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Nordfriesland Tageblatt

22. Oktober 2017 | 07:17 Uhr

Blick in die Vergangenheit

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Die schmucklosen Wände im Vorraum zu den Bahnsteig-Fahrstühlen hat der Maler und Illustrator Ponchai Lüders nun veredelt

shz.de von
erstellt am 13.Feb.2014 | 06:15 Uhr

Kunst im Bahnhofsgebäude? Warum nicht, sagten sich das Bahnhofsmanagement Schleswig-Holstein und das Stadtmarketing Niebüll. Als Dritten im Bunde fanden Stationsmanagerin Katharina Krezo (Husum) und Stadtmanager Holger Heinke den in Emmelsbüll-Horsbüll lebenden Maler und Illustrator Ponchai („Ponch“) Lüders (38), der den zwar sauberen, jedoch nüchternen und schmucklosen Vorraum zu den Bahnsteig-Fahrstühlen in viermonatiger Arbeit mit einer informativen Wandmalerei schmückte.

In Acryl auf weiß gestrichenem Putz tut sich dem Betrachter ein Blick in Zeiten auf, die weit in die Vergangenheit der heimischen Küstenlandschaft zurückreichen. Bei erstem flüchtigen Rundblick im Vorraum öffnet sich zur Linken das Panorama des Wattenmeers, über dem die untergehende Sonne genügend Licht spendet, um Deicharbeiter bei der Arbeit zu erkennen, die gerade einen Stackdeich „flicken“, gegen den der „Blanke Hans“ zu heftig angebrandet war. Mit Schubkarren wird Klei angefahren. Mithilfe eines Seils wird eine seewärts gekippte Bohle in die Senkrechte gehievt, um den Deichfuß wieder zu stabilisieren.

Auf der gegenüber liegenden Seite hat der Künstler zweierlei dargestellt: im Vordergrund eine Weizenernte, wie sie noch in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts vonstatten ging – und den Hintergrund mit einem Zug aus den Kindertagen der Eisenbahn. Im Bild ist „jede Menge“ Bewegung: Schnitter mit der Sense, Frauen, die Garben binden, Kinder, die einen „Köter“ jagen und obendrein eine Lok mit mehreren Wagen im Schlepptau.

Rund um die großen Wandgemälde hat der Künstler skizzenhafte Erläuterungen gruppiert, mit denen angedeutet wird, wie Technik in die landwirtschaftliche Feldbestellung Einzug hielt, wie Pflüge von der Dampfmaschine gezogen wurden, wie der Klotzenmacher „Clogs“ herstellte, was der Wasserbauer und Deicharbeiter im Watt an den Füßen hatte oder was außer der Kornblume sonst im und am Weizenfeld wuchs, während am Himmel eine Schar Zugvögel ihre Bahn zog.

Die vom Maler liebevoll gestaltete Wandmalerei bietet Einblicke in die Historie, Natur und Entwicklung einer Landschaft, die Bewusstsein weckt. Wer vor Ankunft oder Abfahrt seines Zuges ein wenig Zeit übrig hat, für den lohnt es, einen Augenblick im Raum zu verweilen. Die Wände erzählen, erwecken Erinnerungen und erzeugen Interesse, in der Vergangenheit zurückzublättern.

Anzumerken wäre noch, dass die Landesverkehrsservice-Gesellschaft (LVS) und das Stadtmarketing die Realisierung des Kunstprojekts ermöglichten, das Fachgeschäft Sönksen die Farben sponserte und der Friesen- sowie Geschichtsverein von der Partie waren, als die „Kunst im Bahnhof“ öffentlich präsentiert wurde. „Oftmals sind Bahnhöfe der erste Eindruck von einer Stadt“, sagte Holger Heinke und meinte, dass die Wandmalerei zu einem guten Eindruck beitrage.

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