Beinahe-Kollision mit Zug: 900 Euro Geldstrafe

logo-b nft amtsgericht 6-2014

shz.de von
13. Mai 2015, 13:28 Uhr

Fahrlässige Gefährdung des Bahn- und Schienenverkehrs – so lautete die Anklage gegen eine 31-Jährige am Mittwoch im Niebüller Amtsgericht. Gegenstand der Verhandlung war ein Vorfall im September 2014, der böse hätte ausgehen können – wenn ein Lokführer nicht blitzschnell reagiert hätte. Laut Anklageschrift fuhr die Südtonderanerin am 9. September gegen 7.30 Uhr mit ihrem Auto trotz geschlossener Halbschranke auf den Bahnübergang „Betonstraße“ zwischen Aventoft und Süderlügum. Der Fahrer eines herannahenden Zuges musste eine Notbremsung einleiten. An der Schranke entstand ein Sachschaden von 3500 Euro.

Die tiefstehende Sonne habe geblendet, zudem sei die Straße nass gewesen: Sie sei auf dem Weg von der Arbeit und allein im Auto gewesen, habe weder Rotlicht noch die geschlossene Schranke gesehen, berichtete die Mutter zweier Kinder vor Gericht. Auch den Zug und die warnenden Pfeifftonsignale habe sie nicht wahrgenommen. Sie habe weder Alkohol getrunken noch sei sie übermüdet gewesen, versicherte die Angeklagte der Richterin. „Ich fahre die Strecke häufiger – ich habe es einfach nicht realisiert und mich für einen Moment am Straßenrand orientiert.“

Auch der Lokführer schilderte als Zeuge seine Sicht der Dinge: Er sei in der Frühschicht aus Richtung Tondern gekommen, im Zug hätten sich keine Fahrgäste befunden. Auf der Straße habe er vor dem Bahnübergang „Betonstraße“ einen silbernen Pkw bemerkt, der „zügig, mit mindestens 80 oder 90 Stundenkilometern“ unterwegs gewesen sei. „Den habe ich im Auge behalten – als sich der Pkw nicht merklich verzögerte, habe ich eine Schnellbremsung eingeleitet“, berichtete der 47-Jährige. Das Auto sei etwa fünf Meter vor dem stehenden Zug durch die Schranke geschossen. Es habe sich um Sekundenbruchteile gehandelt, je nach Geschwindigkeit brauche ein Zug 400 bis 500 Meter, bis er zum Stehen komme: „Das Auto hätte den Aufprall nicht überlebt. Der Zug hätte die Fahrerseite getroffen.“

Er habe nach der Beinahe-Kollision unter Schock gestanden und mehrere Tage nicht arbeiten können, zumal dies schon der zweite Vorfall an jenem Bahnübergang gewesen sei. „Wenn ich zu diesem Bahnübergang komme, ist die Hand immer noch verkrampft“, so der Lokführer. „Es tut mir alles so leid“, sagte die Angeklagte unter Tränen. Das nahm ihr die Richterin ab und wertete positiv, dass sich die 31-Jährige sofort nach dem Unfall bei dem Lokführer bedankt und sich entschuldigt hatte. Auch habe die Angeklagte aktuell keine Eintragungen im Verkehrszentralregister und sich umgehend darum gekümmert, dass der Schaden an der Schranke reguliert wurde.

In Abstimmung mit der Staatsanwaltschaft entschied sich die Richterin dafür, das Verfahren einzustellen – gegen Auflage einer Geldstrafe von 900 Euro. „Ausnahmsweise und mit sehr viel gutem Willen, vor dem Hintergrund, dass das kein Kavaliersdelikt ist und dem Schaden, der hätte entstehen können. Aber das Gericht geht davon aus, dass Sie ordentlich beeindruckt sind“, schloss die Richterin. Das Geld soll den „Freunden der Notfallrettung Südtondern“ zugute kommen.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen