Tourismus : „Dagebüll macht einen großen Sprung“

Bereits fertiggestellte Ferienhäuser.
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Bereits fertiggestellte Ferienhäuser.

Ein Neubaugebiet für Ferienwohnungen sorgt bereits jetzt für touristischen Aufschwung. Die Gemeinde plant zudem den Bau eines Indoorspielplatzes.

Jesumann.JPG von
14. März 2014, 05:30 Uhr

Die Gemeinde Dagebüll stellt die Weichen für ihre touristische Zukunft: Im Ortsteil Dagebüll-Hafen ist der über Jahre geplante Strukturwandel nicht zu übersehen. Seit rund zwei Jahren errichten Handwerker hier rote, weiße und blaue Ferienhäuser. „Langsam nähern wir uns der 40“, rechnet Bürgermeister Hans Jürgen Ingwersen vor. Auch eine kleine Flaniermeile aus bunten Gebäuden ist entstanden. Die teilweise mehrstöckigen Holzimmobilien sind Teil eines dreistufigen Entwicklungsplanes, der den Ortsteil fit für den touristischen Wettbewerb der nächsten Jahrzehnte machen soll.

Grund für das Maßnahmenpaket, zu dem erst die Umleitung des Fährzubringer-Verkehrs aus der Dorfmitte und die Vergrößerung des Besucherparkplatzes zählten, waren stagnierende Übernachtungszahlen. Anfang bis Mitte der 90er Jahre hatte der Tourismus in Dagebüll seine bisherige Hochphase erlebt: Mit rund 100.000 Übernachtungen im Jahr profitierten Privatvermieter und Hoteliers damals besonders vom Zusammenbruch der DDR. „ Hunderttausende Ostdeutsche durften zum ersten Mal ins Ausland reisen und viele von ihnen kamen damals auch zu uns“ erinnert sich Hans Jürgen Ingwersen, der die touristischen Glanzzeiten damals noch als Gemeindevertreter erlebte. Als die Besucherzahlen schließlich immer zäher flossen, entstand der Plan, der Veränderung mit Veränderung zu begegnen.

Neben den Ferienhäusern, die von einem Investor aus Langenhorn für rund zehn Millionen Euro gebaut und anschließend größtenteils an Privatpersonen als Gewerbeimmobilien verkauft werden, steht der Gemeinde nun die vorerst letzte Stufe des touristischen Entwicklungsplanes ins Haus. Im Jahr 2017 soll der Hauptstrand des Dorfes modernisiert werden (wir berichteten). „Wir würden gleichzeitig auch gerne das Schöpfwerk verlegen. Der Schwefelgeruch ist im Sommer nicht sehr praktisch.“ Die hier entstehenden Kosten bereiten dem Bürgermeister Sorge: „Wir reden von etwa 1,5 bis zwei Millionen Euro. Diese Summe ist von 900 Einwohner nicht zu schultern“, so Ingwersen. Neben dem Betrag, den der Landesküstenschutz beisteuere, müsse man hier auch auf andere Fördertöpfe zurückgreifen.

Während in Dagebüll-Hafen der Strukturwandel noch in vollem Gange ist, geben der ortsansässige Handel und Tourismusbetriebe bereits positive Rückmeldungen: „Die 200 neuen Betten im Neubaubereich sind zu spüren – sie sorgen für steten Handel und Wandel“, sagt der Vorsitzende des Handels- und Gewerbevereins (HGV) Bernd Jannsen. „Allein der HGV hat in eineinhalb Jahren 20 neue Mitglieder gewonnen.“ Durch das neugeschaffene Ferienhausangebot könne das Segment der „Best-Ager“ und Familien mit Kindern, die etwas anspruchvoller seien, bereits jetzt besser angesprochen werden. 80.000 Übernachtungen für 2013 belegen diese Einschätzung. Der Trend weist demnach wieder nach oben – die touristische Stagnation scheint beendet.

„Wir sind die letzten beiden Jahre galoppiert. Jetzt holen wir einmal Atem“, fasst Dagebülls Bürgermeister Hans Jürgen Ingwersen die Entwicklung zusammen. Neue Pläne gibt es dennoch: „Wir denken über die Erweiterung des Freizeitangebots mit einem Indoorspielplatz nach.“

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