Auf heiligen Pfaden : „Da muss ein Pilger durch“

Impulse: Die „Perlen des Glaubens“.
Impulse: Die „Perlen des Glaubens“.

Zwölf Kirchen in fünf Tagen – noch bis Sonntag bietet eine besondere Wandertour Gelegenheit, „Glauben mit Leib und Seele zu erfahren“

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16. Mai 2015, 05:00 Uhr

Auf Jakobus’ Spuren wandern derzeit neun Menschen durch Südtondern: Sie sind seit Mittwoch Pilger und ausschließlich zu Fuß unterwegs. Andacht und Gebet, Gemeinschaft, Gespräch und Stille, einfaches Leben, Wandern in der Natur: Diese Aussichten haben die Teilnehmer dazu bewogen, sich Pastor Holger Asmussen von der Evangelischen Kirchengemeinde Leck anzuschließen und auf eine Pilgerreise durch Nordfriesland zu gehen. Dabei bieten Südtonderns Gotteshäuser zentrale Anlaufpunkte: Zwölf alte Kirchen in fünf Tagen stehen auf diesem besonderen Pilgerprogramm.

Die Idee, bei einer Wanderung durch die Heimat „mit Leib und Seele Glauben zu erleben und zu erfahren“, sei ihm im vergangenen Jahr gekommen, sagt Pastor Asmussen, der mehrfach selbst im Ausland auf Pilgertour war. „Wir haben hier so viele schöne alte Kirchen, so viele Orte, an denen Glaubensgeschichte aufbewahrt wird“, sagt er. Und: In zehn der zwölf Kirchen gebe es Figuren des heiligen Jakobus, dem Schutzpatron der Pilger: „Das ist ein Symbol dafür, dass es hier schon immer Pilger gegeben hat.“

Gestartet ist die Gruppe in Dagebüll, ihr Weg hat sie schon nach Stedesand, Leck, Karlum, Ladelund und Süderlügum geführt. Auch Humptrup, Aventoft und Rodenäs werden noch angelaufen, bevor die Tour am Sonntag endet. Übernachtet wird in Gemeindehäusern auf dem Fußboden. Morgens gibt es ein leichtes Frühstück, abends wird den Pilgern ein warmes Essen gebracht, auch Schlafzeug und Isomatte müssen die Teilnehmer nicht tragen, sie werden jeden Tag direkt mit einem Fahrzeug zur nächsten Station chauffiert.

Insgesamt werden rund 85 Kilometer per pedes zurückgelegt. Die Wanderungen haben bereits in Form von Blasen Spuren an einigen Pilgerfüßen hinterlassen – „aber da muss ein Pilger durch“, sagt Teilnehmer Erwin Nissen aus Leck. Der Verzicht auf jeglichen Komfort störe ihn keinesfalls. Denn wichtig sind ganz andere Erfahrungen, wie Gudrun Andresen aus Drelsdorf ergänzt: „Durch die spirituellen Impulse geht das Erleben in die Tiefe und wirkt nach.“ Wichtige Begleiter sind die „Perlen des Glaubens“, die an Armbändern die Handgelenke der Pilger umschließen. Gelassenheit, Liebe, Trauer, innere Not, das Ich, Gott – die Perlen haben unterschiedliche Bedeutungen, mit denen sich die Gruppe beschäftigt. In Gebet und Gespräch, aber auch innerlich: „Stille ist ein wichtiges Element, wir gehen auch täglich einige Kilometer schweigend“, erläutert Pastor Asmussen. Und ab 21 Uhr dürfe auch nicht mehr geredet werden, berichten seine Mitpilger: „Dann schlafen wir aber auch schon.“ Die Antwort auf die Frage, ob sie noch einmal eine Pilgertour in Nordfriesland machen würden, ist eindeutig: „Auf jeden Fall“, erklingt es vielstimmig

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