Beliebtes Dorf an der Nordsee : Bürgermeister von Rodenäs warnt vor mehr Zweitwohnsitzen im Ort

Beschaulichkeit und Platz bietet das Leben in der weitläufigen Gemeinde Rodenäs.
Beschaulichkeit und Platz bietet das Leben in der weitläufigen Gemeinde Rodenäs.

Jörg Nissen sorgt sich um ein weiter intaktes Dorfleben und möchte Baugrundstücke nur noch an Einheimische vergeben.

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21. Januar 2021, 17:03 Uhr

rodenäs | „Wir beobachten mit Sorge, dass immer mehr Altbauten im Ort an künftige Zweitwohnungsbesitzer verkauft werden“, sagt Jörg Nissen, Bürgermeister von Rodenäs. Darauf habe die Gemeinde leider keinen Einfluss. „Doch in dem Baugebiet, das wir planen, möchten wir die Grundstücke nur an Menschen – möglichst an junge Familien – vergeben, die hier wohnen und arbeiten“, betont Jörg Nissen.

Doch auch für die zehn bis zu 1000 Quadratmeter großen Grundstücke, die südlich und östlich der Straße Oldorf (K 99) im Anschluss der bestehenden Wohnbebauung entstehen sollen, gibt es bereits Anfragen von Menschen, die sich in der Beschaulichkeit von Rodenäs und in der Nähe zur Nordsee einen Zweitwohnsitz einrichten möchten.

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„Für uns ist aber wichtig, dass wir mehr Menschen ins Dorf bekommen, die hier arbeiten, die sich am Dorf- und Vereinsleben beteiligen, deren Kinder hier zur Schule gehen, damit die Schulen in Neukirchen und Süderlügum uns auch erhalten bleiben“, erläutert der Bürgermeister. Wenn eine Familie in dem Gebiet neu baut und ihr Haus dann nach ein paar Jahren doch an Zweitwohnungsbesitzer veräußert, „können wir daran natürlich auch nichts ändern“, bedauert Jörg Nissen.

An sich sollte während der jüngsten Gemeindevertretung der Satzungsbeschluss für das genannte Gebiet gefasst werden. Doch nach der öffentlichen Auslegung müssen die Pläne wegen Änderungen des Entwurfes, die die Grundsätze der Planung berühren, nochmals ausgelegt werden. „Wir haben zwar schon einige Nachfragen nach den Grundstücken, aber wir haben auch Zeit, da die Fläche noch bis Ende diesen Jahres verpachtet ist“, sagt Jörg Nissen.

Für uns ist aber wichtig, dass wir mehr Menschen ins Dorf bekommen, die hier arbeiten, die sich am Dorf- und Vereinsleben beteiligen, deren Kinder hier zur Schule gehen. Jörg Nissen
 

Das Baugebiet hat eine Größe von etwa 1,6 Hektar, auf denen zehn Baugrundstücke ausgewiesen werden. Die Grundstücksgrößen werden nicht endgültig festgesetzt, um eine Reetdachbebauung zu ermöglichen. Diese schreibt einen Abstand von zwölf Metern zur Grundstücksgrenze vor.

Die Zuwegung im südlichen Bereich wird so angelegt, dass bei einer Erweiterung des Baugebietes die Erschließung über diesen Weg möglich ist. Westlich des Plangebietes wird eine rund 15 Meter breite Streuobstwiese angelegt, die als Fläche für Natur und Landschaft dient.

Corona-Jahr

„Unsere Gemeinde ist gut durch das Corona-Jahr gekommen. Mir sind keine Infektionen bekannt – und der Haushaltsplan für 2021 fällt sehr positiv aus. Wir müssen sehen, ob das auch im Jahr darauf so bleibt“, sagt der Bürgermeister. Er sei aber optimistisch, denn die Gewerbesteuereinnahmen stammen zum großen Teil von Handwerksfirmen und aus dem Solarpark. „Dies sind Branchen, die natürlich nicht so Corona anfällig sind wie beispielsweise der Einzelhandel in Aventoft.“

Die Haushaltssatzung von Rodenäs weist im Ergebnisplan Erträge in Höhe von 956.500 Euro und Aufwendungen von 687.800 Euro aus, sodass ein Jahresüberschuss von 268.700 Euro ausgewiesen werden kann.

Im Finanzplan betragen die Einzahlungen aus der laufenden Verwaltungstätigkeit 778.000 Euro und die Auszahlungen 654.800 Euro. Einzahlungen aus der Investitionstätigkeit sind nicht eingeplant, die Auszahlungen belaufen sich auf voraussichtlich 345.100 Euro. Aus den vorgenannten Beträgen würde sich eine Minderung der liquiden Mittel um 221.900 Euro ergeben.

Dorfleben leidet

Nicht ohne Sorgen blickt Jörg Nissen in die Zukunft: „Das gesellschaftliche Leben hat doch sehr gelitten. Wir wissen derzeit nicht, wer sich – sobald es wieder möglich ist – weiter ehrenamtlich in den Vereinen engagiert.“ Viel Einsatz ist auch für die künftigen Betreiber der überregional bekannten, durch Corona verwaisten Kulturstation Zollhäuser gefordert.

Aus Altersgründen werden die bisherigen Betreiber dort nach der Pandemie nicht mehr neu durchstarten. „Zumindest haben wir seit 1. Dezember neue Pächter für das Café, die bisher geduldig darauf warten, öffnen zu können“, sagt Jörg Nissen.

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