Bauer sucht Cloud

App im Stall: Torge Christiansen im Abkalbebereich. Sein Smartphone verrät ihm den Stichtag
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App im Stall: Torge Christiansen im Abkalbebereich. Sein Smartphone verrät ihm den Stichtag

Von wegen Landliebe-Idylle: Immer mehr Bauern verwalten ihren Hof digital. Ein Besuch bei Junglandwirt Torge Christiansen

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16. Juli 2015, 13:22 Uhr

Zettelwirtschaft war gestern. Als moderner Landwirt managt Torge Christiansen (19) seine Milchviehherde und seine Flächen über das Smartphone. Im Sommer 2014 beendete Christiansen erfolgreich seine landwirtschaftliche Lehre und verbringt seitdem das einjährige Praxisjahr auf dem heimatlichen Betrieb in Kalleshave, einem Ortsteil von Achtrup. Den Hof möchte er nach dem Besuch der Landwirtschaftsschule und der Höheren Landbauschule in Bredstedt in ein paar Jahren von Vater Johann-Peter übernehmen. „Als ich letztes Jahr nach Hause auf den Betrieb kam, versuchte ich zunächst mir alles auf Papier zu notieren. Das endete in einer riesigen Zettelwirtschaft“, verrät der 19-Jährige.

Wie gerufen kam im damaligen Moment das Angebot, eine digitale Variante zu testen. Seit einem knappen Jahr ist er nun Anwender der „QMilch“-App. Hinter dem ungewöhnlichen Namen verbirgt sich ist eine Herdenmanagement-Software, die Torge Christiansen bei der Planung und Dokumentation des Milchviehbetriebes unterstützt. Als moderner Junglandwirt trägt er sein Handy immer am Mann. Eine Arbeitserleichterung im wahrsten Sinne des Wortes: „Ich hab in dem kleinen Ding so viel wie in drei Ordnern“, stellt er schmunzelnd fest.

Die App bietet dem Anwender unzählige Verknüpfungen, die beim Managen einer Kuhherde erforderlich sind. Es folgt ein abstrakter Erklärungsversuch in die komplexe Welt der Schnittstellen dieser App: Angenommen, Christiansens Milchviehherde wäre eine Gemeinde, dann wäre die Verknüpfung zur „Tier-Datenbank“ vergleichbar mit dem Einwohnermeldeamt dieser Gemeinde. Die „Deckliste“ stelle eine Art Singlebörse dar, in der der passende Bulle auf die jeweilige Kuh warte. Die „TU-Schnittstelle“ (Trächtigkeitsuntersuchung) zeige dem Landwirt den letzten „Schwangerschaftsbefund“ vom Arzt an, und sogar der letzte „Klauenpflege-Besuch“ beziehungsweise „Pediküre-Termin“ wäre genauestens mit Datum vermerkt. Die Schnittstelle zur „Meierei“ sei vergleichbar mit einer Art „Feedback über den Job“, wie effektiv hinsichtlich Qualität und Quantität gearbeitet wurde.

Durch das tägliche Anwenden und Synchronisieren der App behält Bauer Christiansen stets den Überblick, was in „seiner Gemeinde“ vorgeht. Doch er beobachtet sie auch genau. Durch die Kombination aus einem geschulten Auge und den vom Smartphone erstellten To-Do-Listen gelingt es ihm, auf jedes Tier und dessen Bedürfnisse individuell einzugehen.

Doch was, wenn das smarte Telefon mal verloren geht? „Wenn ich mein Handy verliere, sind alle Daten gesichert. Da kann nichts passieren“, verrät der Junglandwirt. „Alle Daten liegen in Aukrug auf dem Server des Anbieters.“ Dieses System ist vergleichbar mit dem, was im neudeutschen Volksmund als sogenannte Cloud bezeichnet wird. Torge Christiansen ist auf jeden Fall vom Big-Data-Virus infiziert und von der Technologie überzeugt. Derzeit testet er schon die nächste Erweiterung des Programms. Dieses Mal die „Feld“-Option für die Dokumentation der Ländereien. Somit wird er in Zukunft auch noch seine Ackerschlagkartei in der Tasche und seinem Traum von einem papierlosen Büro wieder einen Schritt näher sein.

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