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Nordfriesland Tageblatt

18. Dezember 2017 | 04:54 Uhr

Energie-Ausstellung : Blick für das Wesentliche

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Euphorie und Aufbruchstimmung begleiteten die Ausstellungseröffnung zum Thema regenerative Energien. Aber auch mahnende Worte.

von
erstellt am 17.Jan.2014 | 06:30 Uhr

„Windmühlen bei Nacht“, „Maisfeld mit Windmühle“ – das sind nur zwei Titel der zwölf großformatigen Fotos, die bis zum 31. Januar im Foyer des Amtes Südtondern zu sehen sind. „Nordfriesland – Land der neuen Energien“ – so das Thema der Schau, aber auch des Kalenders, in dem die Aufnahmen zu sehen sind. „Er hat eine Auflage von 300“, berichtet Gunnar Thöle, Klimaschutzmanager des Kreises Nordfriesland. Gemeinsam mit Simon Rietz, Projektmanagement Erneuerbare Energien AktivRegion Nordfriesland Nord, bildet er ein Team. „Die Hobby-Fotografen kommen übrigens alle aus der Region, aber das ist eher Zufall.“

Landrat Dieter Harrsen wertet die Ausstellung und den Kalender als weiteren Beleg dafür, dass die Zusammenarbeit zwischen AktivRegion Nordfriesland Nord und Kreis funktioniert. „Wenn wir einmal unterschiedlicher Meinung sind, sprechen wir darüber. Ich freue mich auf viele weitere gemeinsame Projekte.“ Zur Thematik erklärt er: „Wir in Nordfriesland sind und bleiben Modellregion der Energiewende.“

„Aus 50 eingereichten Fotos sind die zwölf geschmackvollsten ausgewählt worden“, sagt Amtsdirektor Otto Wilke, und er freut sich, dass der Start der Wander-Ausstellung in Niebüll erfolgt. Die Region sei wirtschaftlich gut gestellt, allerdings unterliege die Landschaft erheblichen Veränderungen. Gunnar Thöle: „Das 3,59-Fache des eigenen Stromverbrauchs wird hier bei uns erzeugt.“ Mehr als genug, der Rest ist für den „Export“. Blieben für das elementare Ziel, bis 2020 klimafreundlichster Landkreis zu werden, noch die Säulen Wärme und Mobilität. Daran wird weiter gearbeitet. Thöle: „Das, was andere Leute Energiewende nennen, ist bei uns in Nordfriesland schon durch.“

Die Stromerzeugung an der Küste bringt also Geld. Und doch drängt sich immer wieder die Frage auf: Ist das, was da in unserer Umgebung passiert, auch schön? Amtsdirektor Otto Wilke: „Die Bewertung bleibt jedem selbst überlassen.“ Niebülls Bürgermeister Wilfried Bockholt, auch Vorsitzender des Vereins „LAG AktivRegion Nordfriesland Nord“, macht sich so seine Gedanken. Er bescheinigt den Fotografen einen Blick für das mittlerweile zum Alltag gehörende. „Aber ich bin weit davon entfernt, zu beschönigen und zu sagen: Das ist alles toll.“ Die Landschaft werde sich weiter verändern. „Welche Alternativen haben wir?“

Bei der Gründung der AktivRegion vor sieben Jahren wurden die regenerativen Themen wie Biogas, Wind und Solar ausgemacht. Neben St. Michaelisdonn (Dithmarschen) entstand in Nordfriesland eine Modellregion. „Für die Phase 2 haben wir uns den Kreis mit ins Boot geholt.“ Am Ende stand 2012 der Gewinn der Energie-Olympiade. Bockholt: „Vielleicht ist es unsere Rolle, dass wir heute den Strom produzieren, den das Ruhrgebiet einst produziert hat. Nur: Unsere Luft bleibt sauber dabei.“ Er mahnt, eine Brücke zwischen denen, die sich engagieren und denen, die sich nicht engagieren können, zu schlagen.

Eine neue Generation und neue Akzeptanzen entstehen. „Meine Enkel wachsen mit dieser Realität auf. Sie haben nichts anderes mehr kennengelernt und werden trotzdem ein wunderbares Bild von unserer Landschaft behalten.“ Als Beleg dafür wertet Wilfried Bockholt ein Foto „Windkraft und Natur im Einklang“ von Cordula Sönnichsen aus Risum-Lindholm. Aufgenommen in der Hattstedter Marsch, zeigt es riesengroß im Vordergrund einen Schwarm startender Nonnengänse. Im Hintergrund ist ein Reetdachhaus zu erkennen und erst am Horizont, verschwommen, eine Windkraftanlage.

Cordula Sönnichsen ist als einzige Fotografin mit zwei Aufnahmen im Kalender vertreten. „Sie sind eher zufällig entstanden“, gesteht sie lächelnd. „Ich habe immer eine Kamera dabei.“ So machte sie die Aufnahmen von den Nonnengänsen oder ihren beiden Enkelinnen, die über den Deich zwischen den Schafen spazierengehen. „Eigentlich wollte ich keine Windkraftanlagen fotografieren.“ Und vielleicht ist genau das das Geheimnis, was ihre Fotos von den übrigen unterscheidet und hervorhebt. Wie hatte Wilfried Bockholt in seiner Rede gefordert? Sich den Blick für das Wesentliche im Leben zu bewahren: „Geld verdienen ist nicht alles.“

Die Aufnahmen für die Ausstellung und den Kalender haben beigesteuert: Bernd Hansen, André Jessen & Milli, Helma Johannsen, Mai-Inken Knackfuss, Erika Maibaum, Gunda Pietsch, Cordula Sönnichsen, Gerd Maart, Helga Martens, Dirk Pfeiffer und die Norddeutsche Eisenbahngesellschaft Niebüll GmbH (neg).

Die Ausstellung ist noch bis zum 31. Januar im Amt Südtondern in Niebüll zu sehen. Die weiteren Stationen: Nordsee-Akademie in Leck (3. bis 28. Februar) – danach geht es nach Husum in die  Nord-Ostsee-Sparkasse (3. bis 19. März), zur Messe „New Energy“ (20. bis 23. März) und in das Kreishaus (12. bis 30. Mai).

Stephan Bülck

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