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Konzert in Rodenäs : Blockflöte – das besondere Instrument

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Solistin Susanne Ehrhardt brillierte auf Blockflöten verschiedener Bauart und Tonlagen ohne jegliche Begleitung.

von
erstellt am 17.Aug.2015 | 05:45 Uhr

„Virtuose Entdeckungen“, so lautete das Generalthema eines Konzertes, das die „Kulturstation Zollhäuser Rodenäs“ am Wochenende in der örtlichen St. Dionys-Kirche veranstaltete. Als Interpretin und zugleich Moderatorin ihres Programms agierte die international renommierte Solistin Susanne Ehrhardt, die auf Blockflöten verschiedener Bauart und Tonlagen ohne jegliche Begleitung ihr virtuoses Können unter Beweis stellte.

Doch bevor diese zu ihrer Sopranblockflöte griff, um das abwechslungsreiche Programm mit einem temperamentvollen, rhythmisch mitreißenden „Mittelalterlichen Spielmannstanz“ eines namentlich nicht bekannten Komponisten zu eröffnen, meldete sich Pastor i.R. Arend Bertzbach zu Wort. Er merkte an, dass die Blockflöte nach der Zeit der Renaissance und des Barockes von vielen Freunden der klassischen Musik – völlig zu Unrecht – lange Zeit nicht als vollwertiges Instrument angesehen worden sei, mit dem man hätte Karriere machen können. Die herausragenden Leistungen der Solistinnen Michala Petri und Susanne Ehrhardt sowie weiterer Virtuosen hätten die Öffentlichkeit inzwischen aber vom Gegenteil überzeugt.

Ein Ricercar eines italienischen Meisters aus der Zeit der Spätrenaissance bot der konzertierenden Blockflötistin Gelegenheit, über eine vorgegebene Melodie auf ihrer Tenorflöte relativ frei zu improvisieren. Es folgten sechs Kompositionen des blinden Glöckners und Blockflötisten Jacob van Eyck (um 1590-1657), der einst dafür bezahlt wurde, dass er Friedhofsbesucher durch sein Flötenspiel unterhielt, was auf immer gleiche Weise geschah: Er spielte eine bekannte Melodie an, zerlegte sie dann in mehrere Abschnitte in schnellerem Tempo, um am Ende mit einer höchst virtuosen Fassung des Originals aufzuwarten. Susanne Ehrhardt spielte zunächst in atemberaubendem Tempo ein Präludium, an das sich ein anrührendes Liebeslied („Amarilli mia bella“) anschloss. Des weiteren führte sie in rasanter Weise mit bewundernswerter Atemtechnik und Fingerfertigkeit einen „Prahlhans“ und eine Gruppe von Gauklern vor Ohren und stellte diesen je eine Bearbeitung eines elegischen Liedes von John Dowland sowie einen getragenen Choral gegenüber. Mit einem „Adagio“ von Jacques Martin Hotteterre und je einer Sarabande und Bourrèe Anglaise von Johann Sebastian Bach kamen drei streng konzipierte Sätze aus der Hoch-Zeit der Blockflöte, dem Barock, in vorbildlicher Art und Weise zur Geltung. Als besonderes Highlight des Konzertes (insbesondere für die anwesenden Kinder) erwies sich die 1974 komponierte und mit Text versehene Programmmusik „Nachruf für eine Amsel“ von Cesar Bresgen. Nachdem der Erzähler die musikalische Entwicklung des von ihm beobachteten und bewunderten Vogels gewürdigt hatte, fiel dieser eines Tages urplötzlich tot vom Baum, da er sich – prosaischer Weise – an leckeren Kirschen überfressen hatte.

Mit einem „Presto“ des klassischen Tonsetzers und Flötenbauers Anton Heberle ließ Susanne Ehrhardt ihr reguläres Programm technisch extrem anspruchsvoll ausklingen, woraufhin das begeisterte Publikum sich noch zwei Zugaben erklatschte. Fazit: Länger als eine Stunde mutterseelenallein auf höchstem spieltechnischem Niveau auf Blockflöten zu musizieren, ohne sich hin und wieder mal an ein Begleitinstrument (Cembalo oder Orgel) „anlehnen“ zu können, ist eine bewundernswerte Leistung.

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