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Nordfriesland Tageblatt

23. Oktober 2017 | 17:39 Uhr

Kultur : Balladenkunst im Gotteshaus

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Ob dämonisch, dramatisch oder heldenhaft – die Freunde der St. Laurentius-Kirche organisierten einen literarischen Benefizabend in der Kirche. Die Veranstaltung war gut besucht.

von
erstellt am 21.Okt.2013 | 07:45 Uhr

Auf dem Programm stand ein Balladenabend, der die Zuhörer am Ende überzeugte. Und organisiert wurde er im Gotteshaus von dem Karlumer Verein der Freunde der St. Laurentius-Kirche. Für diese besondere Benefizveranstaltung hatten sich Hans-Jürgen Wagner als Rezitator und Dirk Jacobsen als Gitarrist ohne Gage zur Verfügung gestellt.

Trotz extrem unfreundlichen Herbstwetters waren erfreulich viele Gäste erschienen, die von der Vorsitzenden Dr. Karin Tuxhorn, freundlich willkommen geheißen und sodann in das Wesen und die Geschichte der Ballade eingeführt wurden. Auch erfuhren sie etwas über die Besonderheiten der Gitarre als Nachfolgerin der griechischen, einer Laier ähnlichen „Kithara“ und deren Verwendung in der Antike. Wie sie ausführte, sei die Ballade schon im 12. Jahrhundert als Tanzlied vorgetragen worden, wobei der Tänzer sie zumeist selbst gesungen habe. Im Verlaufe der Jahrhunderte habe sich die Ballade zu einer sich ständig wandelnden Kunstform weiterentwickelt und bis heute erhalten. Die Inhalte der – mit oder ohne musikalische Begleitung – erzählten Geschichten seien oftmals dramatisch, heldenhaft, dämonisch-spukhaft oder tragisch, immer jedoch extrem ungewöhnlich gewesen. Erst im 19. und 20. Jahrhundert wurden neben den heroischen Geschichten auch alltägliche Aspekte und menschliche Grundempfindlichkeiten thematisiert. „Am Ende entwickelte sich eine groteske Form, die eine Satire auf das Bildungsbürgertum darstellt und dieses Leben attackiert. Heutzutage findet die Ballade sogar auf dem Gebiet der Popmusik häufige Anwendung“, so Karin Tuxhorn.

Anders als die Begleiter des Gesanges einstiger Interpreten von Balladen und Bänkelliedern verzichtete Dirk Jacobsen darauf, die von Hans-Jürgen Wagner ausgewählten und meisterlich interpretierten Balladen unmittelbar zu begleiten. Vielmehr beschränkte er sich darauf, sie auf seiner elektrisch verstärkten akustischen Gitarre durch fantasievolle Improvisationen quasi zu kommentieren, wobei er sein sensibles Einfühlungsvermögen, seinen melodischen Ideenreichtum und sein spieltechnisches Können effektvoll zum Ausdruck brachte. Häufig wirkten seine Beiträge wie „Lieder ohne Worte“. „Bei Ihrem Gitarrenspiel habe ich mehrmals richtiggehend eine Gänsehaut bekommen,“ ließ eine begeisterte Zuhörerin Dirk Jacobsen in der Konzertpause wissen.

Dem Rezitator merkte man seine eigene Freude an den von ihm jeweils zunächst erläuterten und dann bei gedimmter Beleuchtung engagiert vorgetragenen Balladen aus allen geschichtlichen Epochen deutlich an, so dass der berühmte „Funke“ von Anfang an von ihm auf sein Publikum übersprang. „Ab 1770 entstanden die ersten Kunstballaden,“ ließ er seine Zuhörer wissen. Die fruchtbarste Zeit deutscher Balladendichtung sei vermutlich die Ära gewesen, in der Goethe und Schiller ihre Werke veröffentlichten. Aus diesen wählte er aus: „Die Teilung der Erde“, verfasst von Friedrich Schiller, und Goethes Opus „Der Gott und die Bajadere“. Aus der Zeit der Romantik, die sich gerne mit mittelalterlichen Themen befasste und in der sich der aufkommende Unmut der Bürger gegen die Feudalherrschaft abzeichnete, trug er stimmgewaltig „Des Sängers Fluch“ von Ludwig Uhland vor. Nach einer der acht „Schottischen Balladen“ von Theodor Fontane durchstreiften Wagner und Jacobsen alle literarischen Epochen bis zur Gegenwart mit jeweils typischen Balladen. Der Rezitator steuerte auch mit viel Leidenschaft seine persönliche Lieblingsballade bei: die traumhafte „Mär vom Ritter Manuel“ von Agnes Giebel. Den Dank und Beifall des spürbar beeindruckten Publikums fasste Karin Tuxhorn abschließend in Worte.

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