zur Navigation springen

Amtsgericht Niebüll : Beweislage im Miramar-Prozess viel zu dürftig

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Verfahren in Sachen Brandstiftung gegen Ex-Angestellten des Sylter Hotels eingestellt. 27-Jähriger gesteht Wein-Diebstahl.

shz.de von
erstellt am 15.Nov.2017 | 07:29 Uhr

Niebüll/Westerland | Der Prozess um die Brandstiftung im Hotel Miramar in Westerland am 1. Mai 2015 ist am Dienstag in Niebüll viel früher zu Ende gegangen als ursprünglich gedacht. Das Verfahren gegen einen früheren Angestellten der Fünf-Sterne-Herberge wurde  eingestellt. Der Vorsitzende des Schöffengerichts, Christoph Salamon, erklärte, eine Verurteilung sei nach  Stand der Dinge nicht wahrscheinlich.

Damit bleibt der Vorfall in dem Hotel am Abend des Maifeiertags 2015 ungeahndet. Dort war kurz vor 22 Uhr zunächst in einem Technikraum im Keller ein Feuer ausgebrochen. Später brannte es auch noch in einem Dienstraum im vierten Stock. Menschen waren damals nicht verletzt worden – das Hotel musste jedoch  in der Nacht geräumt werden. 103 Gäste wurden  auf andere Häuser verteilt.

Knapp eineinhalb Jahre zuvor, an Silvester 2013, hatte  es im Miramar schon einmal gebrannt. Auch damals gingen die Ermittler von Brandstiftung aus, ein Täter wurde nicht ermittelt.

Die Beweislage gegen den Angeklagten im  jetzigen Verfahren war mehr als dürftig, von einem möglichen Motiv war bis dato nicht die Rede. Im Grunde gab es nur Indizien.  Und deren Netz sei „nicht dicht genug“, wie es der Richter  zusammenfasste. Ein Überwachungsvideo etwa zeigte zwar den Angeklagten kurz vor Ausbruch des Brandes in der Nähe der Kellertür – allerdings nur, wenn man unterstellt, dass die Uhr der Kamera damals eine Stunde nachging. Zumindest gingen die Ermittler davon aus. Warum, konnte auch ein Sylter Kripobeamter nicht erklären, der am Dienstag  etwa zwei Stunden lang vom Gericht befragt wurde.

Die Verteidigung  wollte schon beim Prozessauftakt am vergangenen Mittwoch das eine oder andere Versäumnis bei den polizeilichen Ermittlungen erkannt haben. Genauso war es jetzt bei der Befragung des Polizisten aus Westerland. Der erinnerte sich zwar vergleichsweise gut an die Ermittlungen vor zwei Jahren, doch musste er sich von den Anwälten des Angeklagten viele unbequeme Fragen gefallen lassen.

So wurde offenbar nie genau ermittelt, wer in dem Hotel sich einen der insgesamt 26 Schlüssel für den Technikraum hätte aneignen können. Eine Überprüfung sämtlicher Schlüssel fand erst gut drei Monate nach dem Brand statt. Auch ob eine zweite Tür, die in den Raum führt, in dem der erste Brand ausbrach, vorschriftsmäßig verschlossen war, wurde von der Polizei wohl nie überprüft.  Zumindest fand das Gericht dazu keine Hinweise in den Ermittlungsunterlagen.

Selbst der Staatsanwalt musste einräumen, dass sich mit der Aussage des Kripobeamten hinsichtlich der Schlüssel „nicht wirklich etwas anfangen“ lasse.

Verurteilt wurde der 27-Jährige allerdings wegen Diebstahls. Er erhielt eine Freiheitsstrafe von neun Monaten, die für zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wurde. Das  Geständnis des Mannes in diesem Anklagepunkt war Teil eines Deals, also einer Absprache zwischen den Prozessbeteiligten. Die Verteidigerin des Angeklagten verlas das kurze und knappe Geständnis. Demnach  gab er zu,   aus dem Keller des Hotels zwei  Sechs-Liter-Flaschen Petrus  gestohlen und an einen Weinhändler verkauft zu haben. Der Wein gehörte einem prominenten Hotelgast aus Frankfurt. Hotelier Nicolas Kreis, der  am ersten Prozesstag  in der vergangenen Woche als Zeuge ausgesagt hatte, hatte ihn vor mehr als zehn Jahren für den wohlhabenden Banker beschafft. Der edle Tropfen aus dem südwestfranzösischen Weinbaugebiet Pomerol gilt als einer der teuersten Weine der Welt. Der Angeklagte hatte beim Weiterverkauf der beiden großvolumigen, sogenannten Imperiale-Flaschen zusammen 18000 Euro erlöst.

Eingestellt wurde zudem das Verfahren wegen  Diebstahls eines Louis-Vuitton-Armreifes, das der frühere Angestellte laut Anklage einem Miramar-Gast gestohlen haben sollte.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen