Konzert im Leck-Huus. : Berauschende Gitarrenklänge

Wie im Wohnzimmer: Alexander Kilian (li.) und Jan Pascal begeistern im Leck-Huus.
Wie im Wohnzimmer: Alexander Kilian (li.) und Jan Pascal begeistern im Leck-Huus.

Alexander Kilian und Jan Pascal – besser bekannt als Café del Mundo – verzaubern mit ihrer Musik das Leck-Huus.

shz.de von
08. Juni 2018, 07:12 Uhr

Leck | Auf der ganzen Welt füllt Café del Mundo Säle mit bis zu 500 Zuhörern. Im Leck-Huus sind es ein paar weniger an diesem Konzertabend, auch wenn die Hütte voll ist: Jan Pascal und Alexander Kilian überzeugen mit ihrem Spiel auf den Flamenco-Gitarren. Ihr handwerkliches Können, gepaart mit einem bunten Strauß von Emotionen entfacht Stürme der Begeisterung.

Vor fast drei Jahren spielte das Gitarren-Duo zum ersten Mal im alten Geesthardenhof. Ein wenig verspätet hatten sie ihr Equipment auf der Scheunenbühne aufbauen können. „Deshalb kommen wir jetzt zum Nachsitzen“, entschuldigt sich Jan Pascal noch einmal. Artig dankt er für den „warmen Empfang“. Überhaupt sei es wundervoll in Leck und in diesem Hause, ganz bezaubernd, versichert der Künstler. Man nimmt es ihm ab, schließlich ist das Duo aus Baden-Württemberg schon einen Tag zuvor angereist. Und noch eines freut die Zuhörer und ehrenamtlichen Helfer: „Im Ausland beneiden uns viele Leute um die ganzen Kulturvereine, die uns solche Auftritte wie im Kleinod Leck-Huus ermöglichen.“

Seit elf Jahren touren Jan Pascal und Alexander Kilian durch die Welt, im vorigen Jahr haben sie 150 Länder „abgearbeitet“. Die Nähe zum Publikum wie an diesem Abend schätzen die beiden preisgekrönten Ausnahmekünstler besonders und bauen mit ihrer Musik eine Brücke. Ihre Musikrichtung passt in keine Schublade, Pascal und Kilian bedienen jedes Genre von Klassik über Folklore und Jazz bis hin zum Pop. Sie mischen und fügen zusammen. „Das ist Bewegung, es gibt keine Trennlinie“, erklärt das Duo und bezeichnet sich selbst als Volksmusiker: „Wir bedienen uns an den Wurzeln der europäischen Musik vom Orient bis zum Okzident.“

Eigenkompositionen und gecoverte Songs lösen sich ab, letzteren drücken sie ihren Stempel auf. So haben sie beispielsweise die Tango-Ballade „Schenk mir noch einen letzten Sonntag“ aus dem Polen der 1920er Jahre überarbeitet, auch der argentinische Tango „Libertango“ von Astor Piazzolla gehört dazu und „La vida breve“ von Manuel de Falla. Lieder aus der Toscana und Arabien stehen ebenso auf der Playlist wie das brasilianische Stück „Kleiner Vogel friss nicht den Maismehl-Kuchen“ oder die selbst zu Papier gebrachte Salsa „Villajoyosa“.

Jan Pascal und Alexander Kilian faszinieren: Ihre Finger gleiten mit scheinbarer Leichtigkeit über die Gitarrensaiten. Bei rasanten und komplizierten Läufen wird einem nur vom Zuschauen schwindelig. „Sagenhaft, einfach super! Das ist wirklich Kunst“, sagen Arne Linde und andere Zuhörer. Alle sparen nicht mit Lob, schmettern Bravorufe, pfeifen anerkennend und klatschen Beifall. Das wiederum kommentiert Jan Pascal als ganz gefährlich: „Wir haben zwölf Zugaben dabei – allerdings arrangiert in einem Stück.“ Das Publikum quittiert mit Standing Ovations. „Wenn Ihr steht, dann setzen wir uns wieder hin“, nehmen die Musiker nun auf der Bühnenkante Platz und spielen unplugged in der Scheune wie in einem Wohnzimmer.

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