Anonymer Brief : Blütenpracht sorgt für Brückenzwist

Anonymer Schreiber kritisiert, dass sich der Verschönerungsverein Leck und Umgebung nur um die Süderbrücke an der B199 kümmere

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22. Juli 2015, 05:00 Uhr

Für Anregungen, wo der Ort noch blühender und grüner gestaltet werden kann, ist der Vorsitzende des Verschönerungsvereins Leck und Umgebung von 1881 dankbar. Doch gegen Vorwürfe, nicht genug zu tun, wehrt er sich entschieden – besonders, wenn das dann auch noch anonym geschieht. Am Wochenende flatterte ein handgeschriebener Brief in Dieter Feddersens Haus. Ohne Poststempel. Also musste jemand das Schriftwerk „ausgetragen“ haben. In der Ich-Form geschrieben wird kritisiert, wie „lieblos“ der Verein die Brücke über die Au im Kokkedahler Weg behandelt: Dort gebe es keine Blumenpracht am Geländer. Die Süderbrücke dagegen werde unverständlicherweise mit 18 großen Blumenkästen geschmückt. Und dabei sei die Überführung in Kokkedahl genau so stark befahren wie die Brücke auf der B 199, meinte der unbekannte Autor. Diese Tatsache dokumentierte er als traurig und grüßte im Namen der Bewohner vom Kokkedahler Weg und vom Neubaugebiet Maade. Eine Unterschrift oder ein Name fehlte.

„Das ist ein starkes Stück“, urteilt Dieter Feddersen die Anmahnung. „Warum bin ich nicht einfach angesprochen worden? Man kann sich doch sachlich austauschen. So kann ich mich nicht einmal rechtfertigen.“ Doch der Vorsitzende stellt auf diesem Wege klar: „Wir versehen seit Jahren die Bundesstraße als Haupteinfahrtsstraße nach Leck mit Blumenkästen. Mit neun auf jeder Seite, ansonsten wäre das nur halber Kram“. Die Bepflanzung und Pflege kostet den Verein im Jahr an die 1000 Euro. Mit eingeschlossen sind Neupflanzungen nach Verwüstung der Pflanzen, was leider immer wieder passiert. „Angedacht hatten wir, die Kokkedahler Brücke gleichfalls mit Blumenpracht zu versehen. Doch uns fehlt das Geld“. Der 140 Mitglieder zählende Verschönerungsverein könne mit einem Mitgliedsbeitrag von zehn Euro jährlich keine großen Sprünge machen. In naher Zukunft habe die Erweiterung des Bürger- und Erlebnisparks am Kemper Graben Vorrang. Dort sollen ein Teich und zusätzliche Wege angelegt werden. Rund 30  000 Euro müssen dafür auf den Tisch gelegt werden. Die nachfolgenden Generationen werden vom neuen Park profitieren, wie die Bürger heute vom Augarten, Kaiserhain, Süder-, Oster- und Westerholz. Diese „Lungen der Gemeinde“ tragen die Handschrift des 134 Jahre alten Verschönerungsvereins. Bis heute wurden weit über 200  000 Bäume gepflanzt. Auch die gelben Blütenteppiche an den Ortseingängen zur Narzissenzeit sind echte Hingucker. Über eine Millionen Euro hat der Verein den Bürgern geschenkt, schätzt der Vorsitzende. Er würde sich über Eigeninitiative der Bürger freuen nach dem Motto „selbst ist der Mann beziehungsweise die Frau“. Spenden nimmt der Verein ebenso gern entgegen, wer mitreden und mitgestalten möchte, sollte einfach ein Mitgliedsformular unterschreiben.

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