Barfuß tanzt das Publikum

Trotzten der Hitze und gaben ein fabelhaftes Konzert: die Bandless Bastards von Sylt.
Trotzten der Hitze und gaben ein fabelhaftes Konzert: die Bandless Bastards von Sylt.

Bandless Bastards begeistern im Charlottenhof / Band spielt sich bei heißen Temperaturen schweißnass

shz.de von
26. Juli 2018, 17:10 Uhr

Zum zweiten Mal gaben sich die „Bandless Bastards“ von der Insel Sylt die Ehre, im Charlottenhof Sommerprogramm aufzutreten. Ihr Gebiet ist der „erdige Rock“ gemischt mit Soul sowie Rhythm and Blues. Der Besuch war aufgrund der Hitze etwas mau; die gekommenen Zuschauer ließen sich davon aber nicht beeindrucken, sondern versammelten sich vor der Bühne, um für richtig Stimmung zu sorgen.

Die Vortänzerinnen warfen ihre Schuhe in die Ecke und ab ging die Post. Mit Titeln wie „Crossroads“ (Cream) oder „Fortunate Son“ (Creedence Clearwater Revival) traf die Band ins Herz des Publikums, das gleich mitswingte oder die Beine und Arme zappeln ließ. Selbstverliebte Einzeltänzer drehten sich im Kreise oder düsten an der Bühnenkante entlang. Ja, es gibt immer etwas zu schauen, wenn die Musik dazu Zeit lässt.

„Schwitz, schwitz, schwitz!“ rief Sänger Arno Kraft als Motto des Abends in den Saal und bekam gleich darauf vom fixen Charlottenhof-Service die kalten Handtücher gereicht. „Eine gute Idee“, freute sich der Frontmann. „Wir nennen uns gleich um in die „Die Spüler“. Mit ihren Küchenhandtüchern um den Hals sah die Truppe aus wie ein lustiges Hilfskommando einer Kochshow. Doch das Mittel gegen die Hitze half tatsächlich.

Das Tempo erhöhte sich mit „Ghost of Tom Joad“ von Bruce Springsteen; hier durfte auch Gitarrist Ron Glauth die Stimme erheben, während Daniel Jäger wie ein Teufel die Sologitarre bearbeitete. „Der kann was“, hieß es kennerisch im weiblichen Publikum, „der hat alles im Griff!“ Die Finger des Musikers rasten das Griffbrett rauf und runter, zwischendurch galt es noch, den Sound per Fußkick umzustellen.

Für Herren mittleren Alters kein Problem. Das galt auch für die fortgesetzte Tanzshow vor der Bühne. Zackig wurden die Tanzschrittchen gesetzt, mit den Armen gerudert, wie kurz vor dem Ertrinken. Welch ein Glück, dass genügend Platz war. Die Damen ließen sich von dem Balz animieren und legten ihrerseits erheblich an temperamentvollen Bewegungen zu. Natürlich immer frontal zur Bühne, denn hier gab es mit „Yellow Moon“ (Neville Brothers) den nächsten Klassiker. Stefan Petersen ließ den Bass laufen, der kreolische Einschlag des Songs kam gut rüber. Sehr passend, denn draußen ging gerade der Vollmond über Klanxbüll auf.

Hard Rock à la „Wheels“ (Foo Figthers) gab den sportlichen Gästen einen weiteren Kick, mittlerweile war die Tanzfläche fast so schweißnass wie die Gäste und Musiker. Den Barfuß-Tänzerinnen war das egal, denn die Pause nahte und die kühle Abendluft durfte hereinströmen. Doch zuvor ackerten sich die Bandless Bastards mit „After Midnight“ (Eric Clapton) oder „Paint it Black“ (Rolling Stones) mitreißend durch die Musikgeschichte.

Die frisch gekühlten Küchentücher wanderten mittlerweile auf den Kopf oder aber zurück in den bereitgestellten Eiskühler. Nach der Erholung präsentierte Arno Kraft mit Tochter Susanne eine begabte Sängerin. „Wähl die 1“ (Annett Louisan) vom Album „Teilzeithippie“ interpretierte sie mit dem Papa wunderbar. Dieser Song ist eindeutig tanzbar, hat auch zehn Jahre nach dem Erscheinen keinen Staub angesetzt. Das kann man auch über Schlagzeuger Finn Tiedjen sagen, der im wahrsten Sinne des Wortes die Sticks fliegen ließ. Ron Glauth zückte derweil die Western-Gitarre, der volle Sound kam gut herüber.

Bei dem Soulklassiker „Mustang Sally“ durfte das Publikum endlich seine vielgerühmte Sangeskraft entfalten. Wettbewerbe wie „Männer gegen Frauen“ oder „linke Saalseite gegen die rechte Hälfte“ wurden diesmal ausgeschlossen, so dass es einheitlich „Ride, Sally ride“ durch die ehemalige Scheune dröhnte. Das Lied „Steamy Windows“ (Tina Turner) erzählt von erotischen Abenteuern auf der Rückbank im Auto, durch die Hitze der Körper sind die Scheiben beschlagen. Die Charlottenhof-Gäste hätten am Konzertabend wahrscheinlich ganze Schaufensterscheiben undurchsichtig gemacht. Glücklicherweise hatte die Crew ein Einsehen und öffnete die Scheunentür. Wie im Vorjahr gab es mit „So einfach ist das“ (Stoppok) und „Sympathy for the Devil“ (Rolling Stones) noch einmal Steilvorlagen zum Tanzen und Mitsingen. Das ruhige „I shall be released“ (Bob Dylan) entließ alle Besucher in die herrliche Mondnacht. Ein fabelhaftes Konzert, das die Stärke der „Bandless Bastards“ zeigt: authentisch, gut abgestimmt, voller Enthusiasmus.

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