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Serie: Bürgermeister Südtonderns : „Bei uns findet der demographische Wandel nicht statt“

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

In einer Serie stellen wir alle 30 Gemeinden Südtonderns vor: Heute mit dem Achtruper Bürgermeister Uwe Matthiesen.

shz.de von
erstellt am 23.Okt.2017 | 11:05 Uhr

Achtrup | In einer Interviewserie mit den 30 Bürgermeistern des Amtes Südtondern sollen die Gemeinden vorgestellt werden, ihre Besonderheiten hervorgehoben und erklärt werden, was dringend auf den Weg gebracht werden muss. Heute erzählt uns Uwe Matthiesen, der seit vier Jahren Bürgermeister der Gemeinde Achtrup ist, was die knapp 1600 Einwohner Gemeinde zu einem attraktiven Wohnort macht.

Herr Matthiesen, was macht ihre Gemeinde so besonders? Warum sollte jeder nach Achtrup ziehen?

Naja also unsere Gemeinde hat das Glück, die Nähe zu Leck zu haben. Wir haben eine Krippe, einen Kindergarten und eine Grundschule. Die Krippe ist von 7 bis 17 Uhr geöffnet, was sehr gut angenommen wird, wir haben sogar eine Warteliste. Mit unserem kleinen Shop, Tanken und mehr, ist die Grundversorgung im Dorf gesichert. Wir haben eine kleine Seniorenwohnanlage. Wir haben reichlich Gewerbe. Besonders ist der Bürgerbus Ladelund, der sechs mal am Tag hin und her fährt. Sehr gut für unsere älteren Bürger. Meine Mutter kann so mit ihren 83 Jahren nach Leck zum Einkaufen fahren. Wir haben 20 aktive Vereine. 17 Grundstücke werden demnächst erschlossen, für die schon 20 Leute auf der Warteliste stehen. Und dann gibt es noch unseren Dorfverschönerungsverein, der, wie man sieht, wenn man aus Leck kommend nach Achtrup reinkommt, tolle Arbeit geleistet hat, aber leider mittlerweile doch ein wenig überaltert ist und kaum Nachwuchs hat.

Das ist eine lange Liste, wie sieht es mit einer Liste der Verbesserungsvorschläge aus? Was muss unbedingt verändert oder auf den Weg gebracht werden?

Wir sind schon auf dem Weg, unseren Kindergarten und die Krippe zu erweitern. Der Beschluss ist gefasst und wir investieren 1,2 Millionen Euro in den Anbau. Seit vier Jahren will ich einen Bauhof bauen und ich kämpfe darum, dass unser TSV ein Vereinsheim bekommt, das zusätzlich an das Funktionsgebäude angebaut werden soll. Nun hat die Kita erstmal Priorität, aber dennoch soll das vorangetrieben werden. Wir haben einen Arbeitskreis gebildet, dem ich vorsitze. Das ist mein Baby, das würde ich zu gern bis Mai nächsten Jahres so weit anschieben, dass man da schon was sehen kann. Ein Wunsch wäre auch die Umgestaltung des Schulhofes. Wir haben einen Dorfentwicklungskonzept zusammen mit Sprakebüll. Da haben wir grünes Licht, außerdem Zuschüsse von der Aktiv Region. Dieses Konzept wollen wir nun mit Leben füllen. Und an unsere Straßen müssen wir ran.

Warteliste bei der Krippe, vom demographischen Wandel kann man in Achtrup also nicht reden? Wie ist die Altersstruktur und gibt es genügend Angebote und Möglichkeiten für die jeweiligen Altersgruppen?

Ich würde denken, dass das ziemlich ausgeglichen ist. Wir haben zum Beispiel unser Bebauungsgebiet Ahornsweg, da haben sich überwiegend junge Leute angesiedelt, aber auch ein paar ältere, die haben ihr großes Haus verkauft und sich dafür ein Seniorengerechtes gebaut. Aber überwiegend junge Familien, zugezogen und einheimisch. Bemerkenswert ist auch, dass hier nie etwas lange leer steht. Ältere Immobilien werden immer schnell verkauft. Es wäre aber schön, wenn sich die Zugezogenen besser integrieren würden. Wir machen jährlich ein Sommerfest, aber auch das ist doch recht schwach besucht, wenn man sich die Größe des Dorfes anschaut. Also es kommen immer die Gleichen, die Urachtruper. Die Neuen, die man eigentlich gerade ansprechen will, die sind weniger da. Die Angebote sind schon da. Ein sehr aktiver Sportverein und zwei Feuerwehren Achtrup und Lütjenhorn. Die Jugendfeuerwehr hat einen tollen Zulauf, aber bei der Freiwilligen Feuerwehr muss man schon auch mal werben. Frauenkreis, DRK und SoVD sind auch ganz rührig. Und wir sind sehr froh, dass wir noch unseren Landgasthof haben.

Seit vier Jahren sind sie jetzt Bürgermeister. Gibt es einen Moment oder eine Situation, an die sie denken: Darum bin ich Bürgermeister geworden?

Da fällt mir unser Friedhof ein. Wir sind da ja Exoten und haben einen kommunalen Friedhof, die meisten sind ja kirchlich, aber Leck und Achtrup haben kommunale. Den haben wir umgekrempelt. Da sind jetzt alle Varianten möglich zum Beispiel Baumbestattung mit Stehle und neue Wege, alles, was zu alt und zu groß war, kam weg. Wir haben die Friedhofssatzung ändern müssen. Außerdem freue ich mich riesig, dass wir es nochmal hinbekommen haben, ein Bebauungsgebiet genehmigt zu bekommen. Ja und dann sind da die Menschen. Ich bin bürgernah und schnacke gerne mit den Leuten und packe mit an – das macht mir Spaß und das lebe ich. Ich bin ja gelernter Handwerker und kein Verwaltungsmensch.

Das hört sich doch alles sehr positiv an, nun aber mal in die andere Richtung gedacht: Was nervt Sie an der Kommunalpolitik am meisten?

Ein Punkt, über den ich mich total ärgern kann: Ich finde, dass ein Dorf, was Entwicklungsmöglichkeiten hat, sich auch entwickeln dürfen muss. Wenn ich einen Handwerker habe, der sich hier niederlassen will, zum Beispiel einen Resthof kaufen, um dort seine Gerätschaften unter zu stellen, dass einem da die Entfaltungsmöglichkeiten als Gemeinde nicht gegeben sind, weil der Landesentwicklungsplan das nicht zulässt, das finde ich sehr schade. Genauso mit dem Bauen. Es kostet ja auch Geld ein Baugebiet zu erschließen, und das macht man ja auch nur, wenn man meint, das ist positiv für uns. Da sollte man der Gemeinde ein bisschen freiere Hand geben. Gewerbe ist das gleiche. Da wir kein Zentralort sind, darf sich hier laut Landesentwicklungsplan kein Gewerbe ansiedeln.

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