Bürgerentscheid zur Windkraft

Das Thema Windkraft sorgte für ein volles Haus bei der Einwohnerversammlung. Foto: dew
Das Thema Windkraft sorgte für ein volles Haus bei der Einwohnerversammlung. Foto: dew

In der zusätzlichen Ausweisung von Eignungsflächen für Windkraft sieht auch die Gemeinde Galmsbüll Chancen. Vor einer Entscheidung sollen nun die Bürger gefragt werden.

Avatar_shz von
27. März 2009, 11:41 Uhr

Galmsbüll | Gegenwind für die Befürworter der Windkraftnutzung in Galmsbüll. In einer gut besuchten Einwohnerversammlung wurde zum Teil aus der bisherigen Front der Windkraftgegner, teils von zugezogenen Neubürgern mit dem Verlust an Lebensqualität argumentiert.

Zunächst informierten Jess Jessen und Torsten Levsen, die Geschäftsführer der Bürgerwindpark Galmsbüll GmbH & Co.KG (BWG), über die derzeitige Nutzung. In der Koogsgemeinde sind 19 Anlagen installiert, denen sich an Stelle der Brix-Mühlen zwei weitere dazu gesellen und dann mit einer Power von 60 Megawatt rund 170 Millionen Kilowattstunden produzieren werden. An diesem juristischen Konstrukt sind mit einem Drittel der Anteile 240 Galmsbüller Bürger mit einem Finanzvolumen von 20 Millionen Euro beteiligt - und erfreuen sich einer Rendite.

Nachdem das Land die Windeignungsflächen auf einen Prozent der Landesfläche um 4 900 Hektar ausweiten will, wittert die Gemeinde Chancen. Von bisher fünf möglich Standorten wurden vorab drei gestrichen. Es bleiben die Bereiche Norderhof mit sieben möglichen Anlagen und der Marienkoog mit einer dritten Reihe von fünf beziehungsweise sechs Anlagen in Richtung Neuer Christian-Albrechts-Koog.

Ob diese beiden Standorte oder nur einer von beiden (Norderhof) ausgewiesen werden sollen oder auch keiner von beiden, will die Gemeindevertretung erst entscheiden, wenn sie die Bürger befragt hat. In diesem BWG-Abschnitt würden dann am Norderhof sieben Anlagen mit 16 Megawatt stehen und 50 Millionen Kilowattstunden produzieren. Käme der Marienkoog mit fünf oder sechs Mühlen dazu, stünden weitere 21 Megawatt zur Erzeugung von 60 Millionen Kilowattstunden zur Verfügung. Nach Einschätzung der Geschäftsführer würden sich zwischen 300 und 400 Bürger (im Verhältnis 65:35 zu ihrem Gunsten) mit Gesamteinlagen von 40 bis 50 Millionen Euro beteiligen können - und zwar zu zu lohnenden Renditen.

Man könne nicht schlafen. Man werde geblendet. Die Geräusche seien zu stark. Die Natur werde verschandelt, das Auge beleidigt. Und auch die Liegenschaften verlören an Wert, trugen die Windkraftgegner ihre Bedenken vor. Auch sollte man sich mit dem Bisherigen bescheiden.

Lebensqualität wurde aber auch anders interpretiert. So hieß es, dass mit Mitteln der Gewerbesteuer vieles bewegt werden könne, dass teils - wie Wegebau, Feuerwehr, Infrastruktur - allen Einwohnern, teils aber vor allem den Familien zugute komme. Ohne die Einnahmen aus der Gewerbesteuer gäbe es keinen Wegebau. Ein gutes Wegenetz komme auch Rad fahrenden Urlaubern zugute. Neue Mühlen würden weniger Geräusche emittieren, meinte Torsten Levsen und fügte hinzu: "Wir machen das nicht nur wegen des Klimaschutzes. Wir wollen auch Geld verdienen."

"Aus der Nutzung alternativer Energien führt kein Weg zurück", sagte Levsen, der von Altbürgermeister Ernst-Ludwig v. Schwichow unterstützt wurde: "Wir sollten die Chance nutzen, unsere Gemeinde zu gestalten, statt sie nur zu verwalten."

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen