Wegen geringer Aufklärungsrate : Bienenklau: Südtonderns Imker rüsten auf

Bruno Schönleins Bienen bei der Arbeit.
Bruno Schönleins Bienen bei der Arbeit.

Diebstähle von Bienenkästen verursachen regelmäßig finanzielle Schäden. Die Imker wollen Bienenstöcke jetzt mit GPS-Sendern schützen.

shz.de von
17. Mai 2015, 15:00 Uhr

Niebüll | Bienendiebe lassen Südtonderns Imker keine Ruhe: Nachdem Unbekannte im vergangenen Jahr in Humptrup bereits 18 Stöcke und damit rund eine halbe Millionen Honigbienen mitgehen ließen, melden die Imker auch in diesem Jahr die ersten Diebstähle. Jetzt wollen sich die Insektenfreunde wehren und ihre Bienenstöcke mit Peilsendern und Fotofallen schützen.

„Das Klauen ist etwas ganz widerliches“, sagt Bruno Schönlein. „Auch weil die Aufklärungsrate bisher so gering ist.“ Der Unternehmer ist Mitglied des Nordfriesischen Imkervereins Niebüll und will seine Mitstreiter jetzt von der Aufrüstung ihrer Bienenkästen überzeugen. Als Mittel der Abschreckung gegen die Bienendiebe setzt der 62-Jährige nun auf GPS-Sender, die er in seinen Bienenstöcken anbringen will. „Ein Gerät kostet etwa 40 Euro“, sagt Schönlein und zeigt sein etwa Zigarettenschachtel großen Signalgeber, den er sich problemlos im Internet bestellt hat. Der Plan: Versuchen die Kriminellen die etwa eineinhalb Meter hohen Kästen von ihren Stellplätzen zu wuchten, schlägt das kleine Gerät Alarm und sendet seinen seinen aktuellen Standort direkt auf das Handy des Imkers. „Wir wollen den Tätern damit die Arbeit deutlich erschweren.“

Noch vor zehn Jahren hätten die Bienenkästen überall stehen können – niemand habe sich dafür interessiert, erinnert sich Bruno Schönlein. Nachdem sich aber die ersten Diebstähle in der Szene herumsprachen, gingen viele Imker dazu über, die Holzeinsätze und Bienenstöcke mit Brandzeichen zu versehen. „Auch ist es heute für die meisten Imker normal, dass sie ihre Kästen im Raps verstecken oder dicht an Häusern oder Ställen aufbauen“, bestätigt Brigitte Gilde-Jessen, Vorsitzende des Imkervereins Leck und Umgebung. „Man ist heute sensibilisiert und und eigentlich ständig auf der Hut.“ Genutzt haben die Strategien offenbar nicht: Immer wieder beklagen Imker zwischen Aventoft und Leck den Verlust ihrer Bienenstöcke. Erst kürzlich seien auch einem befreundeten Imker aus Esgrus im Nachbarkreis Schleswig-Flensburg fünf Bienenvölker gestohlen worden, weiß Bruno Schönlein.

Bei den Bienendieben handelt es mutmaßlich ebenfalls um Profis. In der Regel stehlen sie nur die ertragreichen Bienenstöcke und lassen die Bienenvölker ohne Honig zurück. Für die geschädigten Imker ist der Verlust der Insekten und des Materials immer schmerzlich – auch finanziell. Im vergangenen Jahr blieben die Bienenfreunde in Humptrup auf einem Verlust von etwa 10  000 Euro sitzen.

Die Initiative aus Niebüll kommt nicht zufällig im Mai: Pünktlich zur Rapsblüte sind die Imker in der Region jetzt wieder schwer beschäftigt. Besonders in dieser Zeit steigt damit die Angst um die eigenen Bienenvölker. Bruno Schönlein wirbt deshalb jetzt für seine Idee: „Erst war ich auch skeptisch, was die technische Seite anging. Aber die Installation ist wirklich einfach“, verspricht er 62-Jährige. Entsprechend könnten sich Interessierte Kollegen gerne bei ihm melden – „Ich helfe gerne.“ Brigitte Gilde Jessen aus Leck ist von der technischen Aufrüstung schon jetzt überzeugt: „Wir werden unseren 63 Mitgliedern die Idee nahelegen und hoffen, dass dann wieder etwas mehr Ruhe einkehrt.“

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