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Nordfriesland Tageblatt

18. August 2017 | 01:26 Uhr

HI-Virus : Aus dem Alltag verdrängt

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Zum Welt-Aids-Tag am 1. Dezember organisiert die Regionalgruppe Nordfriesland „Jugend gegen Aids“ eine Berliner-Verkaufsaktion

„Unsere Generation ist nicht so aufgeklärt, wie man gemeinhin annimmt“, sagt Daniel Nagel. Der 23-Jährige aus dem Kreis Steinburg ist ehrenamtlich agierender Vorsitzender des als gemeinnützig anerkannten Vereins „Jugend gegen Aids“ (www.jugend-gegen-aids.de). Ihren Sitz hat die selbstständige Organisation, die sich seit ihrer Gründung 2009 dem Zweck Aufklärungsarbeit zu HIV/AIDS und sexueller Vielfalt verschrieben hat, in Hamburg. Hier begann 2008 alles mit dem Verkauf der bekannten roten Aids-Schleifen. Daraus entwickelt hat sich der Verein „Jugend gegen Aids“, der ausschließlich von Jugendlichen geführt und verwaltet wird. 500 Mitglieder gehören ihm an. „Aber wir mobilisieren mehr als 8000 junge Menschen im gesamten Bundesgebiet – an 250 Schulen und in vier Hochschulen“, erklärt Daniel Nagel. Der Verein leistet Präventionsarbeit. „Und zwar von Jugendlichen überall dort, wo junge Leute sind.“ Wie wichtig das ist, zeigt eine Besorgnis erregende Entwicklung. „Aids steht nicht mehr im Fokus, ist nicht mehr so präsent, wie noch vor einigen Jahren“, bedauert Daniel Nagel. „Verhütung ist häufig kein Thema mehr.“ Jugendliche könnten – trotz der vielen Informationen im Internet – mit dem Thema kaum etwas anfangen, setzen bei der Verhütung auf die Pille. „Aids? Das betrifft doch die Anderen, aber niemals mich!“, laute die weitläufige Überzeugung. Ein Irrtum.

Abhilfe sollen dreistündige Workshops an den Schulen schaffen, in denen in achten und neunten Klassen die Themen Sex und Gesundheit aufgegriffen und Fragen beantwortet werden. „Dort, wo das Thema nicht mehr so peinlich ist“, ergänzt Nagel. Geleitet werden sie von Mitgliedern – also Gleichaltrigen, den sogenannten „Peers“. Sie wurden zuvor in Grundlagen-Seminaren von Ärzten ausgebildet und auch in Rhetorik geschult.

Schirmherr von „Jugend gegen Aids“ ist Frank-Walter Steinmeier. In der Vorstandsarbeit wird Daniel Nagel von seinem Stellvertreter Marvin Nusseck sowie von Marlon Jost unterstützt. Das weitere Team besteht aus Jugendlichen im gesamten Bundesgebiet. Sie sind in Regionalgruppen, verteilt auf 30 deutsche Städte, organisiert und für unterschiedliche Aktionen, wie das Verteilen von Kondomen, zuständig.

Für Nordfriesland ist Juliane Nissen aus Niebüll (auch Schulsprecherin des Friedrich-Paulsen-Gymnasiums) die Regionalgruppensprecherin. Mit Tanja Freudenberg-Hansen und der Niebüller Backstube hat sie für ihr Projekt zum Welt-Aids-Tag am 1. Dezember eine wichtige Unterstützerin gewinnen können. In den 18 Filialen der Niebüller Backstube zwischen Sylt, Harrislee und Friedrichstadt hängen nicht nur Plakate aus und sind Sammeldosen zu finden. „Spendendosen aufstellen? Das war mir zu wenig“, sagt Geschäftsführerin Tanja Freudenberg-Hansen. In Zusammenarbeit mit Initiatorin Juliane Nissen überlegte sie, mit welchem Produkt für die gute Sache geworben werden könnte. „Es ist Berlinerzeit.“ Und so entstand die Idee, einen eigenen Berliner zu kreieren, den es ansonsten nicht im Sortiment der Backstube gibt. „Er hat eine Erdbeer-Apfel-Füllung mit Vanille, ist mit einer pinkfarbenen Zuckerglasur übergossen – und hat einen Namen: Eva.“ Der Bezug zu ihrem Gefährten Adam liegt auf der Hand. Den Berliner – einige Exemplare tragen das Logo „Jugend gegen Aids“ – gibt es von jetzt an zwei Wochen lang in allen Filialen. Von jedem verkauften Gebäck spendet die Niebüller Backstube 30 Cent. Geld, das den regionalen Projekten sowie der Ausbildung neuer „Peers“ zugute kommt. „Aids geht uns alle an“, sagt Tanja Freudenberg-Hansen. „Aufklärung ist für Jugendliche enorm wichtig, und daher unterstütze ich die Arbeit des Vereins und bin für die Aktion gerne zu haben. Wir müssen die Menschen anstupsen und auf das Thema aufmerksam machen.“

Juliane Nissen und ihre derzeit 14-köpfige Regionalgruppe freuen sich über die Unterstützung. Die Niebüllerin hofft auf eine gute Resonanz aus der Bevölkerung, viele Spender und sieht in der Aktion auch ein Zeichen an die Betroffenen: „Wir sind da, und wir stehen zu den Menschen.“ Die Aktionswochen enden am 5. Dezember mit einem Infostand in der Lecker Diskothek „Töff“.


50 Millionen Menschen wurden laut UNO und WHO bis heute weltweit mit dem HI-Virus infiziert, mehr als 16 Millionen sind gestorben.

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erstellt am 23.Nov.2015 | 19:16 Uhr

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