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Nordfriesland Tageblatt

15. Dezember 2017 | 08:12 Uhr

In der Kritik : Bürgermeister sieht sich gemobbt

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

In Lecks jüngster Gemeindevertretersitzung nahm Rüdiger Skule Langbehn Stellung zu der Kritik an seiner Vision „Stadt Südtondern".

Großes Interesse zeigten die Bürger auf der jüngsten Gemeindevertretersitzung. Was verbarg sich hinter dem Tagesordnungspunkt 11 „Erklärung des Bürgermeisters“? Rüdiger Skule Langbehn rechtfertigte seine im Nordfriesland Tageblatt dargestellte Vision von einer „Stadt Südtondern“ und pochte auf die Meinungsfreiheit, sein Antrags- und Rederecht. Den Politikern warf er öffentliches Mobbing vor: „Sie haben mit einem Leserbrief Schimpf und Schande über mich ausgegossen.“ Es sei nicht angenehm, aber er müsse es tun, leitete Langbehn seine dreieinhalbseitig lange Erklärung ein. Zunächst definierte er ausführlich sein Amt als Bürgermeister. „Mein über den Aufgaben hinaus gehendes Denken ist nicht abhängig von dem Willen oder den Meinungen der politischen Fraktionen des Hauses. Im Gegenteil, es wird von mir seitens der Bevölkerung erwartet, selbst Prozesse neu anzustoßen“, sagte er. Zudem sei seine freie Meinungäußerung ein Grundrecht, das für alle Menschen im Grundgesetz verankert ist.

Er befasse sich schon seit langer Zeit mit dem Thema einer künftig neuen Struktur des Amtsbereiches. Er stellte fest, dass die Gemeindevertretung zu diesem Thema bisher nicht getagt und auch nichts beschlossen hat. „Nun muss ich die Kritik der Fraktionsvorsitzenden sowie meiner Gemeindevertretung und des Bürgervorstehers aus der Zeitung erfahren“, empörte sich Langbehn. Statt sich mit ihm sachlich auseinanderzusetzen, warf er der Politik vor, dass ein Leserbrief „es dem Bürgermeister gegenüber richten sollte“. Insbesondere die Unterstellung, bestehende Strukturen zerschlagen zu wollen, ließ Langbehn nicht zur Ruhe kommen: „Ich frage mich hierbei auch, was das für ein Vokabular im Umgang mit Ihrem heutigen amtierenden Bürgermeister ist?“ Annähernd 30 Jahre habe er sich in unterschiedlichen Ebenen für diese Gemeinde eingesetzt, erinnerte er. „Was habe ich Ihnen getan? Habe ich Ihre politischen Leitlinien in Gefahr gebracht? Sehen Sie ihren Sitz in der Gemeindevertretung gefährdet? Wie ist dieses Verhalten zu ihrem Vertreterstatus zu werten? Loyalität? Kollegialität?“, hinterfragte Langbehn. Alle sprächen von Globalisierung, Weltoffenheit und „bloß kein Denken in engen Strukturen“. Genau das wünsche er sich von den Politikern und dazu Fairness im Umgang mit Andersdenkenden. „Denken Sie einmal darüber nach!“

Zunächst war es mucksmäuschenstill, bis Andreas Deidert in seiner Kompetenz als Bürgervorsteher sagte: „Du hast Recht, man kann das Thema diskutieren. Ich halte das jedoch für ein Wahlkampfthema. Da ich auch für das Amt des Bürgermeisters kandidiere sehe ich mich nicht in der Lage, die Sitzung weiterzuleiten und übergebe an meinen Vertreter Klaus Schmidt“. Dieser meldete sich als Vorsitzender der UWL-Fraktion zu Wort und stellte klar: „Die Meinungsfreiheit gilt auch für uns.“ Man sei nicht über diesen „Alleingang“ informiert worden, bedauerte er, denn es sei ein sensibles Thema, über das die Nachbargemeinden hätten unterrichtet werden müssen. „Weil diese Zeit bis zur Amtsausschusssitzung fehlte, mussten wir mit einem Leserbrief reagieren, ansonsten hätten wir einen Scherbenhaufen gehabt“, erklärte Klaus Schmidt und versicherte: „Das war kein Mobbing!“

Ingo Scholz (CDU) betonte: „Zum Thema Gemeindefusion haben wir unterschiedliche Meinungen“ und: „Ich halte den Zeitpunkt für ein Gedankenspiel für verfehlt aus dem Grunde, weil wir im Wahlkampf sind. Ich stehe zu dem, was wir im Leserbrief verfasst haben.“

SPD-Fraktionschef Karsten Hansen wertete das Visions-Interview des Bürgermeisters ebenfalls als Wahlkampfaktion. „Wir sollten uns nicht mit Nebenschauplätzen befassen, sondern dringendere Themen anfassen!“, forderte er. Keiner der 23 Gemeinderatsmitglieder ergriff das Wort, um den Bürgermeister zu unterstützen. Sie raunten nur in die Mitte: „Es ist nun alles gesagt.“

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