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Nordfriesland Tageblatt

23. August 2017 | 03:09 Uhr

Klassik : Barocke Perlen in der Christuskirche

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Das Ensemble „Il Suono“ zu Gast in Niebüll / Musiker und Sängerin überzeugten mit einer unterhaltsamen Auswahl barocker und moderner Werke

Das Ensemble „Il Suono“, bestehend aus Frøya Gildberg (Sopran), Nóra Kiszty (Blockflöte), Felix Stockmar (Barock-Violoncello) und Dörthe Landmesser (Cembalo) gastierte am frühen Abend des vergangenen Freitags in der Niebüller Christuskirche mit einem als „vergnüglich“ angekündigten Barockkonzert. Wie sich herausstellte, hatten die drei Instrumentalisten und ihre Sängerin damit keineswegs zu viel versprochen, denn dank ihrer Auswahl überwiegend launiger Kompositionen, ihrer lockeren, aber dennoch sehr informativen Moderation ihres Programms und durch ihre hochvirtuose Art zu musizieren gelang es ihnen, ihre Zuhörer so zu begeistern und zu erheitern, dass diese am Ende beschwingt den Heimweg antraten. Die Programmfolge ließ erkennen, wo das Quartett einen besonderen Schwerpunkt seines Konzertierens sieht: in der Interpretation von Werken aus der Zeit des Früh- und Hochbarocks.

Als der für die Musik im Gotteshaus verantwortliche Kirchenmusiker hieß Volker Scheibe die Musikerinnen, den Musiker sowie das Publikum willkommen und wünschte letzterem viel Genuss beim Hören der interpretierten Werke. Von diesen erklang als erstes die aus je zwei Rezitativen und Arien bestehende Kantate für Sopran, Blockflöte und Bass: „Lungi dal vago Volto (RV 680“ von Antonio Vivaldi. Sie erzählte eine anrührende Liebesgeschichte aus dem Schäfermilieu, deren Ausgang offen blieb. Frøya Gildberg verstand es, die Handlung mit ihrer klaren, kräftigen Stimme und deutlicher Aussprache wiederzugeben. Der Cellist und die Cembalistin sorgten mit ihrem Basso continuo für rhythmischen und harmonischen Halt, während die Blockflöte mit der Vokalistin gemeinsam „sang“ und in zum Teil atemberaubendem Tempo für lautmalerisches Beiwerk sorgte, zum Beispiel das Gezwitscher der Vögel imitierte. Es folgte in gleicher Besetzung eine Arie aus der Oper „I gloriosi“ von Attilio Ariosti. Mit der gekonnten Interpretation von Variationen über eine von John Dowland komponierte Gagliarda zeigte Dörthe Landmesser per Cembalo italienischer Bauart ihr reifes solistisches Können auf. Mit der unmittelbar ins Ohr gehenden Arie „Oh wer kann die Liebe sagen“ von Georg Philipp Telemann“ lieferte das Ensemble den Beweis, dass auch langsame Musik durchaus heiter sein und zum Tanzen anregen kann.

Bei der fantastischen Komposition „La Notte“ (Die Nacht) von Antonio Vivaldi nutzten Nora Kiszty und Felix Stockmar die Gelegenheit, ihr hervorragendes spieltechnisches Können – bei Sätzen von langsamem, aber auch rasantem Tempo – überzeugend zu demonstrieren. Es folgte ein englischer Block in Gestalt dreier Trost spendender Kompositionen von Henry Purcell: „Music for a while“, „Sweeter than roses“ und „If music be the food of love“. Dramatisch ging es zu bei der Wiedergabe einer von Adam Krieger vertonten, der griechischen Mythologie entnommenen Liebesgeschichte, die mit dem Wunsch endet, jedermann möge „ein recht erfreulich` Liebesscherzen“ vergönnt sein.

Als verblüffende Ergänzung des Programms fügte das Ensemble die Komposition „My rising spirits“ von Stephen Storace ein, glich diese doch auffallend tongetreu einer Arie aus der „Zauberflöte“ von Wolfgang Amadeus Mozart. Als belustigenden Abschluss des regulären Konzertes musizierte das Quartett die niederdeutsche Arie von Georg Philipp Telemann: „Ha, ha! Wo willt wi hüt noch danzen?“ Die gebürtige Norwegerin Frøya Gildberg „op Platt“ singen zu hören, hatte schon seinen besonderen Reiz. Der lautstarke und lange anhaltende Schlussapplaus der rundum begeisterten Zuhörer bewog das Ensemble „Il Suono“, noch mit einer Zugabe aufzuwarten.

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erstellt am 28.Sep.2015 | 05:00 Uhr

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