Christian Schulte liest in Leck : „Comedy in Leck? Viel Glück!“

Das Publikum war amused: Christan Schulte-Loh bot eine Mischung aus Lesung und Comedy.
Das Publikum war amused: Christan Schulte-Loh bot eine Mischung aus Lesung und Comedy.

Wahl-Engländer und Komiker Christian Schulte-Loh hat aus seinem Buch „Zum Lachen auf die Insel “ gelesen .

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01. Dezember 2017, 10:34 Uhr

Leck | Ein Deutscher, der lustig ist? Allein die Vorstellung finden viele Engländer komisch. Das macht sich Christian Schulte-Loh zu nutze – und ist als „German Comedian“ im Mutterland des Humors bereits seit Jahren erfolgreich. Aber auch in Deutschland tritt der 38-Jährige auf. Manchester, Liverpool, Berlin, Düsseldorf – und jetzt Leck.

Mehr als 100 Gäste sind in die Druckerei CPI Clausen & Bosse gekommen, um sich selbst ein Bild der Humorqualitäten des Wahl-Engländers zu machen. „Betrinkt euch und seid unangenehm, dann fühle ich mich zu Hause“, fordert der Comedian seine Zuhörer auf. Denn so höflich die Engländer sonst seien: „Bei Fußball, Comedy-Club und Alkohol wird es wild“, berichtet Schulte-Loh. Zwischenrufe und Pöbeleien seien an der Tagesordnung; „da muss man aufpassen, dass das Publikum nicht lustiger ist als man selbst.“

Das nordfriesische Publikum schlägt sich aber auch nicht schlecht. „Comedy-Lesung in Leck – viel Glück!“, das habe ihm zuvor einer der Hauptverantwortlichen der Veranstaltungskooperation von CPI, Nordsee-Akademie und Bücherstube Leu gesagt. Sofort werden Unmutsäußerung im Publikum laut: „Er soll namentlich genannt werden“, schnarrt es düster aus der ersten Reihe. Der Comedian grinst: „Und schon beginnt die Hexenjagd“.

Der Komiker ist auch Autor: Im April ist – drei Tage nach der Brexit-Abstimmung – ist sein erstes Buch erschienen, Titel: „Zum Lachen auf die Insel: Als deutscher Komiker in England“. Der Rundgang durch die Druckerei habe den Besucher sehr beeindruckt, berichtet Verkaufsleiter Olaf Klindt. Das bestätigt Schulte-Loh und ergänzt, dass er vor dem Besuch immer wieder prüfend vorne in die Bücher, die er gerade las, geguckt habe: „Fast alle sind hier in Leck gedruckt worden. Da habt ihr hier ja schon ein Monopol, das ist hier wie in Nordkorea“, sagt der Komiker. Mit Blick auf den getäfelten CPI-Konferenzraum und dem Zusatz „allein dieser Raum hier weckt doch Großmachtsfantasien“ bringt er sein Publikum vollends zum Wiehern.

Bereits als Kind habe er gerne Leute unterhalten, berichtet der Komiker, der aus Haltern am See (Nordrhein-Westfalen) stammt. Mut gemacht hat ihm auch ein Klassenbucheintrag seines Mathlehrers: „Schulte-Loh des Raumes verwiesen. Ich kann in meinem hohen Alter das ewige Gequake einfach nicht mehr ertragen.“

Auf die Frage, ob im Lecker Publikum Lehrer anwesend seien, meldet sich Englischlehrerin Silke. „Super – wenn du unangenehm auffällst oder dazwischenquatschst, werde ich dich sofort vor die Tür schicken“, sagt der Zwei-Meter-Mann, der in England und Deutschland lebt. Wohlweislich tut er das nicht, denn Silke wird ihn an diesem Abend mit Karorock, nonchalantem Lächeln und Fachkenntnis immer wieder mit Kommentaren unterstützen – hat sie doch mit ihrem Mann mehrere Jahre in London gelebt. Und Christian Schulte-Loh liefert unzählige Vorlagen aus seiner Wahlheimat: von Teppichen rundum Toiletten – „verklebt und verklebt“, steinreichen Lords, verbal sehr liebevollen Verkäuferinnen, Zügen, die selten oder nie fahren (hier konnten die Nordfriesen besonders gut mitfühlen) oder immer wiederkehren Kommentaren zur Nazizeit.

Er habe schnell gemerkt, dass vorgefertigte Witze bei seinem Publikum im Ausland nicht zündeten, erzählt Schulte-Loh. „Die Leute haben aber gelacht, als ich sagte, ich sei ein deutscher Komiker.“ Diese Erkenntnis ist seither Programm – auch wenn er sich seine Comedy-Lorbeeren vor allem in England erst verdienen musste. Der 38-Jährige punktet inzwischen damit, dass er englische und deutsche Eigenarten und Klichees manchmal sehr direkt, manchmal charmant und vor allem schlagfertig präsentiert – und dem Publikum dabei gerne den Spiegel vorhält.

Auch wenn er heute im legendären Londoner Comedy Store und immer wieder als Gast bei der BBC auftritt, auch in Deutschland in TV-Shows wie Markus Lanz, Quatsch Comedy Club oder Night Wash zu sehen ist – der Weg zum Erfolg sei gar nicht so einfach gewesen. Unter anderem darüber berichtet Schulte-Loh in seinem Buch, zudem zeichnet er ein Porträt über die Engländer, wie er sie erlebt. In Leck jedenfalls kommt die Mischung sehr gut an. Lächelnd und beschwingt verlassen die Zuschauer nach zwei Stunden den Konferenzsaal – und nicht nur Englisch-Lehrerin Silke trägt ein signiertes Buch nach Hause.

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