Auf nackten Sohlen entlang der Wehle

Raus aus den Schuhen: Wilfreid Bockholt und Peter Schumann weihten den Barfußpfad an der Wehle ein.
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Raus aus den Schuhen: Wilfreid Bockholt und Peter Schumann weihten den Barfußpfad an der Wehle ein.

Neue Attraktion: Der von Schülern entworfene Barfußpfad an der Wehle ist eingeweiht – ab sofort Fußreflex-Massage zum Nulltarif möglich

shz.de von
31. März 2017, 11:55 Uhr

Die Niebüller Badewehle schreibt eine neue Geschichte. Diese begann zu Weihnachten 1593, als der Gotteskoogdeich westlich des Dorfes Nubul, der heutigen Stadt Niebüll, brach und die Kraft des hereinstürzenden Wassers ein tiefes Loch spülte. Man nannte es je nach seinem Standort Brack, Kolk oder Wehl. Die Nordfriesen blieben beim Wehl – nannten sie die Wehle und beließen es bis heute dabei. Diese entwickelte sich bis heute zu einem von Familien und vor allem von Kindern heiß geliebten Platz. Neueste Errungenschaft an der Wehle ist ein jetzt von Bürgermeister Wilfried Bockholt eröffneter Barfußpfad, „erfunden“ von Niebüller Schülern, gebaut vom städtischen Bauhof, begleitet vom Umweltausschuss und Kneipp-Verein und begutachtet von einer Schar begeisterter Niebüller.

Erste Benutzer waren der Bürgermeister, Umwelt-Ausschussvorsitzender Peter Schumann und die Schüler Werner Maier, Heddies Richardsen und Simon Nommensen – alle barfuß und mit dem Befund: „Es war schön – aber leider noch kalt.“

Doch zunächst zur Wehle. Im Laufe der Zeit entwickelte sich die Wehle nach und nach zu einer Alternative zur nahen Nordsee und zu einem beliebten Freibad. Freilich konkurrierte das Gewässer mit der Landwirtschaft in der Nähe. Am Westrand war es der Magdalenenhof, der Anfang der 70er Jahre abbrannte und an der Ostseite die kleine Wehle, die, wie sich Nachbarin Hanni Holst erinnert, zum Hof von Momme Hansen senior gehörte und gepachtet war und zuletzt von Momme Hansen junior bewirtschaftet wurde.

Während der sommerlichen Gräsung waren die Deichkühe an der Wehle Stammgäste zur Tränke und hinterließen oft einen „grünen Teppich“. Den aber störte das badende Volk nebenan nur wenig.

An der Wehle wurde geplanscht, gebadet, Schwimmunterricht erteilt und auf dem Grün rundum gesonnt. Im Winter diente ein Loch im Eis zum Abkühlen nach den Saunagängen in der von der DLRG erbauten „Papageien-Sauna“, benannt nach den früheren Holzhäusern in der Kieler Straße, von den eines zur Sauna umgebaut wurde. Anfang der Siebziger wurde das Wehlengebiet von Gärtner Göttsch aus Süderlügum durch eine Baumanpflanzung umgrünt, die sich bis heute zu einem Problem entwickelte, weil herabfallendes Laub nach und nach die Wasserqualität beeinträchtigte. Jetzt ist der Baumbestand weitgehend ausgelichtet worden. Wenn der Boden trockener ist, folgt eine Graseinsaat – und damit der letzte Schritt zu einer Parklandschaft rund um die Wehle, die dann zur ersten großen Premiere die 4. Auflage des „Historischen Treybens“ von Frisia Historica erlebt. In den Jahren zuvor hatte es an der Wehle eine Fülle von Aktionen gegeben, wie das kollektive Grillen der Niebüller, ferner Musikabende, kleine Feste von Vereinen und der DLRG, Kindstaufen, und Taufen der Freikirche und die beliebten großen Wehlenfeste.

Jetzt erlebt die Wehle eine neue Qualität. Schüler der Gemeinschaftsschule entwickelten während einer Projektwoche in der Jugendherberge bei Herbergsmutter Sabrina Kosinska den Plan für den Barfußpfad. Ihre Idee mündete in ein Modell, das für schlüssig und realisierbar befunden und auch gleich von positiven Aspekten umwoben wurde. Bürgermeister Wilfried Bockholt meinte, es schärfe die Sinne, auf bloßen Sohlen über den Pfad zu gehen.

Aus der Kneipp-Ecke waren therapeutische Begriffe wie die „Fußzonenreflexmassage“ zu vernehmen – ganz abgesehen vom empfundenen Wohlbefinden nach dem Beschreiten des Pfades.

Bauamtsleiter Jochen Johannsen verwandelte den Plan und das Modell der Niebüller Schüler innerhalb einer Gesamtarbeitszeit von 80 Stunden in eine gelungene Realität – und zwar, für Materialkosten von 386,19 Euro. Wobei auch Steine verwendet wurden, mit denen einmal die Hauptstraße gepflastert war. Am Bau des Pfades waren überwiegend Lehrlinge des Niebüller Bauhofes beteiligt, darunter auch Annabelle, eine Auszubildende zur Gärtnerin im Fachbereich Garten- und Landschaftsbau.

Die Arbeiten an der Wehle gehen jetzt ihrem Ende entgegen. Wenn es etwas trockener ist, folgen finale Restarbeiten. Dann steht dem Werden und Wachsen einer völlig neuen Parklandschaft rund um die Wehle nichts mehr entgegen.

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