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Arbeitskreis Wirtschaftsförderung : Betriebe der Niebüller City haben einige Sorgen

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Zu viel Verkehr, langsames Internet und Verlust von Fachgeschäften: Abend zur Wirtschaftsförderung zeigt Handlungsbedarf.

shz.de von
erstellt am 11.Okt.2017 | 16:37 Uhr

Niebüll | Was brauchen die innerstädtischen Geschäfte und Betriebe in Niebüll, um sich zukunftsfähig aufstellen zu können? Und welche Probleme stehen dem im Wege? Um diese Fragen geht es bei dem Treffen, zu dem der Arbeitskreis Wirtschaftsförderung Vertreter von Betrieben von Deezbüll bis zum Gewerbegebiet Nord in die Räume der VR-Bank eingeladen hat. „Wir möchten von Ihnen hören, wo der Schuh drückt“, sagt Peter Schumann, Vertreter der Stadt Niebüll in dem Arbeitskreis, der im vergangenen Jahr auch eine groß angelegte Unternehmensbefragung in ganz Niebüll abgewickelt hat.

Einige Probleme nennt bereits Udo Schmäschke, Bauamtschef von Südtondern, in seinen Erläuterungen zum Status Quo der Stadtentwicklung. „Der Verkehr wird in der Innenstadt zunehmend als belastend empfunden“, sagt Schmäschke. Aus gutem Grund: Niebülls Verkehrskonzept stammt aus dem Jahr 1980, seitdem sei die Zahl der Autos enorm, die der Parkplätze aber nur geringfügig gewachsen. Besonders starke Belastungen gebe es in der Uhlebüller Straße, der Marktstraße und im Osterweg – besonders im Berufsverkehr. Spitzenreiter mit täglich bis zu 12  000 Fahrzeugen sei die Bäderstraße. Die Tatsache, dass Niebüll auch künftig weiter wachsen werde, verschärfe dieses Problem. „Es fehlt auch an sicheren Radwegsverbindungen, zudem ist die Anbindung der östlichen Stadtteile an die Innenstadt ein ungelöstes Problem“, sagt Udo Schmäschke.

In der Stadt fehle es – laut Umfrage und auch nach den Wortbeiträgen der anwesenden Geschäftsinhaber – an Parkplätzen, zudem an ansprechenden Übernachtungsmöglichkeiten und weiteren Restaurants. Großer Handlungsbedarf wird auch mit Blick auf die Qualität des Internets gesehen.

Ein mehrfach geäußerter Wunsch des Abends: mehr Fach-Einzelhandel in der Innenstadt. Dazu die Klage darüber, dass immer mehr eingesessene Geschhäfte Schwierigkeiten hätten, einen Nachfolger zu finden, wenn die Inhaber in den Ruhestand gehen. „Dadurch verliert Niebüll jedes Jahr mehrere Fachgeschäfte“, wurde beklagt. „Für die Lösung dieses Problems muss es externe Unterstützung geben“, regt Prof. Dr. Anja Wollesen von der Fachhochschule Westküste und ebenfalls Mitglied des Arbeitskreises an, die nochmal die wichtigsten Ergebnisse der Umfrage vorstellt. Demnach seien die Unternehmen in den Gewerbegebieten unzufriedener als die in der Innenstadt – besonders was die überregionale Verkehrsanbindung und die Übernachtungsmöglichkeiten betrifft.

Letztgenannter Punkt könnte sich auch dadurch verbessern, dass das touristische Potenzial, das in Niebüll schlummert, besser gehoben wird. „In anderen Bundesländern wollen mir viele nicht glauben, was diese Stadt mit 10000 Einwohnern alles bietet, dass sie einen Bahnhof hat und vor allem eine so charmante Innenstadt, wo fast in familiärer Atmosphäre durch viele kleine Fachgeschäfte gestöbert werden kann“, sagt Anja Wollesen, die selbst seit 15 Jahren in Niebüll lebt. Doch das Pfund der attraktiven kleinen City muss laut der Tourismusexpertin klarer und intensiver nach außen getragen werden.

 „Wenn Gäste nicht wissen, was es hier alles gibt und wo die Geschäfte sind, können sie auch nicht kommen“, betont Wollesen. Schon allein mit Blick auf den boomenden Tourismusort Dagebüll, der seine Übernachtungszahl in kurzer Zeit verdoppeln konnte, gehe so einiges an Wertschöpfung verloren. Ihr Vorschlag von Wegweisern zu den Geschäften trifft auf große Zustimmung.

Die Aufwertung der Rathausstraße bis zum Bahnhof nennt Udo Schmäschke als weitere städtebauliche Herausforderung. Andere Schwerpunkte seien die Erweiterung des Gewerbegebiets Ost und dessen Anschluss an die Gather Landstraße sowie die Querung der Gather Landstraße in Höhe des Bahnhofs. Bezahlbarer Wohnraum ist ein weiteres wichtiges Thema für die Niebüller Betriebe – besonders mit Blick auf den sich verschärfenden Fachkräftemangel.

Fazit eines langen Diskussionsabends: Die große Mehrheit der Niebüller Innenstadt-Betriebe ist sehr zufrieden, dennoch gibt es für einige Themen dringenden Handlungsbedarf. Dieser ist vom Arbeitskreis notiert und wird nun an die Verwaltung weiter geleitet. Doch diese dürfte bei der Unternehmensnachfolge nur bedingt helfen können. Dazu sagt ein Teilnehmer zum Schluss: „Jedes Geschäft schätzt man erst dann richtig, wenn es nicht mehr da ist.“ 

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