noch bemüht, eine Lösung zu finden." Ingwersen sieht dabei momentan zwei Möglichkeiten. Zum einen plant die Gemeinde im Zusammenhang mit der wohl anstehenden Deichverstärkung einen ganzen Strauß an Maßnahmen. Eine davon ist ein Multifunktionsgebäude, das zwar primär von Touristen genutzt werden soll, "aber natürlich könnten sich dort auch die Vereine treffen". Mit solch einem Bau ist allerdings frühstens 2015 zu rechnen, und er würde im Gebiet Dagebüll-Hafen entstehen - nicht im Zentrum des Ortsteils.

Die andere Möglichkeit wäre die Anmietung eines Raumes in der Ladenzeile der im Bau befindlichen Ferienhaussiedlung. Gemeinde und Vereine müssten sich die Kosten teilen. "Die Vereine müssen dann aber auch zeigen, dass die Nutzungsfrequenz stimmt", so Ingwersen. Bereit zu diesem Schritt wären beide Seiten, und vielleicht ist dann bald wieder Platz für Senioren-Frühstück und Skatrunde.

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