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Windmühlen-Reportag : Aufstieg in luftige Höhen

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Der Bürger-Windpark Lübke-Koog ermöglichte unserer Reporterin eine exklusive Tour auf eine Windkraftanlage.

Es weht eine frische Brise an diesem ungemütlichen Sommertag im Friedrich-Wilhelm-Lübke-Koog. Hinter dem Deich liegt schon das Meer, das uns von den nordfriesischen Inseln trennt. Und direkt vor mir steht eine Vestas 80, eine von insgesamt 30 Windkraftanlagen, die sich im Bürger-Windpark Lübke-Koog befinden. Vor 26 Jahren haben sich 44 Anwohner des Koogs zusammengetan und gemeinsam mit ee-Nord den ersten und erfolgreichsten Windpark Deutschlands gegründet. Ganz nach dem Motto „was einer nicht alleine schafft, fällt vielen nicht schwer“ sind aus 44 Personen im Laufe der Jahrzehnte 400 Beteiligte geworden, die allesamt einen wesentlichen Beitrag zur Energiewende leisten. Für mich bot sich nun die Chance, in Kooperation mit dem Bürger-Windpark Lübke-Koog und ee-Nord, eine Vestas 80 in einer exklusiven Tour zu besteigen.

Mit einer Mischung aus Ehrfurcht, Vorfreude und Neugier stehe ich am Fuße der Windmühle, die wie ein Koloss vor mir 65 Meter in die Höhe ragt. Aber die Vorfreude überwiegt die Angst, in Windeseile bin ich angeleint und mit Helm und Schutzkleidung ausgestattet. Dann geht es los. Ein kleiner blauer Fahrstuhl, der Platz für etwa zwei Personen bietet und beim ersten Blick wie ein Käfig anmutet, bringt mich zunächst 45 Meter in die Höhe auf eine Plattform. Für den Fall, dass ich stecken bleiben sollte, bekomme ich ein Funkgerät, das mich mit den Sicherheitsleuten in Kontakt setzt. Aber nach einer dreiminütigen, recht wackeligen Fahrt, kann ich aufatmen und aussteigen. Der spannende Teil liegt jedoch erst vor mir.

In 45 Metern Höhe wartet Sören Friedrichsen, der technische Betriebsführer von ee-Nord, bereits auf mich. „Bist du bereit für den Aufstieg?“, fragt er. Ich nicke und klettere mit schwitzigen Händen meine erste Hürde zur nächsten Plattform hoch. „Nicht nach unten gucken, immer das Ziel im Auge behalten und im Fluss bleiben“, sagt Sören. Die nächste Leiter verlangt mehr Geschick: Während ich hochklettere, muss ich vorsichtig auf die nächste Plattform kriechen und dann zur Seite rollen, um meinen Kopf vor einem Zusammenstoß mit einer der Maschinen zu bewahren. Wer hier arbeitet, darf nicht klaustrophobisch sein, das ist sicher. Schritt für Schritt taste ich mich vor, bis ich mich schließlich im Herzstück der Mühle, der sogenannten Gondel befinde.

Der Raum ist eng, die Maschinen laufen heiß und es wimmelt von roten „Notaus“-Knöpfen, vor denen Sören mich ausdrücklich warnt. Der Wind draußen weht kräftig und verwandelt das Maschinenhaus gefühlt in ein Schiff auf hoher See. Jetzt macht mir meine mangelnde Seetauglichkeit doch zu schaffen. „Warte mal ab, wenn Sturm ist. Dann spielt hier oben die Musik“, scherzt Sören. Zu meinem Erstaunen darf ich über die Maschinen steigen, um zum anderen Teil des Raumes zu gelangen. Das letzte Hindernis ist nun also auch überwunden und das Ziel ist endlich erreicht.

Aber wo ist die Aussicht? Die Antwort lässt nicht lange auf sich warten und Sören öffnet eine kleine Luke an der Decke, die gerade groß genug ist, um den Kopf hinauszustrecken. Sofort bläst mir der Wind mit seiner ungebremsten Kraft ins Gesicht und saust mir um die Ohren. Glücklicherweise zeigt sich mittlerweile aber die Sonne und ermöglicht mir eine volle Sichtweite. Der Ausblick ist gigantisch: Direkt vor mir liegt das Wattenmeer in seinem ganzen Ausmaß. Richtung Norden fährt ein Zug auf dem Hindenburgdamm auf gerader Strecke nach Westerland. Zu meiner Linken und zu meiner Rechten drehen sich fleißig die Rotorblätter, die nochmals 39 Meter in die Höhe ragen. Richtung Süden liegen die Wiesen, Felder und Dörfer Nordfrieslands vor mir.

Je länger ich hier oben stehe, desto deutlicher wird mir vor Augen geführt: Nordfriesland bietet eine Vielfalt, Eigenart und Ursprünglichkeit, die in dieser Dimension nur noch an wenigen Flecken der Erde zu finden ist.

Und trotz oder gerade wegen seiner Ursprünglichkeit zeigt sich der Lübke-Koog mit der immer weiter voranschreitenden Ausweitung des Bürgerwindparks als zukunftsweisende und umweltbewusste Gemeinde, die im Umgang mit den regenerativen Energien bundesweit eine Vorbildfunktion erfüllt.

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erstellt am 29.Jul.2017 | 14:34 Uhr

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