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Kunst : Bierkönig prostet wieder den Gästen zu

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

20 000 Euro wurden zur Rettung gesammelt. Nun hängt das Wandbild des Friesenmalers Carl Ludwig Jessen im Andersen-Hus

Nun hält er wieder den Krug hoch: Die Enthüllung des „Bierkönigs“ im Andersen-Hus wurde jüngst zünftig gefeiert. Mit dabei waren Bürgermeister Hauke Christiansen, Vorstand und Mitglieder des Niebüller Geschichtsvereins und des Ostermooringer Friesenvereins. Der Vorsitzende Hauke Friedrichsen begrüßte die Gäste auf frasch und hochdeutsch. Seiner Rede schloss sich ein Vortrag von Professor Ulrich Schulte-Wülwer über Carl Ludwig Jessen an.

Zur Erinnerung: In der Gaststätte „Morgenstern“ in Niebüll-Deezbüll war das Wandbild „Bierkönig“ des Friesenmalers Carl Ludwig Jessen vom Niebüller Geschichtsverein einst wiederentdeckt (wir berichteten) und durch den Hausbesitzer Lars Brunk erhalten und an den Verein verschenkt worden. Doch wohin damit, lautete die Frage; denn es fand sich zunächst kein Platz. Beate Jandt, erste Vorsitzende des Niebüller Geschichtsvereins hatte dann die Idee, das Werk nach Klockries zu vergeben – zumal der Künstler dort zeitweise gelebt hatte. Gerhard Johannsen, 2. Vorsitzender des Ostermooriger Friesenvereins, nahm alles weitere in die Hand und berichtete auch beim Festakt von den Vorgängen um das Wandbild höchst unterhaltsam. Denn so ohne weiteres ließ sich im März der aufgemalte Bierkönig nicht von der Wand lösen. Eine Spezialfirma aus Lübeck ging ans Werk. Vier Tage lang waren die Spezialisten im Einsatz. Und auch die Ehrenamtlichen waren dabei. Sie verhüllten das Werk mit Gaze, verschränkten die Fläche mit einer umfangreichen Holzkonstruktion, um ein Auseinanderbrechen zu verhindern. Dann wurde die Mauer seitlich entfernt. Ein spannender Moment: Hier stand alles auf der Kippe. Haus-Eigentümer Lars Brunk und das Ehepaar Jandt atmeten ebenso durch wie die Handwerker, als die Operation trotz lädierter Hände perfekt war. „Das war ein aufregender Moment“, erinnert sich Gerhard Johannsen. „Wir wussten nicht, ob das Bild heil bleiben wird.“ Beate Jandt hatte über das Jahr für die Rettung und die Restaurierung knapp 20 000 Euro gesammelt. Niebüller Unternehmen und Banken halfen ebenso wie Privatpersonen; auch die Friede-Springer-Stiftung war dabei.

„Das Bild hat jetzt einen wunderbaren Platz gefunden“, waren sich alle einig. Und es ist im stark frequentierten Andersen-Hus richtig am Platze. Hier gibt es Bier, hier sind die Friesen zuhause. Und genau dort wurde der Bierkönig ganz vorn, wie es sich gebührt, an die Stirnseite des Veranstaltungssaals platziert.

Eine Niebüllerin war auch bei der Feier dabei: „Das Bild gehört zu meiner Kindheit. Ich bin froh, dass es nun einen so schönen Platz gefunden hat“, sagte Josefine Jansen, Schwester von Hans-Joachim Kühl. Der Kaufmann war der Inhaber der Gaststätte Morgenstern. „Mein Großvater hat die Gaststätte 1888 erworben. Der Raum mit dem Bierkönig gehörte damals zur Gaststube dazu.“

Professor Dr. Ulrich Schulte-Wülwer ging auf die Historie ein. Demnach war es seinerzeit üblich, Bierkönige als Werbung zu platzieren, was eine Plakatsammlung mit diversen Bierkönigen belegte. Carl Ludwig Jessen habe seinem Verwandten sicherlich einen Gefallen getan. Der Bierkönig hat Ähnlichkeit mit christlichen Figuren im Werk Jessens; ein Jesus kommt dem Bierkönig jedenfalls sehr nah. Lars Brunk war von dem neuen Standort ebenfalls angetan. „Hier passt er hin“, sagte er. Erinnerungen an die frühe Kindheit mit Blick auf den Bierkönig wollten sich nicht einstellen. Aber Brunk kann nun, wie andere auch, dem Bierkönig zukünftig im Andersen Hus huldigen. Und natürlich gab es am Festtag nur Bier. Allerdings kein Kulmbacher, wie es der Bierkönig verspricht.

 

 

 

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