Brandt – der kreative Kulturmotor

Auch alte Freunde des verstorbenen Künstlers kamen zur Vernissage in der Bibliothek.
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Auch alte Freunde des verstorbenen Künstlers kamen zur Vernissage in der Bibliothek.

Andreas Brandt komplettiert das Trio – ganz prominent zwischen Nolde und Haizmann / Ausstellung in der Stadtbücherei eröffnet

shz.de von
02. März 2017, 11:43 Uhr

Ein Museum für Andreas Brandt? Brandt war nicht nur ein bedeutender, überregional bekannter Künstler, sondern er war auch ein extremer Dynamo des kulturellen Lebens in Niebüll. Ohne ihn wären kaum international bekannte Künstler in die Kleinstadt gekommen; er schaffte es, nicht zuletzt durch seine exzellenten Kontakte, die Niebüller Stadtbücherei mit vielseitigen, hochkarätigen Kabinett-Ausstellungen als kulturell attraktiven Ort im Stadtzentrum zu etablieren.

„Ohne Emil Nolde wäre Andreas Brandt nie nach Niebüll gekommen!“ Bürgermeister Wilfried Bockholt hob in seiner Eröffnungsrede zur Andreas Brandt-Ausstellung in der Stadtbücherei Niebüll die Bedeutung des Seebüller Weltstars hervor. Niebüll habe, neben Nolde, den man nicht wegdiskutieren solle, weitere Künstler von Rang und Namen. Richard Haizmann ist der eine, Andreas Brandt der andere. Wie Haizmann wirkte der international anerkannte Konstruktivist und Maler der konkreten Kunst 30 Jahre in der kultursinnigen Kleinstadt. „Er hat sich hier eingemischt, dafür gesorgt, dass Plastiken und Skulpturen an den richtigen Stellen im Stadtbild stehen.“ Er half Stadtplanern und Kommunalpolitikern mit Vorschlägen, wenn es um das Aufstellung der Kunstwerke ging.

In den Anfängen des Richard-Haizmann-Museums hat der aus Halle stammende Brandt die Ausrichtung und das Programm entscheidend geprägt. 1986 in Niebüll angekommen, hat er bereits zwei Jahre später die sensationelle Ausstellung zu Max Bills 80. Geburtstag ermöglicht, einem der international hochrangigen Konstruktivisten. Andreas Brandt holte besondere Werke von deutschen Kunst-Größen wie Werner Scholz und Karl Hartungin die Stadt. In seinem Garten saßen Bildhauer wie Jan Meyer-Rogge oder Carl-Achim Czemper oft gemeinsam mit Mäzenen aus der Region.

Erstmals ist der im Vorjahr verstorbene Wahl-Nordfriese jetzt in seinem sehr geschätzten Städtchen zu sehen. „Eine umfassende Retrospektive seines grafischen Werks“, stellte Professor Dr. Manfred Reuther, ehemals Direktor der Nolde-Stiftung, fest. Der überregional bekannte Fotograf David Brandt, Sohn des Künstlers und seine Gattin, die Kunsthistorikerin Cornelia Munzinger-Brandt, haben das Oevre archiviert und mit dem Lindholmer Brandt-Experten Reuther die Ausstellung realisiert. Zuvor hatte Christina Brandt, Ehefrau des Künstlers, ihr Einverständnis erteilt.

„Ich habe Andreas Brandt damals in der Nolde-Stiftung als Stipendiaten kennengelernt“, so Reuther in seiner Rede. Der Maler habe in Nordfriesland zu sich selbst gefunden, berichtete der Experte. „Er kam aus New York, hatte eine schwierige Phase hinter sich. Nordfrieslands Natur führte ihn zu sich selbst zurück. Die erste Begegnung mit der Landschaft führte zu einer dauerhaften Beziehung.“ Überraschend oder vielleicht auch nicht: „Die Anerkennung durch das Publikum war ihm wichtig. Als skandinavische Besucher äußerten, dass der Anblick seiner Bilder direkt Freude erzeuge, „war Andreas Brandt glücklich“. Die positive Aussage seiner Werke sei ihm sehr wichtig gewesen, so Manfred Reuther. Der Künstler erreicht die Menschen, was angesichts der reduzierten Form erstaunlich ist.

„Konstruktivisten wie Brandt ist gemein, dass sie ihre Umwelt in ihr künstlerisches Denken einbeziehen und zu gestalten suchen“, vermerkte der Kunsthistoriker weiter. Ihn freue, dass der Maler mit einer Ausstellung seiner Druckgrafiken in der Stadtbücherei geehrt wird.

Bei der Vernissage schilderte auch Peter Hansen, seinerzeit Hausmeister der Nolde-Stiftung, von seiner ersten Begegnung mit Andreas Brandt „Ich habe ihn damals vom Bahnhof abgeholt. Sein Entdecker und damalige Direktor der Noldestiftung, Dr. Martin Urban, gab mir ein Foto mit den Worten in die Hand: Ganz so grimmig ist er nicht!“

Am 13. April wandern die Arbeiten des Künstlers wieder in den Fundus. Dort befindet sich auch das umfängliche Oevre des Künstlers. „Es wäre toll, wenn wir in Niebüll Räume für eine Dauerausstellung finden könnten“, meint Manfred Reuther. Er sieht Andreas Brandt in einer Reihe mit Emil Nolde und Richard Haizmann, jeden natürlich mit seinem ureigenem Profil.

Kunst-Town Niebüll? Letztlich kann auch die Stadt davon profitieren. Tourismus-Professorin Anja Wollesen hat gerade in einem fulminanten Vortrag auf Niebülls Potenzial hingewiesen. „Dazu gehört zweifellos die Kunst“, argumentierte der engagierte Kurator Reuther. Zentrale Räumlichkeiten in der Stadt mit viel Publikumsverkehr bietet beispielsweise das Amtsgebäude in der Marktstraße. Dort finden jetzt bereits große Ausstellungen statt. Amtsvorsteher Peter Ewaldsen könne sich für eine Brandt-Dauerschau erwärmen.

Experte Manfred Reuther hat auch Bürgermeister Wilfried Bockholt angesprochen – und er will weitere Kunstinteressierte für seine Idee begeistern. Zu erwarten sei die Gründung einer Andreas Brandt-Gesellschaft, die für ein angemessene Präsentation des genialen Konstruktivisten sorgen könne. „Das Ganze muss natürlich wachsen“, so der Kunsthistoriker. Letztlich ist es auch eine Frage der Finanzen.


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