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Nordfriesland Tageblatt

24. November 2017 | 04:58 Uhr

WIWAG-Planspiel : Chefsessel statt Schulbank

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Im Rahmen eines Planspiels haben sich 18 Schüler in dieser Woche zu Jungunternehmern entwickelt.

shz.de von
erstellt am 10.Nov.2017 | 12:00 Uhr

Farina Johannsen ist Schülerin des zwölften Jahrgangs der Friedrich-Paulsen-Schule in Niebüll – eigentlich. In dieser Woche ist die 18-Jährige aber vor allem Personalchefin eines Unternehmens, das intelligente Laufschuhe an möglichst viele Käufer bringen will. Niels Andresen, ebenfalls Zwölftklässler der FPS, hat es sogar zum Vorstandsvorsitzenden seiner fiktiven Firma gebracht. 18 Oberstufen-Schüler, ein Grundprodukt, drei Konkurrenz-Unternehmen, ein Planspiel: Eine Woche lang werden ausgewählte Schüler der Eilun Feer Skuul aus Wyk auf Föhr, der FPS Niebüll und des Gymnasiums auf Sylt in den Räumen der Druckerei CPI Clausen und Bosse in Leck zu Unternehmern.

Alle Schüler gehören zu den Besten ihrer Wirtschafts- und Politikkursen – und steigen in dieser Woche von der Schulbank in die Chefetage auf. Sie sind Teil eines Unternehmensplanspiels Wirtschaftswochen AG (WIWAG), das der Unternehmensverband Unterelbe-Westküste seit vielen Jahren anbietet. Erstmals sind in diesem Jahr Sylter Schüler dabei.

Ziel des Planspiels: Über verschiedene Aufgaben aus betriebswirtschaftlichen Themenstellungen heraus soll ein erweiterter Blick auf das Wirtschaftsgeschehen eines Unternehmens gegeben werden. „Dass dabei Fehlentscheidungen getroffen werden können, ist durchaus gewollt und soll die Schüler auch mit der Situation konfrontieren, getroffene Entscheidungen zu rechtfertigen“, sagt Günter Wangerin, der als Spielleiter fungiert.

Schüler werden im Rahmen des Spiels zum Finanzchef oder Sprecher der Geschäftsführung, müssen Unternehmensziele formulieren, planen und in Entscheidungen umsetzen sowie Ergebnisse tagesaktuell kontrollieren. Jeder Schüler erhält einen Firmenbericht mit Bilanz, Gewinn- und Verlustrechnung, Stückkostenkalkulation, Lohnsummen, Montagemengen und mehr. Zusätzlich erhalten Die Jungunternehmen einen umfangreichen Umweltbericht zu den ökonomischen, ökologischen und technologischen Rahmenbedingungen.

Und es gibt Unvorhergesehenes, auf das die Schüler reagieren müssen. Terroranschläge oder Erdbeben? Spielleiter Wangerin verrät am Anfang der Woche noch nicht, welche Katastrophe er den Jungunternehmern per E-Mail ankündigen wird, aber er weiß jetzt schon, dass seine Nachricht die Produktions- und Lieferbedingungen durcheinander wirbeln wird.

„Die Entscheidungen, die wir treffen müssen, werden von Tag zu Tag mehr“, berichtet Personalchefin Farina. Sie muss wie die anderen Projektteilnehmer mit ihren Unternehmen nicht nur mit Begriffen wie Wertschöpfung, Break-Even-Point und „Unique selling proposition“ für ihre intelligenten Laufschuhe jonglieren, sondern wird auch mit Info-Blöcken aus der Praxis konfrontiert, die von Experten aus dem richtigen Wirtschaftsleben – Firmen, Banken, Unternehmensberatungen, Werbeagenturen – ehrenamtlich vorgetragen werden.

„Wir sehen das Angebot des Planspiels als einen möglichen Weg, junge Menschen rechtzeitig an wirtschaftliche Rahmenbedingungen heranzuführen. Damit möchten wir einen kleinen Beitrag zur Gewinnung von zukünftigen Führungskräften für die Region leisten“, sagt Sebastian Koch, Geschäftsführer des Unternehmensverbands. „Für uns ist diese Kooperation, die schon seit mehr als 30 Jahren besteht, auch eine Art Recruitment-Maßnahme und trägt zur positiven Wahrnehmung unseres Unternehmens in der Region bei“, ergänzt Dr. Jens Meisinger, Personalleiter von CPI Clausen & Bosse, der die Schüler mitbetreut. Auch hat die Druckerei in Leck für das Projekt ihren großen Konferenzraum zur Verfügung gestellt und die Teilnehmer in der Kantine mit verpflegt.

Die Erwartungen von Farina und Niels jedenfalls sind übertroffen, sagen beide Gymnasiasten mit Nachdruck. „Ich bin mir sicher, dass wir in dieser Woche viel mehr gelernt haben als in einem Betriebspraktikum mit Kaffeekochen und Papierschnipsel sortieren“, sagt die 18-Jährige, für die jetzt schon feststeht, was sie nach dem Abitur machen will: ein Studium mit Wirtschaftsausrichtung beginnen.

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