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Eine Million Bienen verschwunden : Bienen-Klau ist kein Einzelfall

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Die Polizei ermittelt nach dem Diebstahl von 18 Bienenstöcken bei Braderup. Imker warnen vor professionellen Wiederholungstätern.

shz.de von
erstellt am 15.Mai.2014 | 05:00 Uhr

Humptrup | „Einer der Täter muss Imker gewesen sein“, vermutet Stefan Carstensen, „die Völker ohne Honig hat er zurückgelassen“. Der 26-Jährige war der erste, der am Montagabend den Diebstahl von 18 Bienenstöcken in der Nähe von Braderup bemerkte. Erst vor drei Wochen hatten Carstensen und drei weitere Hobbyimker ihre Bienenvölker samt Brutkisten zwischen blühenden Rapsfeldern, nicht weit vom Ortseingang, aufgestellt. Nun sind die Insekten und ihre Behausungen spurlos verschwunden: Zwischen Sonnabend 17 Uhr und Sonntag 18 Uhr müssen mehrere Täter die eineinhalb Meter hohen Kästen in einem Transporter weggeschafft haben. Der finanzielle Schaden beläuft sich auf rund 10.000 Euro. Zusätzlich müssen sich die Hobbyimker mit dem Verlust ihrer Honigernte abfinden: „Ein Bienenstock bringt normalerweise rund 40 Kilo Honig“, weiß Heiko Rasmussen, der ebenfalls zu den Bestohlenen gehört. „Es macht mich wütend, dass wir unsere Kunden jetzt vertrösten müssen.“ Die acht verbliebenen Bienenstöcke haben die Männer jetzt an einen sicheren Ort gebracht.

Für die Beteiligten steht fest, dass es sich bei den Dieben nur um Wiederholungstäter mit Fachwissen handeln kann: „Es ist nicht das erste Mal, dass in der Region Bienenstöcke gestohlen werden“, erinnert sich die Vorsitzende des Imkervereins Leck und Umgebung, Brigitte Gilde-Jessen. Erst im vergangenen Jahr seien in Süderlügum mehrere Bienenstöcke spurlos verschwunden. Damit nicht genug: „Auch in Dänemark gab es in dem Zeitraum einige Bienendiebstähle“, so Gilde-Jessen. Handelt es sich also um eine grenzüberschreitende Serie? In der Polizeidirektion Flensburg hält man sich mit Spekulationen zurück: „Wir wissen bisher nur von dem Fall in Süderlügum“, sagt Polizeisprecher Matthias Glamann.

Während die Behörden noch nach den Honigdieben von Braderup suchen, haben die Bestohlenen wenig Hoffnung, dass sie ihre rund eine Million Bienen wieder zurückbekommen. „Der Dieb muss die Bienenstöcke ja nicht bis Mecklenburg-Vorpommern transportieren, um sie dort unerkannt einsetzen zu können – da reicht auch schon ein Feld bei Flensburg“, sagt Brigitte Gilde-Jessen. Ein System, um Bienenvölker zweifelsfrei zuordnen zu können gebe es zwar nicht, „doch manche Imker markieren ihre Bienenstöcke“, weiß Heiko Rasmussen. Einige seiner Bienenkörbe tragen den Schriftzug „Bulls“.

Der Bienenklau hat nicht nur finanzielle Einbußen für die Imker zufolge – auch die Natur verliert: „Gerade auf Feldern wo nur eine Frucht wie zum Beispiel Raps angebaut wird, haben Bienen einen positiven Nutzen“, sagt Ingo Ludwichowski, Vorsitzender des Naturschutzbundes Schleswig-Holstein. Dass aber Bienen allein für die Bestäubung sorgen würden, sei ein verbreiteter Irrglaube. „Es gibt viele andere Insekten, die dies auch tun.“

Unterm Strich bleibt für die bestohlenen Hobbyimker ein Totalschaden. Erst ab Juli können sie neue Bienenvölker erwerben und dann mit ihrer Arbeit von Vorne beginnen. Was bleibt ist Ärger: „Ich hoffe, dass sie die Diebe irgendwann schnappen“, sagt Stefan Carstensen.

Zeugen und Hinweisgeber melden sich unter 04662/891260 bei der Polizei in Leck.

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