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Nordfriesland Tageblatt

22. Oktober 2017 | 20:18 Uhr

Busfahrerstreik : Chaos an Südtonderns Schulen

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Busfahrerstreik verärgert Schulleiter und Eltern – vor allem weil er unangekündigt war / Zumindest Dienstag sollen die Busse wieder normal fahren

shz.de von
erstellt am 08.Sep.2015 | 05:00 Uhr

Schreck am Montagmorgen: „Die Gewerkschaft Verdi hat beschlossen, unser Unternehmen heute zu bestreiken. Alle Linienfahrten – bis auf die zu den dänischen Schulen in Flensburg – fallen aus“, war Montagmorgen auf der Homepage der Niebüller Verkehrsbetriebe zu lesen, auch die Autokraft- und NOB-Busfahrten fanden nicht statt. „Wir bedauern sehr, dass die Gewerkschaft Verdi ihren Arbeitskampf auf Kosten unserer Fahrgäste führt. Seien Sie versichert, dass wir im Rahmen der Möglichkeiten versuchen, die Folgen des Streiks für Sie so gering wie möglich zu halten. Für Ihre Geduld danken wir Ihnen“, hieß es weiter auf der Homepage.

Warme Worte halfen den Betroffenen in Südtondern gestern wenig: Der Streik der Busfahrer hatte zum Teil erhebliche Auswirkungen – vor allem für die jungen Schüler, die in ihrer Mobilität auf Verkehrsmittel wie den Schulbus angewiesen sind. Zumal der Streik Schule, Eltern und Schüler völlig unvermittelt traf. „Wir haben ein totales Chaos“, hieß es Montagmittag aus dem Sekretariat der Gemeinschaftsschule in Niebüll. Ein Teil der Schüler sei gar nicht gekommen, weil sie niemand aus der Familie nach Niebüll fahren konnte. „Papa und Mama sind auf Arbeit“, hieß es aus Handy und Telefon. Und wer auch gekommen sei, wisse zur Stunde nicht, wie er/sie wieder nach Haus komme, sagt Schulsekretärin Brigitte Lutz. Elternsprecherin Dagmar Olschewski, kritisierte die streikenden Busfahrer: „Für einen unangekündigten Arbeitskampf habe ich kein Verständnis. Besonders wenn einige Kinder erst vor drei Tagen eingeschult wurden.“

In der Beruflichen Schule waren die Auswirkungen nicht so groß, weil die Schüler älter – und vor allem mobiler seien und mit dem Auto, Motorrad oder Moped kommen, meldet Oberstudiendirektor Finn Brandt. „Ein paar Schüler fehlen dennoch.“ Ärgerliche Folgen auch in der Alwin-Lensch-Schule: Etliche Kinder sind nicht gekommen. Die Migranten- und DAZ-Kinder (die Deutsch als Zweitsprache lernen), haben zwar eine Busfahrkarte, ihre Eltern aus Syrien und anderen Ländern aber kein Auto. „Chaos also auch bei uns“, sagte Schulsekretärin Heike Wüstenberg. Nicht anders sah es es an der FPS aus. Im Sekretariat stand Telefon nicht still. Wie viele Schüler nicht kommen konnten, vermochte Heike Jürgensen aus dem Sekretariat des Gymnasiums nicht zu sagen. Auch in der FPS wussten viele Schüler vormittags nicht, wie sie nach Hause kommen können.

An der Gemeinschaftsschule an der Lecker Au hat der Wegfall der Busfahrten den Schulalltag ebenfalls durcheinander gewirbelt. „Wir wurden erst darauf aufmerksam, als Eltern heute morgen angerufen haben“, sagt Schulleiter Holger Karde gestern verärgert. „Ich finde das schon empörend, wenn gerade in unserer ländlichen Gegend die Kinder an den Bushaltestellen stehen und kein Bus kommt. Wäre das vorher bekannt gegeben worden, hätten die Eltern noch eher Fahrgemeinschaften bilden können.“ Viele Schüler seien trotzdem gekommen, aber es habe eben auch leere Plätze in den Klassenzimmern gegeben. „Das hat den Unterricht schon beeinflusst.“

Dass auch Grundschüler von dem Streik betroffen waren, stieß Petra Christiansen, Leiterin der Emil-Nolde-Schule, besonders sauer auf. Es sei schon etwas anderes, ob ein Neuntklässler an der Bushaltestelle stehe und vergeblich warte oder ein Erstklässler, sagte die Leiterin der Grund- und Gemeinschaftsschule in Neukirchen. Die Nachricht, die unter anderem von den Niebüller Verkehrsbetrieben selbst an die Schule herangetragen wurde, habe sich rasch verbreitet, einmal über die Homepage der Schule, zum anderen über Hinweise von Busfahrern, die selbst im Bereich wohnten. „Es wurden Fahrgemeinschaften gebildet und auch schon mal Kinder von Nachbarn zur Schule gebracht – da funktioniert der Zusammenhalt im ländlichen Raum erfreulich gut“, sagte die Schulleiterin.

Dennoch hat Petra Christiansen kein Verständnis dafür, dass der Arbeitskampf auf dem Rücken von Schülern und Eltern ausgetragen wird. „Sollen sie streiken, das ist ihr Recht. Aber eine Notschülerbeförderung sollte es geben. Ich kann den Verantwortlichen von Verdi nur raten, sich mal eine Bushaltestelle in den Kögen anzuschauen – ohne Licht, teilweise ohne befestigte Wege dorthin. “

Meldungen, dass die Busse am Dienstag, 8. September, wieder normal fahren, wollte man Montagabend beim Service-Telefon nicht mit Sicherheit bestätigen. Aktuelles gibt es unter anderem auf der Homepage www.nvb-niebuell.de oder unter der Hotline 01807/662662.

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