Chancengleichheit bleibt ein Traum

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22. Februar 2011, 07:54 Uhr

Nordfriesland | Die gestrige Telefonaktion rund um das Thema "Frau und Beruf" war ein voller Erfolg. Insgesamt 35 Anruferinnen und Anrufer nutzten die Möglichkeit, sich zu informieren. Veranstalter der Initiative waren die Agentur für Arbeit, das Projekt Ausbildung in Teilzeit, die Handwerkskammer, die Industrie- und Handelskammer, Frau und Beruf, das Mehrgenerationenhaus / die Evangelische Familienbildungsstätte, das Sozialzentrum Husum und Umland sowie der Weiterbildungsverbund Nordfriesland in Zusammenarbeit mit unserer Zeitung.

Bei Angela Barckmann von der Agentur für Arbeit ging es um den aktuellen Arbeitsmarkt und freie Ausbildungsplätze für 2011: Freie Stellen in Nordfriesland gibt es aktuell für gut ausgebildete Kräfte in der Hotellerie und Gastronomie sowie in den Dienstleistungsberufen, beispielsweise im Verkauf, in der Pflege und im sozialen Bereich. Ausbildungsplätze haben vor allem noch Gastronomie- und Handwerksbetriebe zu besetzen.

Katharina Petersen von "Frau und Beruf" in Flensburg informierte über die soziale Absicherung bei einer Existenzgründung in Teilzeit und über die Rechte der Arbeitnehmerinnen im Mini-Job. Nicht nur bei der Telefonaktion beobachtet Petersen einen für sie bedenklichen Trend: Arbeitgeber wandeln Minijobs zunehmend in selbstständige Tätigkeiten um. Die betroffenen Frauen müssen dann die Krankenversicherung selbst zahlen.

Nachteile im Berufsleben

In den Gesprächen von "Frau und Beruf" in NF wurde deutlich, dass Frauen trotz guter Berufsausbildung und Berufserfahrung Nachteile im Erwerbsleben haben, wenn es zu familienbedingten Unterbrechungen ihrer Erwerbsbiografie kommt. Der Zugang zur Weiterbildung und zu sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung ist erschwert, wenn es um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf geht. Zudem erfuhren die Beraterinnen Gabriele Sieberg und Meike Hansen von Vorbehalten gegenüber Frauen im handwerklich-technischen Bereich.

Bernd Gabriel vom Kreis Nordfriesland verteilte fleißig Kontaktadressen von Tagespflegestätten und Kitas, die unter Dreijährige aufnehmen. Seine Anruferinnen und Anrufer beklagten die mangelnde Bereitschaft vieler Arbeitgeber, kinderfreundliche Beschäftigungszeiten anzubieten. Außerdem würden im ländlichen Raum Betreuungsplätze für Kinder im Krippenalter und Betreuungsplätze in den Abendstunden fehlen. Schwer hätten es auch Zugereiste ohne "Wurzeln". Ihnen fehlen Verwandte und Bekannte, die Betreuungszeiten abdecken, die die Kitas nicht leisten. Gesucht wurde aber auch eine Hauswirtschafterin, die für eine Familie arbeiten möchte.

Auf großes Interesse stieß auch die Möglichkeit, eine "Ausbildung in Teilzeit" zu absolvieren. Von Martina Jekat vom gleichnamigen Projekt der Handwerkskammer und Industrie- und Handelskammer Flensburg erfuhren die Anrufer, dass alle dualen Ausbildungen auch in Teilzeit absolviert werden können. Lediglich der Berufsschulunterricht findet in Vollzeit statt. Denkbar ist sogar eine Umwandlung von einer Voll- in eine Teilzeitausbildung. Im Gespräch mit einem Ausbildungsbetrieb wurde es bereits sehr konkret. Ein Gastronomie-Betrieb will seiner Initiativ-Bewerberin, einer Mutter von zwei Kindern, die Chance geben, eine Ausbildung zu machen und einen Berufsabschluss zu erlangen.

Gefragt waren auch Informationen zur Förderung beruflicher Weiterbildung. Christiné Brandt vom Weiterbildungsverbund Nordfriesland stellte die Bildungsprämie und den Weiterbildungsbonus vor und verabredete sich zu ausführlichen Beratungsterminen, um individuelle Qualifizierungsmöglichkeiten weiter auszuloten.


Vortragsveranstaltung

Da der Informationsbedarf bei Frauen, die beruflich (wieder) durchstarten wollen, erheblich ist, findet im Mehrgenerationenhaus (Evangelische Familienbildungsstätte) in Husum am Donnerstag, 31. März, von 9 bis 12 Uhr ein Informations- und Beratungstag statt. Die Vorträge: Schritt für Schritt zurück in den Beruf, stundenreduzierte Ausbildungswege, Schulungs- und Fördermöglichkeiten. Weiterhin werden persönliche Gespräche angeboten. Flyer und Anmeldung im Sozialzentrum Husum und Umland, Telefon 04841/666542 oder bei "Frau und Beruf" NF (04841/7060).

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