Brillante Töne vergangener Zeiten

Die Mitglieder der „Renaissance-Compagney-Sylt“ im Altarraum der St. Gallus-Kirche zu Neugalmsbüll.
Die Mitglieder der „Renaissance-Compagney-Sylt“ im Altarraum der St. Gallus-Kirche zu Neugalmsbüll.

Die „Renaissance-Compagney-Sylt“ war zu Gast in der St. Gallus-Kirche – und zelebrierte mit Gambe und Schalmei den Wonnemonat Mai

shz.de von
13. Mai 2015, 11:24 Uhr

Die „Renaissance-Compagney-Sylt“ wartete in der schmucken, für ihre hervorragende Akustik bekannten St. Gallus-Kirche zu Neugalmsbüll mit einem brillant dargebotenen Konzert auf. Dieses konzentrierte sich inhaltlich ganz auf den Wonnemonat Mai. Unter dem Motto „Now is the month of maying“, einem fröhlichen Madrigal von Thomas Morley, erklangen Lieder und Instrumentalstücke englischer und deutscher Komponisten aus der frühbarocken Zeit zwischen 1550 und 1620, der sogenannten „Renaissance“.

Nachdem Rolf Wiegand als Kirchengemeinderatsvorsitzender alle Mitwirkenden und Zuhörer willkommen geheißen hatte, stimmte das neunköpfige Ensemble den Mut machenden, von Hans-Leo Hassler verfassten Gesang „Nun fanget an, ein gut Liedlein zu singen“ an. In die gesungenen Strophen fügten sie einen rein instrumental besetzten Satz ein. Das Besondere an diesem und allen später dargebotenen Beiträgen war, dass lauter Instrumente zum Einsatz kamen, die heute nicht mehr allen Musikfreunden geläufig sind.

In immer neuen Besetzungen musizierten neun leidenschaftlich engagierte Musikerinnen und Musiker, die – bekleidet mit Kostümen, die historischen Trachten nachempfunden waren – im engen Altarraum Platz genommen hatten: Atasches Adamian (Schalmei, Barock-Oboe und Gesang), Sibylle Scheewe (Gambe, Blockflöte, Harfe und Gesang), Norbert Scheewe (Gambe und Gitarre), Gerd Meier (Vihuela und Gambe), Heidi Specht-Christel (Gambe und Blockflöte), Helga Ahlborn (Harfe, Blockflöte und Gesang), Karen Ingwersen (Gambe und Gesang), Jürgen Glüsing (Schlagwerk und Percussions) sowie Christine Burkhard (Cornamuse, Laute, Harfe, Blockflöte, Gesang). Mit unauffälligen Gesten dezent geleitet wurden die Vokalisten und Instrumentalisten durch Christine Burkhard, die während des Stimmens auch einige der Instrumente erläuterte. Als Moderator betätigte sich nach dem Eingangslied Jürgen Glüsing, der auch nicht versäumte, auf die herausragende Bedeutung des Monats Mai für die Epoche der Renaissance hinzuweisen: habe diese doch das „dunkle Mittelalter“ abgelöst, in dem „der Mensch im Schoße der Kirche so fest liebevoll umarmt“ worden sei, „dass ihm schon das Atmen schwerfiel.“ Die Wonnen des Mai aber hätten sodann für Entspannung gesorgt.

Als besonders markanter Konzertbeitrag erklang die „Tertia Intrada“ von Hans Leo Hassler, bei der sich die herb klingende Schalmei – rhythmisch unterstützt von der Trommel – ein wenig ruppig gegen die zarten Blockflöten durchsetzte. Bei einer Pavana von Paul Lütkemann kamen die Gamben (die nur bei ungenauem Hinsehen wie Celli aussehen) besonders klangschön zur Geltung. Während beim tänzerischen Satz „Courante-Bouree-Ballet“ von Michael Praetorius die Harfen und Blockflöten sich klanglich reizvoll ergänzten, wussten auch auch die „Suite XII“ von Andreas Hammerschmidt sowie das Lied „O lusty May“ und die „Sonata à 5“, beide geschrieben von namentlich nicht mehr bekannten Meistern, gut zu gefallen.

Den Sängerinnen und Sängern gelang besonders gut das Zuversicht ausstrahlende Frühlingslied „Der Mai viel schöne Blumen bringt“ von Leonhard Lechner. Mit dem von den Harfen unterstützten Vokalsatz „All in a garden green“ und dem temperamentvollen Madrigal „You that won’t“ von Thomas Morley klang das reguläre Programm fröhlich aus. Nachdem Rolf Wiegand den Dank des Publikums in Worte gefasst und allen Mitwirkenden je ein Blume überreicht hatte, gab die „Renaussance-Compagney-Sylt“ noch eine Zugabe.

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