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Nordfriesland Tageblatt

23. Oktober 2017 | 14:25 Uhr

Erstaufnahme : Containerdorf auf dem Prüfstand

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Aufgrund der sinkenden Flüchtlingszahlen sieht es so aus, als würde die Lecker Erstaufnahme nicht sofort gebraucht.

von
erstellt am 08.Jan.2016 | 00:36 Uhr

Kommen die Flüchtlinge oder kommen sie nicht? Die geplante Erstaufnahmeeinrichtung auf dem Gelände des ehemaligen Flugplatzes in Leck brachte die Gemeinde bundesweit in die Schlagzeilen. Anfang November 2015 kündigte das Land Schleswig-Holstein an, in mehreren hundert Containern Platz für bis zu 2000 Flüchtlingen schaffen zu wollen, um der Flut der Flüchtlinge Herr zu werden (wir berichteten). Erst war die Rede davon, dass vorbereitende Maßnahmen zügig eingeleitet werden müssten, damit schon im Dezember die Hilfesuchenden in Südtondern eintreffen könnten. Dann aber verschob sich der Starttermin. Aus Dezember wurde „Anfang des neuen Jahres“. Später hieß es, dass voraussichtlich erst im April 2016 eine Aufnahme von Flüchtlingen erfolgen könnte. Doch auch diese Planung scheint jüngst in Frage gestellt, denn aktuell ist landesweit noch genügend Platz für Flüchtlinge vorhanden. So prüft das Innenministerium derzeit, ob und wann überhaupt auf Leck als Standort zurückgegriffen werden muss. Grund ist der seit etwa vier Wochen gesunkene Zustrom von Flüchtlingen. „Gegenwärtig kommen durchschnittlich 200 Menschen pro Tag“, erklärt Patrick Tiede, Pressesprecher des Innenministeriums. „Zu Spitzenzeiten waren es 800 Flüchtlinge – also vier Mal so viele.“ Diese deutliche Abnahme habe mehrere Ursachen. Das Wetter spiele eine Rolle, ebenso die Verschärfung von Grenzkontrollen. Und auch habe sich die gesamte Flüchtlingsbewegung über die Balkanroute geändert. „Als Folge sind die bereits bestehenden Erstaufnahmeeinrichtungen nicht voll ausgelastet“, bilanziert Tiede. Die Einrichtung in Seeth beispielsweise ist für 1600 Flüchtlinge vorgesehen, derzeit werden dort jedoch nur 436 Hilfesuchende untergebracht. Das Land kündigte Anfang November ebenfalls an, auch in Husum Platz für 1000 Flüchtlinge zu schaffen. In der Stormstadt sind im Dezember zwar bereits Container aufgestellt worden, doch eine Belegung erfolgt nach aktuellem Stand frühstens im Februar.

Die Landesregierung überprüft nun, ob im April die Eröffnung eines Lecker Containerdorfs weiterhin notwendig sein wird. Pressesprecher Patrick Tiede: „Das wird sich zeigen, denn wie sich der Flüchtlingsstrom in den nächsten Wochen entwickeln wird, ist jetzt noch nicht einschätzbar.“

Gleichzeitig aber werde geprüft, ob bis dahin in Leck die logistischen Voraussetzungen für eine Einrichtung geschaffen werden können. In den Standort müsste vorab investiert werden. „Rund zwei Millionen Euro sind veranschlagt, um notwendige Strom-, Wasser und Breitbandleitungen zu legen“, weiß Lecks Bürgervorsteher Andreas Deidert. Unter anderem wäre eine 1,4 Kilometer lange Abwasserleitung nach Klixbüll von Nöten, die von dort zur Niebüller Kläranlage führe, da die Kapazität des Lecker Klärwerks für das Containerdorf nicht ausreiche. „Sollte die Überprüfung des Innenministeriums also ergeben, dass Leck als Standort vorläufig nicht notwendig ist, dann hoffe ich, dass wir mit unseren Konversionsplänen zügig weitermachen können“, sagt Andreas Deidert. „Kommen aber tatsächlich die Flüchtlinge, dann sind wir weiterhin bereit, unsere Aufgabe, zu der wir bereits Ja gesagt haben, auch zu erfüllen.“

Auch Klixbülls Bürgermeister Werner Schweizer nimmt die angekündigte Überprüfung seitens der Landesregierung gelassen. „Wir sind auf alles vorbereitet und haben unsere Hausaufgaben gemacht. Ob die Erstaufnahmeeinrichtung im April nun kommt oder nicht, liegt nicht in unserer Hand.“

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