Neue Band zu Gast : Baltic Sea Childs Westküstenpremiere

Kai Wingenfelder (Fury in the Slaughterhouse) stellte gemeinsam mit Lars Jensen (Tears for Beers) sein neuestes Projekt Baltic Sea Child vor

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09. Dezember 2014, 05:00 Uhr

Irische Folklore in zeitgemäßer Interpretation gab es zum Ausklang des zweiten Advents am Sonntagabend im Charlottenhof: Kai Wingenfelder (Fury in the Slaughterhouse) stellte gemeinsam mit Lars Jensen (Tears for Beers) sein neuestes Projekt Baltic Sea Child vor.

Ein Selbstgänger, denn was die Gruppe in klassischer Folkbesetzung (Gitarre, Drums, Akkordeon, Banjo, Geige, Bass) bietet, hat Qualität und setzt neue Akzente. Mal fetzig, rau und herzlich, mal balladesk und romantisch. Dem Publikum gefiel es, den wilden Furymann so gezähmt zu erleben. Wenngleich die rasanten irischen Tanzadaptionen auch mittels Banjo und Geige die Südtonderaner zum Zappeln brachten. „Ist ja schon viel, wenn der Friese den kleinen Zeh bewegt!“, kommentierte Kai Wingenfelder launig. Die Zusammenarbeit erläuterte der Frontmann ebenfalls. Lars Jensen, der mit seiner Folkband Tears for Beers seit zwanzig Jahre durch den Norden tourt, auch als Support von den Hooters oder Torfrock diente, wollte bei Kai Wingenfelder im Studio ein Solo-Akustik-Album aufnehmen. Doch das Projekt kam nicht auf die Füße. Und als Wingenfelder heimlich mal die Songs ausprobiert hatte, sagte er trocken zu Lars Jensen: „Lass uns ein Irish Folk Album aufzunehmen.“

Eine alte Herzensangelegenheit von Wingenfelder, da er in den Anfangszeiten von Fury mit der wüsten Punk-Folk-Truppe Pogues unterwegs gewesen war. „Immer, wenn wir Zeit hatten, probten wir zusammen im letzten halben Jahr mit befreundeten Musikern unter anderem von Tears for Beers“, so Lars Jensen. Neue Songs kamen hinzu, mit einem „Hauch von Fury“. Es klang tatsächlich ein wenig „moderner“ als der gute, alte Irish Folk, verbreitete im Charlottenhof von Beginn an gute Laune. „Rocket Man“ von Elton John mal ganz anders, eigene Stücke und zum Schluss im wilden Esels-Galopp das „Donkey Riding“. Man merkte die kurze Probenzeit den Musikern nicht an; es war schließlich erst das zweite Konzert auf der Dorfkrug-Tour. Brillant vor allem Lars Jensen am Banjo; hervorragend die die Geigerin Gesche Clasen; die nebenbei als Bürgermeisterin von Haby amtiert. Ihren Amtsbonus musste sie nicht einsetzen, die Zuschauer waren am Ende begeistert.

Auch der Band gefiel es gut beim allerersten Westküsten-Konzert – und sie sind gefragt. „Wacken ist gebucht!“, verriet Kai Wingenfelder nicht ohne Stolz.

 

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