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Nordfriesland Tageblatt

23. August 2017 | 03:09 Uhr

Bewegte Schulgeschichte

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

In der Gemeinde Tinningstedt gibt es drei ehemalige Schulgebäude, die heute als Wohnhäuser genutzt werden

Drei gut erhaltene Schulgebäude, aber keine eigene Schule mehr: So stellt sich die Situation in der kleinen Geestgemeinde Tinningstedt dar. Denn seit dem 31. Juli 1972 besuchen ihre Grundschüler die Nachbarschule in Klixbüll, die älteren Mädchen und Jungen die weiterführenden Schulen in Leck und Niebüll. Seit mindestens 1799, somit also mehr als 200 Jahre hindurch, existierte vor Ort eine eigene, einklassig betriebene Dorfschule, deren bewegte Geschichte der (1994 verstorbene) Dorfchronist Carl Enewaldsen im „Jahrbuch für die Schleswigsche Geest, Jahrgang 1975“, mit wissenschaftlicher Akribie festgehalten hat.

Zur Zeit der Einkoppelung der Feldmark war die Schule in Tinningstedt der „District- und Küsterschule Karlum“ als Nebenschule zugeordnet. Als solche zählte sie zu den wenigen Ausnahmen, die dem Plan des Schulreformers Adler bis zum Jahre 1837 entkamen, in eine eigenständige Districtschule umgewandelt zu werden. Die Schulaufsicht oblag dem örtlich zuständigen Pastor, die Pflicht zu Visitationen in Abständen von drei Jahren dem Propst und dem Amtmann.

Das erste Schulhaus – noch heute das älteste Gebäude des Dorfes – war eine strohgedeckte, vor 1810 erbaute Kate von zirka zehn Metern Länge, 6,40 Metern Breite und 3,10 Metern Deckenhöhe. Wegen der Enge des Raumes musste der Lehrer vor seinen 60 Schülerinnen und Schülern das Klassenzimmer betreten, um sein Pult erreichen zu können. Auch nach einer baulichen Erweiterung im Jahre 1837 kam man 1859 nicht mehr umhin, unweit der Kate ein neues Schulhaus mit größerem Klassenraum und einer etwas komfortableren Lehrerwohnung zu erstellen. Es wurde 1907 noch ausgebaut. Im Jahre 1892 waren 39 Schulkinder verzeichnet, nachdem es drei Jahre zuvor noch 61 gewesen waren. Enewaldsen sieht darin ein Indiz für die Folgen ansteckender Krankheiten.

An dem zweiten Schulhaus hatte dessen Nutzer zuletzt wenig Freude. In den 1930-er Jahren häuften sich die Klagen über Feuchtigkeit und Holzschwamm auf den Fußböden. Eine Kommission aus Schleswig überprüfte 1938 den Zustand des Gebäudes und empfahl anschließend die Errichtung eines Neubaus. Der 1939 begonnene Bau kam wegen militärischer Dienstverpflichtung vieler Fachkräfte am „Westwall“ nur schleppend voran. Dennoch konnte am 12. August desselben Jahres Richtfest gefeiert werden. Die Kreisbildstelle spendierte ein Schmalfilmgerät, der Wohlfahrts- und Schulverein Flensburg Werkzeuge für die Verarbeitung von Pappe und Holz. Die Schulbücherei wurde auf 452 Bände aufgestockt. Der Krieg bewirkte zahlreiche Lehrerwechsel. In der frühen Nachkriegszeit konnte zeitweise der Unterricht nur nachmittags stattfinden, erteilt von der Karlumer Lehrerin Lieselotte Fuchs. Ihr folgten Hans Heitmann (1948 – 1956), Helmut Dallmeyer (1956 – 1965), Lehrer Lippoldis (1966) und schließlich Jörg Kamke (ab 1. April 1967).

Im Zuge der politisch gewollten Bildung größerer Dörfergemeinschaftsschulen wurde die Schule im Juli 1972 geschlossen. Seitdem dient das zu einem Dorfgemeinschaftshaus (DGH) umgerüstete Gebäude der Pflege des Tinningstedter Dorflebens als Stätte von Vereins- und Verbandsfesten, Sitzungsraum der Gemeindeverwaltung und Heimstätte des Ringreitervereins Tinningstedt wie auch der örtlichen Freiwilligen Feuerwehr. „Wir können dankbar sein, dass wir die Schule Tinningstedt als kleine Ausbildungsstätte so lange in unserem Dorfe haben unterhalten können und dass wir hier Lehrer hatten, die das Mitleben im Dorfe recht verstanden haben. Denn ihr Wirken konnte sich zum Wohle der Menschen unserer Gemeinde ausbreiten“, so beendet Carl Enewaldsen seinen geschichtlichen Rückblick.

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erstellt am 24.Okt.2013 | 00:31 Uhr

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