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Ausstellung in Niebüll : Bibliothek zeigt Reisebilder von Oskar Kokoschka

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Werke machen Station in der Stadtbücherei Niebüll. Ausstellung wird am Sonnabend eröffnet.

In der Niebüller Stadtbücherei sind ab Sonnabend, 22. Juli, Werke des österreichischen Malers, Grafikers, Bildhauers und Schriftstellers Oskar Kokoschka (1886-1980) zu sehen. Die Ausstellung in der Stadtbücherei umfasst Druckgrafiken aus der Sammlung und Kunststiftung Spielmann-Hoppe aus den Jahren 1946 bis 1975. Seit den 20er-Jahren unternahm der Welt-Künstler ausgedehnte Reisen durch Europa, Nordafrika und Kleinasien, die ihn zu zahlreichen Landschaftsbildern inspirierten. Die Reiseskizzen führen die Betrachter nach Süditalien, Griechenland, Marokko, Tunesien, London, New York, aber auch nach Hamburg und Berlin. Der Kurator der Stadtbücherei, Thomas Gädeke, betont: „Es ist großartig, den großen Klassiker der Moderne in die kleine Stadtbücherei zu bekommen. Eine enorme Sache, die wir uns nicht hätten träumen lassen, gleichzeitig eine Anerkennung unserer Arbeit, denn diese Ausstellung hätte jedem größerem oder bekannterem Haus Ehre gemacht. Wir freuen uns darauf, uns von Kokoschkas unruhigem Geist und Weltläufigkeit anstecken zu lassen.“

Ermöglicht hat die Ausstellung Prof. Dr. Heinz Spielmann mit seiner Stiftung. Der frühere Leiter der Modernen Abteilung am Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg und Direktor der Landesmuseen Schloss Gottorf war eng mit Kokoschka befreundet. Der Kunsthistoriker hat für den Künstlergiganten 15 bis 20 Ausstellungen realisiert, ein Standardwerk, Briefe und Schriftverkehr sowie viele Kataloge herausgegeben. Zudem baute Spielmann in Hamburg und später in Schleswig Sammlungen mit rund 200 Kokoschka-Werken auf. Sein Ansatz war es immer, Kunst auch in die Dörfer, auf das Land zu bringen. Heinz Spielmann sagt zur Niebüller Schau: „Kokoschkas Darstellungsmodus erscheint in seinen Reise-Lithografien malerisch und großzügig; der ausgedehnte Blick, der sich über das schmale Sehfeld hinaus weitet, war dem Zeichner ebenso wichtig, wie der Himmel, der die Szenerie überspannt. In diesen Lithografien machte er sich Erfahrungen seiner gemalten Reisebilder zu Nutze.“

Bereits in einem Brief an einen Jugendfreund träumte der 21-jährige Oskar Kokoschka 1907 vom Reisen – diesen Traum erfüllte er sich 1908. Ergänzt werden die Städte- und Landschaftsdarstellungen um einige Stillleben und Porträts. Der Künstler gilt als einer der bedeutendsten Vertreter des Expressionismus und der Wiener Moderne. Besonders in den 50er und 60er Jahren reüssierte er durch seine ausdrucksstarken Porträts. Ohne Rücksicht auf Schönheit oder mimetische Ähnlichkeit des Dargestellten gelang Kokoschka eine psychologische Durchdringung der jeweiligen Person. Berühmt wurde vor allem sein Auftragsporträt von Konrad Adenauer (1966). Seine lange Lebenszeit führte ihn durch die Stürme der Zeit. Er stellte 1909 das erste Mal aus, überlebte den Ersten Weltkrieg, hatte eine Professur in Dresden inne. Kokoschka galt als „Hitlers Kunstfeind Nummer 1“, flüchtete nach England, um nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs 1955 an der ersten „Documenta“ teilzunehmen.

Die Vernissage findet am Sonnabend, 22. Juli, 11.30 Uhr, in der Niebüller Stadtbücherei statt. Der Eintritt ist frei. Zur Einführung spricht Prof. Dr. Heinz Spielmann.

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