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Friesische Kultur : Christl Ipsen lädt zum Tänzchen ein

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Seit 40 Jahren leitet die Klanxbüllerin die Wiedingharder Trachtengruppe. Der Schleswig-Holsteinische Heimatbund verlieh ihr dafür die Goldene Ehrennadel.

shz.de von
erstellt am 12.Feb.2014 | 07:00 Uhr

1973 fing alles an. Im Dorf gab es einen Sportverein, eine Turnhalle, einen Sportplatz und an die 30 Kinder und Jugendliche, die gerne Sport treiben wollten. Aber es gab niemanden, der sich um die die Kinder kümmerte – außer Christl Ipsen. Die heute 78-Jährige ließ sich als Übungsleiterin beim Kreissportverband Nordfriesland ausbilden und bot Übungs- und Turnstunden an. Die Stunden endeten stets mit einem gemeinsamen Tanz. Und diese Tänze waren Anlass, eine Tanzgruppe zu gründen, die danach unter der Obhut des Wiedingharder Friesenvereins zur Wiedingharder Trachtengruppe wurde und seit ihrer Gründung in zehn europäischen Ländern sowie in den USA, in Kanada und Brasilien auftrat.

Christl Ipsen und ihre Gruppe – heute sind es 18 Junioren und ein Dutzend Erwachsene – haben mit der „Holsteiner Dreitour“ und annähernd 100 anderen Tänzen Menschen in aller Welt erfreut, freundschaftliche Bande geknüpft und, wenn man so will, ein Stückchen deutscher Kultur in fremde Länder getragen. Das ist jetzt 40 Jahre her. Der Schleswig-Holsteinische Heimatbund (SHHB) zeichnete kürzlich Christl Ipsen für ihre Verdienste um die Sache des Volkstanzes und die kulturelle Jugendarbeit mit der Goldenen Ehrennadel aus, nach der SH-Medaille und anderen Ehrennadeln eine weitere, die eine Schatulle füllen.

Den Namen „Christl“ (ohne „e“ vor dem „l“) gaben ihr die sportbegeisterten Eltern nach Christl Kranz, die 1936 Olympiasiegerin in der alpinen Kombination wurde. Sportliche Ambitionen nahm die kleine Christl mit dem Mädchennamen Jürgensen und familiären Kontakten nach Tondern in die Zeit als dreifache Mutter mit.

„Ins Tanzen sind wir zusammen mit den Sportstunden richtig schnell reingekommen“, erinnert sie sich. Weil sie die Sylter Tänzer in Trachten gesehen hatte, kam der Wunsch, auch ihre Tänzer in eine Tracht einzukleiden. Weil vor Ort Vorlagen fehlten, machte sich Christl Ipsen in Altona, Schloss Gottorf und andern Museen schlau, studierte Literatur, besuchte eine dänische Handarbeits-Hochschule und ließ sich vom Deezbüller Volkslebenmaler Carl-Ludwig Jessen inspirieren, bis die Tracht stand, eine in Farbe und Elementen aus friesischen Trachten entstandene Kombination. Überdies entwickelte sich die Wiedingharder „Trachtenschneiderei“ zu einer lokal-kulturellen Sparte.

Den ersten öffentlichen Auftritt hatte die Trachtengruppe 1979 beim damaligen Flensburger Friesenverein und wenig später beim Friesentreffen auf Helgoland. Danach wurde es eine Fülle von Anlässen, zu denen die Wiedingharder eingeladen wurden: Friesen- und Turnfeste auf Landes- und bundesdeutscher Ebene wie die Turnfeste in Berlin, Hamburg und Frankfurt, ferner die Friesenkongresse und sogar einmal das Oktoberfest auf der „Wies’n“. Es schlossen sich Reisen nach Skandinavien sowie West-und Südeuropa an, denen dann auch Gegenbesuche folgten.

Besonders erlebnisreich war es jenseits des Atlantiks: Blicke auf die Niagarafälle, der Trip nach Toronto, die Teilnahme an der Steubenparade in New York oder der Besuch bei den Indianern, denen die „Holsteiner Dreitour“ beigebracht wurde. Und geradezu abenteuerlich waren die Touren in den damaligen Ostblock.

Die Trachtengruppe trifft sich in der Regel einmal wöchentlich in ihrer Bleibe über der Feuerwache, wo in 35 Ordnern alles über Reisen und Auftritte festgehalten ist. Die Trachtengruppe gehört dem Wiedingharder Friesenverein an, ist Mitglied im großen Nordfriesischen Verein, im Kreissportverband sowie im Landestrachtenverband beim SHHB.

Christl Ipsen hat Hilfe bei Adriane und Jan Volker Petersen, Mario Christiansen und Ehemann Manfred Ipsen, dem ruhenden Pol im ständig lebhaften Kreis der Tänzer. Über Mundpropaganda, Projekte in der Schule sowie über verschiedene Mitmachtänze bei Veranstaltungen gewinnt die Gruppe immer wieder neue Tänzer. „Wir freuen uns über jedes neue Mitglied“, sagt Christl Ipsen, die dreifache Mutter und achtfache Oma ist. Ihre Enkel, vier Jungen und vier Mädchen, hat sie allesamt eingekleidet – mit Wiedingharder Trachten.

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