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Nahverkehr : Bürgerbus steuert auch Klintum an

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Der Verein weitet zum 30. November sein Haltestellennetz auf Klintum aus – und bekommt Nachwuchs: den Mini-Bürgerbus

„Ich finde es fantastisch“, freut sich Anita Owen aus Klintum. „Seit langem habe ich alles versucht, um den Bürgerbus hierher zu bekommen.“ Unter anderem sprach sie auch die Bürgermeister an. Jetzt hat es geklappt. Ab 30. November hält der Ladelunder Bürgerbus drei Mal vormittags und drei Mal nachmittags auch in der rund 800 Einwohner zählenden Gemeinde Klintum. Die drei Haltestellen: in der Dorfstraße (Richtung Osterschnatebüll), die Siedlung am „Alten Kirchweg“ und der Kiefernweg (siehe nebenstehende Karte). Für die 92-Jährige ist das ein großer Gewinn. Sie betreibt immer noch eine „Pension am Wald“, hat viele internationale Gäste. Denn mit dem öffentlichen Nahverkehr ist es hier nicht gut bestellt. Das spüren insbesondere ältere Menschen – gerade dann, wenn sie auf Gehilfen angewiesen sind. In ihrer Nähe halten nur Schulbusse. „Es ist ein großes Problem hier in der Gegend“, sagt Anita Owen. „Man kommt ja nicht weg. Außer, man bestellt sich ein teures Taxi.“ Die Bürgerbusse – inzwischen sind es zwei – seien ein Erfolgsmodell, das so gut angenommen werde.

„Wir sind ständig dabei, unseren Fahrplan zu optimieren“, erklärt Heike Prechel vom Bürgerbusverein aus Ladelund. „Mit dem neuen haben wir uns viel Mühe gemacht.“ Bei der Erstellung helfen ständige Zählungen der Fahrgäste an den einzelnen Haltestellen. „Wir reagieren auf die Fahrgasterfassung und korrigieren entsprechend. Und so gibt es mit dem nächsten Plan – er befindet sich derzeit im Druck – einige Änderungen. Ein Beispiel: Seit April wird Süderlügum mit den Bürgerbussen angefahren. „Aber hier läuft es schleppend.“ Die Folge ist, dass mit dem nächsten Fahrplanwechsel künftig hier nur noch der Anrufbus (grüne Linien im Plan) hält. Das bedeutet im Gegensatz zum Linienverkehr (blaue Linien im Plan): Spätestens eine Stunde vorher muss der Bedarf telefonisch angemeldet sein. „Wir wollen das ehrenamtliche Engagement der Fahrer sinnvoll nutzen“, begründet Heike Prechel die Änderungen.

Und noch eine Neuerung erwartet die Bürgerbus-Nutzer: Bei kleinen Gruppen wird künftig ein drittes Fahrzeug unterwegs sein. „Wir setzen ab Mitte Dezember unseren Mini-Bürgerbus ein.“ Dabei handelt es sich um einen geleasten Renault Zoe, vermittelt durch Stephan Wiese (eE4mobile, Enge-Sande), der mit einem Elektromotor betrieben wird. „Den Strom bekommen wir kostenlos von unserem Werbepartner Elektro Obernauer“, sagt Heike Prechel. Das Fahrzeug bietet bequem Platz für vier Personen plus Fahrer. Und auch für einen Rollator ist Raum. „Wir können das Fahrzeug flexibel einsetzen, beispielsweise dann, wenn zu viele Passagiere an einer Haltestelle stehen.“

Wer den Bürgerbus schon lange nutzt und sich auf die Abfahrt- und Ankunftzeiten eingestellt hat, braucht sich nicht zu sorgen. „Sie bleiben wie gewohnt, variieren höchsten einmal um eine Minute“, verspricht Heike Prechel. „Das, was gut ist, bleibt. Was nicht gut ist, wird verbessert.“ Bis der neue Fahrplan am 1. Dezember in Kraft tritt, gibt es noch eine Menge zu tun. „Wir haben neue Haltestellen genehmigt bekommen, die müssen wir nun auf eigene Kosten und mit eigener Kraft einrichten.“ Dazu gehören die Autokraft-Kästen und Schilder.

„Ich glaube, wir werden jedes Mal besser“, sagt Heike Prechel. „Doch wir werden noch einige Zeit brauchen, bis wir einen optimalen Plan haben.“ Dreh- und Angelpunkt ist und bleibt für die Fahrzeuge des Bürgerbusvereins der Zob in Leck. Von hier aus können die Gäste den Schnellbus der Autokraft besteigen, oder treten – nach Nutzung dieser Verbindung – mit dem Bürgerbus wieder die Heimreise in die Dörfer an. „Wir wollen eine Ergänzung zur Autokraft sei, keine Konkurrenz.“ Und das funktioniert – dank guter Absprachen. Die Preise für die Fahrten sind jeweils von der Strecke abhängig. So kostet die Fahrt von Karlum nach Leck zwei Euro, nach Achtrup 1,50 Euro, von Karlum nach Ladelund einen Euro (Kinder zahlen jeweils 50 Cent weniger). „Niemand zahlt bei uns mehr als 2,50 Euro. Außerdem gibt es die Sparkarte.“

Derzeit arbeiten für den Bürgerbusverein 30 ehrenamtliche Fahrer. Zwei Busse sind im Einsatz. Mehr als 16  000 Fahrgäste wurden bisher transportiert. „Unfallfrei“, freut sich Heike Prechel. Weitere ehrenamtliche Fahrer sind jederzeit willkommen. Sie müssen mindestens 21 Jahre alt sein, bereits zwei Jahre Fahrpraxis vorweisen können. Wichtig ist ein Personenbeförderungsschein. Der kann beim Bürgerbusverein gemacht werden, die Kosten dafür (etwa 300 Euro) übernimmt der Verein. Dieser Schein ist dann fünf Jahre gültig, muss nach Ablauf wiederholt werden. Ein Aufwand, der gerechtfertigt ist. „Die Fahrer tragen eine große Verantwortung“, so Heike Prechel.

Gesucht werden auch noch Werbepartner für den Mini-Bürgerbus. Auch auf dem weißen Bus ist noch eine der begehrten Flächen frei.

Ehrenamtliche Fahrer können sich unter Telefon 04666/989742 melden.

 

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erstellt am 28.Okt.2015 | 05:00 Uhr

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