Silvester : Aus Königen werden Sternsinger

Sternsinger sind an den kommenden Tagen unterwegs.
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Sternsinger sind an den kommenden Tagen unterwegs.

Am 6. Januar ziehen auch einige Sternensinger durch Südtondern – um mit ihrem Gesang Menschen in Not zu helfen.

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30. Dezember 2017, 18:42 Uhr

Südtondern | Für viele Kinder ist es vor allem ein großer Spaß, als König verkleidet singend von Haustür zu Haustür zu ziehen, um Gaben für Menschen in Not und auch Naschereien für sich selbst zu sammeln. Doch hinter diesem Brauch, der in Zeiten zunehmender Besinnung auf Werte wie Solidarität und Hilfsbereitschaft auch im Norden Nordfrieslands an Bedeutung gewinnt und gelebt wird (siehe Infokasten), steht eine uralte Geschichte oder Legende: Ein glänzender Stern weist laut der Weihnachtsgeschichte im Matthäus-Evangelium den drei Weisen aus dem Morgenland den Weg nach Bethlehem, um dort das neugeborene Jesuskind zu sehen. Dadurch wird die göttliche Herrlichkeit für die Welt sichtbar, daher wird am 6. Januar das Fest der Erscheinung – griechisch Epiphanias – gefeiert. Mit dem Dreikönigstag endet auch der Reigen der weihnachtlichen Festtage.

Der Name Caspar stammt aus dem Persischen und bedeutet Schatzmeister. Balthasar wird aus dem Hebräischen abgeleitet und heißt wörtlich „Gott will helfen“ oder „Gott schütze sein Leben“. Auch Melchior stammt aus dem Hebräischen und bedeutet „König des Lichts“. Caspar, Melchior und Balthasar brachten dem Kind in der Krippe Gold als das Geschenk der Könige, Weihrauch als Gabe für Gott und Myrrhe als Geschenk für den Mensch gewordenen Gott. Alle drei sollen laut alter Überlieferungen ihr Leben danach dem Missionieren gewidmet haben. Apostel Thomas soll die Könige zu Bischöfen geweiht haben. Alle drei sollen kurz hintereinander gestorben und gemeinsam beigesetzt worden sein.

Auf die drei Weisen geht der Sternsinger-Brauch zurück, der in jüngster Vergangenheit nicht nur in katholisch geprägten Landstrichen, sondern auch im Norden immer beliebter wird. Heute sind es vor allem Kinder, die in den ersten Januartagen als Heilige Könige mit Kronen, verkleidet und singend von Tür zu Tür ziehen, um Äpfel, Nüsse, Gebäck oder im Namen ihrer Kirchengemeinden Geldspenden für gute Zwecke zu sammeln. Dieser Brauch geht zurück bis ins 16. Jahrhundert. Damals waren es vor allem Handwerker und Tagelöhner, die im Winter keine Arbeit hatten und daher wochenlang zwischen Weihnachten und Maria Lichtmess am 2. Februar unterwegs waren, um Gaben zu sammeln. Hinzu kamen dann Schüler von Eltern, die sich das Schulgeld nicht leisten konnten.

In der Mitte des 20. Jahrhunderts wurde der Sternensinger-Brauch wieder belebt, vor allem in den katholischen Gemeinden in Deutschland, Österreich und der Schweiz. In vielen ländlichen Gegenden werden die Sternsinger bis heute sehnlichst erwartet, am 6. Januar brennen ihnen zu Ehren an vielen Tannenbäumen nochmal die Kerzen, findet die Weihnachtszeit einen festlichen Ausklang. Werden die Weisen für Gesang und Spiel mit Gaben belohnt, zeichnen sie die Formel „C+M+B“ auf den Türbalken des Hauses. Diese stehen für die Namen Caspar, Melchior und Balthasar sowie für den Wunsch „Christus mansionem benedicat“ - Christus segne dieses Haus.

Warum feiern wir sechs Tage vor dem Dreikönigstag eigentlich Silvester? Dieser Tag hat einen realen Namensgeber – den heilige Papst Silvester, der am 31. Dezember 335 in Rom verstarb. Während seines Pontifikats wurde im Jahr 325 das Christentum als römische Staatsreligion anerkannt. Dennoch fand die Kirche seinen Todestag nicht als besonders wichtig, denn das Kirchenjahr beginnt nicht mit dem Kalenderjahr, sondern mit dem 1. Advent. Silvester und Neujahr sind bis heute weltliche Feste geblieben.

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