Windkraft : Bürger beklagen, dass auf den Trainings-Anlagen im Dorf nicht trainiert wird

Ein Dummy  wird aus einer Übungswindkraftanlage in Enge-Sande abgeseilt: Im August  2016  wurde  präsentiert, wozu die Anlagen dienen.
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Ein Dummy  wird aus einer Übungswindkraftanlage in Enge-Sande abgeseilt: Im August  2016  wurde  präsentiert, wozu die Anlagen dienen.

Gemeinde soll jetzt Trainings-Protokolle von Betreiberfirma anfordern.

shz.de von
26. Januar 2018, 03:43 Uhr

Enge-Sande | Menschen, die auf den Windrädern im grünen Gewerbepark in Enge-Sande trainieren, was zu tun ist, wenn sie in Notfällen verunglückte Kollegen retten müssen, sieht Rolf Thiedemann „fast nie“. Dabei durften die beiden Windräder nur aufgestellt werden, weil die Betreiberfirma Offtec sie „überwiegend zu Trainingszwecken für das im Greentec-Campus Enge-Sande ansässige Trainingszentrum für die Onshore- und Offshore-Windindustrie“ nutzen soll. So hatte es die Landesplanung vor rund einem Jahr in einer Sonderregelung festgeschrieben. Auf der jüngsten Sitzung der Gemeindevertreter im Dorf machte der engagierte Bürger seinem Unmut Luft und forderte, dass die Gemeinde Protokolle über die Häufigkeit des Sicherheitstrainings von der Betreiberfirma anfordert. Ziel ist es, damit zu beweisen, dass die Firma gegen zuvor festgelegte Regeln verstößt.

„Die arbeiten nicht mit fairen Mitteln – das ist ein Blendwerk, das die da aufbauen“, sagt Thiedemann, der sich gemeinsam mit zehn anderen Dorfbewohnern seit rund einem Jahr gegen die Errichtung und den Betrieb der beiden 180 Meter hohen Windmühlen stemmt. Bisher ohne Erfolg. Seit Mitte des Jahres 2017 stehen die beiden Windkraftanlagen, die nicht gebaut wurden, um das Stromnetz zu speisen, sondern damit Arbeiter an ihnen trainieren können, im Windpark Klingenberg, Ortsteil Schardebüll der Gemeinde Enge-Sande.

Auch wenn er nicht ständig seinen Blick auf die Anlagen – rund 750 Meter von seinem Haus im Ortsteil Schardebüll entfernt – heften kann: Dass dort „fast nie trainiert wird“ steht für ihn fest. Dabei steht im Städtebaulichen Vertrag zwischen der Gemeinde und Firma Offtec, dass die Windkraftanlagen „überwiegend zu Trainingszwecken für das im Greentech-Campus Enge-Sande ansässige Trainingszentrum für die Onshore-und Offshorewindindustrie genutzt werden“ müssen. Dies ist demnach dann der Fall, wenn an jedem dritten bis fünften Werktag trainiert wird, heißt es dort weiter. Nur unter dieser Voraussetzung hatte das Land damals die Ausnahme gelten lassen, wonach die Teile an einem Standort „außerhalb der Vorranggebiete für die Windenergienutzung“ aufgestellt wurden, für die es einer „ausdrücklichen Ausnahmeregelung durch Sonderregelung“ bedurfte.

Mit seiner Forderung an die Gemeinde verweist Thiedemann auf den Städtebaulichen Vertrag zwischen der Gemeinde und Firma Offtec, in dem es heißt: „Auf Verlangen hat die Vorhabenträgerin die überwiegende Nutzung der WKA zu Trainingszwecken auch gegenüber der Gemeinde nachzuweisen und dieser die Trainingslogbücher vorzulegen.“ Um diese Ausnahme zu rechtfertigen, ist der Vorhabenträger laut Papier dazu verpflichtet, sich „in regelmäßigen Abständen die Trainingszwecke gegenüber der immissionsschutzrechtlichen Genehmigungsbehörde und der Landesplanungsbehörde detailliert darzustellen und diesen den überwiegenden Trainingsbetrieb nachzuweisen“.


Als störend empfinden die Bewohner zudem, dass die Anlagen in der Nacht blinken: Ein System zur bedarfsgesteuerten Nachtkennzeichnung (BNK), das schon vor mehreren Monaten installiert werden sollte, fehlt noch immer. „Nachts ist es so hell wie auf einem Jahrmarkt bei uns“, sagt Thiedemann. Er und seine Mitstreiter sind klug genug um zu wissen, dass ihr Aufbegehren nicht dazu führt, dass die Mühlen plötzlich aufhören sich zu drehen. „Aber wenn die Bedingungen nicht erfüllt werden, dann soll man das anmerken“, sagt der Enge-Sander.

Nicht einverstanden mit der scheinbar nachlässigen Auslegung der Vereinbarungen seitens der Firma Offtec zeigte sich auch der Bürgermeister der rund 1110 Menschen zählenden Gemeinde: „Ich weiß nicht, warum dort bisher kaum jemand trainiert hat“, sagte Carsten-Peter Thomsen am Tag nach der Sitzung verwundert. Das entsprechende Trainingsprotokoll wolle er in den nächsten Tagen von der Betreiberfirma einfordern. Zudem werde der Offtec-Geschäftsführer, Marten Jensen, in einem Schreiben vom Anwalt der Gemeinde dazu aufgefordert zu begründen, weshalb die seit Langem eingeforderte Nachtkennzeichnung sowie die Reduzierung der Drehzahl der Anlagen noch immer aussteht



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