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Nordfriesland Tageblatt

20. August 2017 | 10:22 Uhr

Niebüll : Bungalow statt Küsterhaus?

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Dem von der Denkmalschutzbehörde als „besonders reizvoll“ eingestuften Küsterhaus an der Christuskirche droht der Abriss. Ein Neubau könnte folgen.

Was wird aus dem sogenannten Küsterhaus, dem alten, verfallenen Friesenhaus am historischen Kirchtor der Christuskirche? Das Gebäude verfällt immer mehr, es droht zusammenzubrechen. Das war Anlass für die Obere Denkmalschutz-Behörde, einen Ortstermin anzuberaumen. Der Kieler Denkmalschutz-Gebietsreferent Niels Meyer hatte sich schon in der Vergangenheit für das Gebäude eingesetzt, das Ensemble aus Kirchhof, Tor und Friesenhaus als „besonders reizvoll“ bezeichnet. Diesem Umstand hat das Landesamt Rechnung getragen und neben Kirche und Tor auch das Haus als Baudenkmal von besonderem Wert eingetragen.

Im Vorjahr beim ersten Ortstermin waren erste Erfolge zu verzeichnen: provisorische Dachabdeckungen wurden durch die Eigentümer eingerichtet, ein Architektenbüro sollte die Sanierungsplanung erstellen, man erwartete Baumaßnahmen im Sommer 2015. Doch es passierte nichts, nur der Verfall schritt voran. Beim erneuten Ortstermin wurden gravierende Mängel festgestellt.

Der Verfall fällt auch den Niebüllern auf. Längst haben sich viele an den Anblick der Ruine gewöhnt. Nicht so Lars Petersen, der selbst in einem Friesenhaus wohnt. Der SSW-Vertreter stellte unlängst im Umwelt- und Wirtschaftsausschuss den Antrag auf Berichterstattung. Ein Anlass für Bürgermeister Wilfried Bockholt, das Wort zu ergreifen. Er verwies darauf, dass es sich bei dem Haus um Privateigentum handele, er dazu nichts sagen werde, es somit nicht im öffentlichen Teil besprochen werden könne. Bockholts Argumentation setzt seit Jahren auf diese juristisch einwandfreie Formulierung. Doch fraglich ist, ob es sich in diesem Fall nicht um ein öffentliches Interesse handelt. Denn das Küsterhaus ist Bestandteil einer historischen Niebüll-Ansicht.


Bockholt liebäugelt mit „freiem Blick“


Die Bürger der Stadt engagieren sich seit Jahren, schreiben an Politiker, an das Denkmalschutzamt, an die IG-Baupflege – ohne Erfolg. Die „Rettungsriege des Küsterhauses“ befürchtet nun den endgültigen Abgesang, den Abriss. Eine Tatsache, die der Bürgermeister nicht schlimm findet. „Wir hätten einen freien Blick auf das Tor.“ Bockholt erwähnt andere Beispiele, es sei eher ungewöhnlich, dass die Tor-Situation durch ein Haus ergänzt werde. Wie werden die Eigentümer handeln? Das sogenannte Küsterhaus gehört einer Hamburger Hoteliersfamilie. In Gesprächen mit dem Nordfriesland Tageblatt wurden immer wieder Baumaßnahmen angekündigt, diese jedoch nie realisiert. Wenn nun der Abriss kommt, darf laut Bebauungsplan neu gebaut werden. Doch das hat Folgen: „Bauen ja, jedoch kein Friesenhaus“, erklärt Peter von Hoyningen-Huene von der Rettungsriege. „Die Bauvorschriften sehen bestimmte Abstandsflächen vor, die nun leider nicht gegeben sind.“

Entstehen könnte stattdessen ein Bungalow, der Kritikern zufolge sämtliche Aussichten auf Postkarten-Idylle töten würde. „Die Besitzer des denkmalgeschützten Hauses haben offensichtlich jegliche Versuche aufgegeben, die Bausubstanz zu retten. Wäre anstelle einer ,Enteignung‘ durch den Verfall eine mögliche Ersatzvornahme oder Enteignung gemäß gültigem Denkmalschutzgesetz nicht jetzt der richtige Weg?“, fragt Peter von Hoyningen-Huene in Richtung Denkmalschutzamt. Doch dort hält man sich bedeckt, da das Amt laut eigner Aussage nur über einen geringen Etat verfügt und etwaige Kosten eines Rechtsstreits nicht unbegrenzt deckeln könnte. Im Niebüller Bauamt erwartet man nun den Antrag auf Abriss. Dem würde stattgegeben.

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erstellt am 10.Jun.2016 | 19:56 Uhr

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