Auszeichnung : Blumen, Brot und kleiner Bahnhof

Ehrenbürgermeister Hauke Christiansen mit seiner Frau Barbara.
Ehrenbürgermeister Hauke Christiansen mit seiner Frau Barbara.

Abschied von einem „politischen Schwergewicht“: Hauke Christiansen ist jetzt Ehrenbürgermeister.

shz.de von
07. Juli 2018, 06:00 Uhr

Großer und kleiner Bahnhof zugleich – das geht, zumindest für Hauke Christiansen. Nachdem der 67-Jährige bekanntlich vor Kurzem nach 15 Jahren als Bürgermeister von Risum-Lindholm ausgeschieden ist, hatte sein Nachfolger Hans Bruhn bereits in der konstituierenden Sitzung der Gemeindevertretung angekündigt: „So einfach kommst du uns nicht davon.“ Und der neue Gemeindechef hielt Wort: Weggefährten aus Politik, von Verbänden und Vereinen, Freunde und Familie waren der Einladung ins Andersen-Hüs gefolgt, um Hauke Christiansen ausgiebig zu würdigen – großer Bahnhof eben.

Christiansen habe in seiner Amtszeit vieles geschafft, lobte Hans Bruhn – „aber an der Deutschen Bundesbahn hast du dir die Zähne ausgebissen“, sagte Bruhn in Anspielung auf den Wunsch Christiansen, den Bahnhof in Risum-Lindholm wiederzubeleben. Zum Trost bekam der Altbürgermeister ein Spielzeugmodell überreicht – einen kleinen Bahnhof.

Zudem hatte Bruhn noch viele andere Geschenke mitgebracht – unter anderem zwei Dosen Kommissbrot und weitere praktische Dinge. „Es wird gemunkelt, dass du dich für einen Ferienhaus-Kauf in Dänemark interessierst“, so Bruhn. Und es werde gemunkelt, dass ein Mann, der große Ähnlichkeit mit Christiansen gehabt haben solle, das Schnittholz auf der Kindergarten-Baustelle eingesammelt habe. „Du wolltest wohl für deinen Kamin im neuen Ferienhaus vorsorgen“, mutmaßte Bruhn – wenig später erhielt Christiansen unter großen Gelächter zwei Säcke Kaminholz.

Bei allen launigen Worten kam das Lob nicht kurz: Gemeinderatsmitglied, stellvertretender Bürgermeister, Amtsvorsteher, Kreistagsabgeordneter: „Du warst ein echtes politisches Schwergewicht – und du hattest immer die Menschen im Blick“, sagte Bruhn. Wohnen, Kindergarten, Schule und auch die wirtschaftliche Entwicklung in Risum-Lindholm könne sich sehr sehen lassen, sagte Hans Bruhn und ernannte Hauke Christiansen unter langanhaltendem Applaus zum Ehrenbürgermeister der Gemeinde. Auch habe Christiansen wesentlich dazu beigetragen, „dass das Amt Südtondern zu einer Erfolgsgeschichte geworden ist.“

Das bestätigte der scheidende Amtsvorsteher Peter Ewaldsen nur zu gerne und dankte für „kritische Unterstützung und praktische Vorschläge. Er habe Hauke Christiansen bereits zu Lehrzeiten kennengelernt, so Ewaldsen: „Er hat schon als Schüler bewiesen, dass er Händlerblut hat.“ Christiansen habe immer zuerst an seine Gemeinde gedacht: „Du warst der Bürgermeister der schnellen Entschlüsse, der immer einfach gemacht hat und erst danach gefragt hat, ob das so in Ordnung war. Und du warst gut für diese Gemeinde.“

Sowohl Julius Dohrn (CDU, wählte Friesisch als Lobessprache) als auch Jörgen Jensen Hahn (SSW, wechselte munter zwischen Friesisch, Dänisch und Deutsch) dankten Hauke Christiansen unter anderem für seinen Einsatz für ein mehrsprachiges Miteinander im Ort. Auch Dirk Breckling (Freiwillige Feuerwehr Risum) und Carsten Friedrich Carstensen (Feuerwehr Lindholm) und Pastorin Katja Pettenpaul dankten dem Ehrenbürgermeister.

„Es war eine schöne Zeit und ich bin nicht weg – ich bin, wie Peter Ewaldsen es so schön für sich gesagt hat, nur noch Zaungast“, sagte Christiansen, der auch Dank an seine Frau Barbara richtete, die von vielen Lobrednern mit Dank und diversen Blumensträußen bedacht worden war. „Was hier gelungen ist, ist das Ergebnis eines Miteinanders, nicht das Verdienst eines einzelnen“, so der Ehrenbürgermeister weiter. „Dieses Miteinander zu pflegen, das wird auch in Zukunft die große Aufgabe sein.“

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