zur Navigation springen
Nordfriesland Tageblatt

19. Oktober 2017 | 04:51 Uhr

Versteigerung : Bieterspaß und Spottpreise

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Fahrräder, Uhren, Schmuck und mehr: Bei der Fundsachenversteigerung auf dem Rathausplatz ließ sich gestern manches Schnäppchen schlagen.

shz.de von
erstellt am 13.Mai.2014 | 08:00 Uhr

Eine halbe Stunde vor Beginn beziehen die ersten Interessierten auf dem Lecker Rathausplatz Position. Meist halten sie noch Abstand, plauschen scheinbar völlig unbeteiligt. Um 14 Uhr soll die Fundsachenversteigerung des Amts Südtondern beginnen.

Insgesamt 35 Fahrräder stehen zur Auktion, sind aber noch vor taxierenden Blicken im gläsernen Durchgang verborgen. Dann geht es los: Drei Gemeindearbeiter positionieren sich, Ragna Jensen vom Amt Südtondern verliest die Bedingungen für die nun folgende Versteigerung. Die Fundsachen seien alle länger als sechs Monate verwahrt worden, vier Wochen vorab sei seitens des Amtes darauf verwiesen, dass die letzte Möglichkeit bestehe, Besitz geltend zu machen.

Am Tag der Versteigerung sind alle Ansprüche verwirkt, und die Auktion startet. „Ein Euro, bietet jemand einen Euro für dieses Damenrad“, ruft Ragna Jensen in die Menschentraube, die sich plötzlich vor dem Rathaus-Eingang gebildet hat. „Ein Euro, zwei Euro, drei Euro – bietet jemand mehr als drei Euro? Drei Euro zum Ersten, zum Zweiten, zum Dritten.“ Michelle Klein, Auszubildende beim Amt Südtondern lässt einen Gummi-Hammer auf einen Holztisch niedersausen: Das erste Fahrrad ist für einen Spottpreis verkauft. In der Folge bekommen Kauflustige bei Damen-, Herren- und Kinderrädern für Gebote von einem bis sieben, seltener für mehr als zehn Euro den Zuschlag. Ein gut erhaltenes Mountainbike geht dann allerdings nach einigem Hin- und Herbieten für 31 Euro an Gudrun Boysen aus Niebüll. „Für meinen Sohn“, sagt sie und schiebt das begehrte Stück davon.

Ein Hollandrad in einem mutigen Violett weckt den Ersteigerungswillen bei gleich zwei Damen. „Ein Euro, zwei Euro, drei Euro ...“ Ute Rußdorf ist entschlossen: „Ich lass’ die Hand einfach mal oben.“ Die Beharrlichkeit wird belohnt – den Preis von acht Euro überbietet niemand mehr. „Ich wollte schon immer ein Hollandrad haben – und hätte auch 20 Euro bezahlt“, sagt sie. Die Farbe sei nicht ganz die ihre, umlackieren werde sie es wohl: „Am liebsten in Rot mit weißen Punkten.“

Bei den „Wundertüten“ hat Anja Zuth ein glückliches Händchen: Sie ersteigert gleich zwei. Für insgesamt 16 Euro ist sie um zehn Armbanduhren, diverse Schmuckstücke und andere Überraschungen reicher. „Ich bin immer hier bei der Versteigerung. Ich habe drei Kinder, in den Tüten ist bestimmt etwas Schönes für jedes dabei“, sagt die Leckerin.

Kleine Unstimmigkeiten gibt es auch: Zwei Herren haben für eine Armband-Uhr die Hand gehoben und meinen beide, das höchste Gebot von sechs Euro abgegeben zu haben. Nach kurzer Diskussion einigen sie sich aber. In der ersten Reihe beschwert sich ein älterer Herr lautstark, weil sich ein anderer vor ihn gestellt hat und er nun nichts mehr sehen könne.

Gemeindearbeiter Clemens Schütt-Nissen beschwichtigt, verteilt Halsbonbons an Auktionatorin Ragna Jensen, die etwas erkältet ist, und präsentiert mit seinen Kollegen die Fahrräder. „Einige davon habe ich selbst aus der Lecker Au gefischt“, berichtet Schütt-Nissen. Auch Fahrräder, die verdächtig lange irgendwo öffentlich stehen, landen irgendwann im Fundbüro. „Das war gut, die Leute waren kauflustig“, sagt der Gemeindearbeiter, der schon rund 20 Fundsachenversteigerungen in Leck mitgemacht hat, am Ende der Veranstaltung. Tatsächlich: Alle Fundsachen haben für Minimalbeträge neue Besitzer gefunden, auch ein Schulranzen, vier Radkappen und ein Mountainbike ohne Sattel.

Handys waren aus gutem Grund nicht im Angebot: „Wegen der Datenschutzbedingungen. Die dürfen nur versteigert werden, wenn alle Daten komplett von Fachleuten gelöscht wurden“, erläutert Ragna Jensen. Eine Löschung koste 40 bis 50 Euro, es müsse erst noch darüber entschieden werden. Insgesamt bedauert die Auktionatorin ein wenig, dass nicht noch mehr Bietwillige da waren. „Vielleicht sollte man versuchen, den Termin das nächste Mal wie in Niebüll auf ein Wochenende zu legen“, schlägt sie vor.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert