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Bürgermeister Rüdiger Skule Langbehn : Aus Amt wird Stadt: Vision von einer „Stadt Südtondern“

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Aus Amt mach’ Stadt – dieses Gedankenspiel bringt Lecks Bürgermeister Rüdiger Skule Langbehn in die Debatte um Gemeindefusionen ein

Gemeindefusionen – darüber kommen immer wieder kontroverse Debatten auf. Zuletzt im November, als ein Gesetzentwurf von SPD, Grünen und SSW im Landtag zur Diskussion gestellt wurde: Das Innenministerium solle zwangsweise Verwaltungsfusionen von Kommunen anordnen dürfen, wofür es reichlich Gegenwind gab. Lecks Bürgermeister Rüdiger Skule Langbehn spricht sich dafür aus, Veränderungen selbst zu gestalten – und nicht zu kleckern, sondern zu klotzen. Sein Vorschlag: Aus dem mit fast 40.000 Einwohnern größten Amt in Schleswig-Holstein könnte eine „Stadt Südtondern“ werden.

„Wir haben 2008 ein großes Amt gegründet und uns darauf verständigt, Synergien zu nutzen. Lasst uns aus diesem Amt eine Stadt entwickeln“, sagt Langbehn. Das gehe natürlich nicht von heute auf morgen, „Vision 2030“ nennt er deshalb seine Gedankenspiele zu einer selbstbestimmten Fusion, die gleich alle 30 Kommunen im Amtsbereich umfassen würde. „Wir müssen die Region gemeinsam entwickeln. Das wäre eine einmalige Chance für uns alle“, ist die Überzeugung von Lecks Gemeindechef.

Die Vorteile liegen für ihn auf der Hand. „Wir hätten bessere Chancen, mit dem Land und dem Kreis zu verhandeln, wenn es um Themen wie die Infrastruktur der B5 geht.“ Auch bei der Ansiedlung von Gewerbe könne eine 40.000-Einwohner-Stadt ganz anders auftreten. Zudem sieht Langbehn „Ausgaben, die wir nicht mehr hätten“, zum Beispiel für mehrere Schulverbände. „Es gäbe nur noch einen Schulverband Südtondern. Und wir könnten es uns sparen, 30 Haushalte vorzulegen.“

Der Bürgermeister des zweitgrößten Ortes im Amt Südtondern sieht vor allem in der Fläche und damit in kleineren Gemeinden „das Problem der vielen Ks: keine Schule, kein Kindergarten, kein Kaufmann, keine Kirche.“ Früher habe man mit einem 30-Hektar-Bauernhof überleben können, mehrere Generationen lebten unter einem Dach. Doch diese Höfe seien heute nicht mehr da, die Kinder gingen weg, Älteren bliebe häufig nichts anderes übrig, als in die Unter- oder gar Oberzentren zu ziehen.

Zudem werde die Schere zwischen Arm und Reich immer größer. Mit den Flüchtlingen kämen Menschen dazu, „die gar nichts haben, deren Kinder beschult werden müssen“. Die gesellschaftliche Veränderung werde weitergehen. „Und wir müssen jetzt darüber nachdenken, die Veränderungen mitzugestalten – nicht erst, wenn es zu spät ist.“

Weg vom Kirchturmdenken und davon, in 30 Gemeinden 30 eigene Süppchen zu kochen – das ist Langbehns Ansatz. Die Windkraft biete das große Glück, Kapital anzuhäufen – jede Gemeinde versuche, ein Stück vom Kuchen abzukommen. „Aber wir wollen auch vom Tourismus profitieren. In einem Zusammenschluss als Stadt könnte Windkraftanlagen nur dort stehen, wo es effizient ist – und das erwirtschaftete Kapital solidarisch verteilt werden, auch auf die Einwohner der jetzt kleinen Gemeinden.“

Ein Haushalt, ein Etat – Finanzen und Beratungen würden Langbehn zufolge gebündelt und auch bislang Schwächere mitgenommen, es gäbe einen Oberbürgermeister/eine Oberbürgermeisterin sowie eine Stadtversammlung mit Stimmgewichtung je nach Größe der Stadtteile, zentrale Orte und Ortsbeiräte könne es geben. „Eine Verwaltungsebene ist dann übrig – wir müssen darüber nachdenken, welche.“

Ziel sei es, eine gemeinsame Entscheidungsebene zu schaffen: „Es soll nichts weggenommen, sondern nur besser verteilt werden. Und auch die Entwicklung der Fläche ist Solidarität.“ Apropos Fläche: Mit knapp 600 Quadratkilometern hätte die „Stadt Südtondern“ jede Menge davon, auch viel unbebaute. Langbehn zieht als Beispiel die Stadt Fehmarn heran, die 2003 durch die Fusion aller damaligen Gemeinden der Insel gebildet wurde: „Das hat auch funktioniert.“

In einer Stadt könnte dem Bürgermeister zufolge jeder seinen Beitrag zur Gesamtstruktur leisten, Einrichtungen wie Schulen, Feuerwehr und Büchereien sichern. „Die Frage ist jetzt: Gehen wir so einen Weg als 40.000-Einwohner-Stadt? Gebe ich meine Selbstständigkeit auf?“ Er sei sich bewusst, dass alle 30 Gemeinden des Amtes mit ins Boot geholt werden müssten, um diese Idee weiter voranzubringen. „Haben wir den Mut? Oder hängt jeder noch an seiner Dorfkirche? Eines ist klar: Die Idee wird nicht allen gefallen. Aber man muss doch die Frage stellen dürfen: Wie seht ihr eure Zukunft?“

 

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erstellt am 03.Dez.2015 | 00:32 Uhr

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